Long-Term Archiving and Notary Service ist ein Begriff aus der Kryptologie.
Von 2003 bis 2011 arbeitete die gleichnamige Working Group innerhalb der Internet Engineering Task Force (IETF) an Spezifikationen rund um das Thema der Nachweisfähigkeit der Integrität von elektronischen Dokumenten, speziell signierten, im Kontext der Langzeitarchivierung. Das erste Ziel war es, die im ArchiSig-Projekt gewonnenen Konzepte in einen Standard zu überführen. Nach einer weiteren Phase der Anforderungsanalyse für ein Archivsystem, das entsprechende Services zur Verfügung stellt, wurden dann weitere Austauschformate sowie Protokolle spezifiziert.
Das primäre Ziel eines Long-Term Archive Service ist die Sicherung des Nachweises eines Anspruchs, der in einem elektronischen Dokument beurkundet wird, zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft. Ein Long-Term Archive Service muss daher Anwendungsfälle wie Testamente, Landbesitzurkunden, medizinische Daten, Kriminalfallakten, persönliche Urkunden oder Verträge elektronisch unterstützen. Ein Long-Term Archive Service muss von unterschiedlichen Anwendern wie Organisationen, Einwohner, Richtern oder Notaren in gleicherweise genutzt werden können:
Für jedes der genannte Beispiele gibt es das komplementäre Beispiel eines Empfängers, z. B. eine Firma erhält den Vertrag im Streitfall zugeschickt oder ein Gesetzeshüter stellt Material für eine Anklage zusammen.
Aufgrund des Langzeitaspekts muss ein Long-Term Archive Service damit umgehen können, dass benutzte Techniken mit der Zeit altern. Das gilt für
Im Falle der Alterung muss daher ein Long-Term Archive Service in der Lage sein,
Diese ordnungsgemäße Durchführung dieser Services müssen auch nach Jahren lückenlos nachgewiesen werden können (→ Notary Service).
Die LTANS Working Group arbeitet an den folgenden weiteren RFCs:
Bisher umgesetzt wurde hauptsächlich die Evidence Record Syntax inklusive entsprechender Datenhaltung in einer SQL-Datenbank durch deutschen Hersteller von Signaturanwendungskomponenten (siehe Artikel Evidence Record Syntax) mit bisher eigenen, proprietären Schnittstellen.
Seit 2010 existieren Lösungen, bei denen die Beweiswerte direkt im Dokumentencontainer abgelegt und versiegelt werden. Proprietäre, separate Systeme zur Verwaltung der Evidence Records können dadurch komplett entfallen.
Die Technische Richtlinie TR-03125 des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) nutzt die Evidence Record Syntax zur Beweisführung und erlaubt entsprechende Zertifizierungen auf der Basis des Schutzprofils (Protection Profile) ArchiSafe.
Zur Kritik am Neusignieren qualifiziert signierter Dokumente, die in einem elektronischen Archiv gespeichert sind, siehe den Artikel ArchiSig.
Ob sich der Internet-Draft LTANS-LTAP durchsetzen wird, mag bezweifelt werden. Inzwischen haben sich alle marktbeherrschenden Hersteller wie IBM, SAP, Microsoft, EMC und ORACLE zur Definition des Standards CMIS unter der Oberhoheit der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) zusammengefunden. Der Content Management Interoperability Service (siehe Weblink) legt auf Basis des SOAP als auch REST-Protokolls fest, wie Anwendungen Content in entsprechende Repositories (u. a. auch Archive) in Aktenstrukturen in Bezug auf Zugriffsrechte ablegen, suchen und wiederfinden können.