
Lorenzo Fonda (* 28. November 1979 in Modena, Italien) ist ein italienischer Filmregisseur und Künstler mit Wohnsitz in New York City. Seine Arbeit umfasst Dokumentarfilme, Kurzfilme, Werbespots, Musikvideos und interaktive Installationen. Seine vielseitigen filmischen Stile und Techniken reichen von stilisierten Live-Action-Sequenzen bis hin zu skurrilen und humorvollen Animationen. Fondas Dokumentarfilm MEGUNICA wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Das erste Viertel seines Lebens verbrachte Lorenzo Fonda in Italien, wo er sich das künstlerische Handwerk des Filmens und der Illustration selbst beibrachte. Daneben betrieb er seit früher Jugend das Skateboarding, ein Sport, dessen Dynamik sich nach seiner Angabe noch heute in seinen Werken niederschlägt. Mit 25 Jahren erhielt er ein Stipendium am communication research centre Fabrica in Treviso, an dem er seine künstlerischen Fertigkeiten vertiefte und Kontakte zu Künstlern aus aller Welt knüpfte. Bald nach Beendigung seines Studiums bekam er erste Aufträge von internationalen Werbeagenturen, als Regisseur für Werbespots zu arbeiten. Im Jahr 2013 übersiedelte er nach New York City.
Musikvideos erstellte Fonda unter anderem für Scissor Sisters, Metronomy, Bright Eyes, Jamie Woon, Bernhard Fleischmann, For a Minor Reflection und Metronomy. Werbespots drehte er für Unternehmen wie Nike, MTV und Alfa Romeo sowie für den San Diego Zoo, für den er 2013 unter dem Namen Koalafornia vier Spots über die zwanzig neu erworbenen Koalas produzierte. Zu Fondas nicht-kommerziellen Arbeiten gehören Kurzfilme für den Welt-AIDS-Tag im Jahr 2005 und der Titel Big Cats Week für den National Geographic Channel, der daran erinnern soll, wie außergewöhnlich Wild- und Großkatzen sind und der auf ihre Gefährdung aufmerksam machen will. Für den Boys & Girls Clubs of America (BGCA) schuf er dreiminütige Kurzfilme über die ehemaligen Club-Mitglieder Wesley Clark (BE BRAVE) und Denzel Washington (BE GRATE). Im Dezember 2008 überquerte Fonda den Pazifischen Ozean an Bord des Frachtschiffs Portland Senator auf der Route von Los Angeles nach Shanghai. Seine Erfahrungen auf See schlugen sich in dem zehnminütigen Video Ten things I have learned about the sea nieder. Den Film unterlegte er mit Musik der Band Hammock aus dem Album Maybe They Will Sing for Us Tomorrow.
Zu einem seiner anspruchsvollsten und interessantesten Projekte zählt Fonda seine Arbeit aus dem Jahr 2014 über den jungen italienischen Sänger Son Pascal. Pascal ging von London nach Kasachstan, um dort an einer Talentshow teilzunehmen. Er gewann die Show zwar nicht, blieb aber dennoch im Land und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Pop-Stars Kasachstans. Über das hektische Leben Pascals wurde daraufhin die docu-reality-Staffel Pascalistan TV Series gedreht, die im italienischen Sender Deejay Tv gezeigt wurde. Da diese Sendung auf große Resonanz stieß, wurde von dem Show-Creator Davide Tappero Merlo eine zweite Staffel nachgelegt, für die Fonda als Regisseur verpflichtet wurde. Später erwarb die BBC die Rechte an dem Format und adaptierte die Staffel für das britische Fernsehen.
„The combination of Pascal’s energy, Davide’s creative authorial supervision and the unique quality of the place and its people contributed to make this one of the most rewarding project I’ve ever been part of.“


Lorenzo Fonda ist vor allem bekannt durch seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Streetart-Künstler Blu in dem Filmprojekt MEGUNICA. In einer Mischung aus Künstlerportrait und Roadmovie folgt der 80-minütige Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 Blu auf einer Reise durch Süd- und Zentralamerika im Herbst/Winter 2006 und zeigt den Künstler bei der Arbeit. Der Name MEGUNICA ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der bereisten Länder MExiko, GUatemala, NIcaragua, Costa Rica und Argentinien. Das Ziel des Projekts bestand darin, zu erforschen und zu dokumentieren, ob und inwieweit die unterschiedlichen Umfelder und sozialen Bedingungen der bereisten Länder Blus kreative Prozesse beeinflussen und sich über eine veränderte Wahrnehmung in seinen Wandmalereien, Zeichnungen und Animationen niederschlagen.
Der zweite Dokumentarfilm Fondas mit dem Titel Archaeology of the future befindet sich in der Postproduktion (Stand 2014). Er behandelt das Kunstwerk des 1995 verstorbenen Materialbildners Alberto Burri, das am Ort der 1968 durch ein Erdbeben zerstörten sizilianischen Stadt Gibellina als Raumkomposition entstand. Im Jahr 1981 hat Burri über Gibellina Vecchia, den Ruinen des alten historischen Teils von Gibellina, das gewaltige Monument errichtet. Die Ruinen wurden unter einer dicken Schicht Beton begraben, der begehbare Einschnitte aufweist, um die alten Gassen mit ihrer Enge noch nachvollziehen zu können. Der Dokumentarfilm rekonstruiert die Geschichte des Kunstwerks und der daran beteiligten Personen. Mit einem Team von Skateboardern fährt die Filmcrew die Einschnitte der alten Gassen und das Gelände ab. Mit Interviews, Archivmaterial, Skateboard-Material, animierten Nachstellungen und fiktiven Segmenten untersucht Fonda die Auswirkungen des Kunstwerks und seines Schaffensprozesses. Zudem versucht der Film am Beispiel des Kunstwerks das Wesen der Kunst im öffentlichen Raum zu ergründen und zu zeigen, wie Kunst den Menschen überdauern und zum Vermächtnis der Zivilisation werden kann.
Zudem war MEGUNICA 2008 für den „Grierson Youth Jury Award“ auf dem Sheffield Doc/Fest (Sheffield International Documentary Festival (SIDF)) nominiert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fonda, Lorenzo |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Filmregisseur und Künstler |
| GEBURTSDATUM | 28. November 1979 |
| GEBURTSORT | Modena, Italien |