| Film | |
| Titel | Lost in Translation |
|---|---|
| Produktionsland | USA, Japan |
| Originalsprache | Englisch, Japanisch |
| Erscheinungsjahr | 2003 |
| Länge | 97 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen |
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| Stab | |
| Regie | Sofia Coppola |
| Drehbuch | Sofia Coppola |
| Produktion |
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| Musik | Kevin Shields |
| Kamera | Lance Acord |
| Schnitt | Sarah Flack |
| Besetzung | |
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| → Synchronisation | |
Lost in Translation (englisch für „verloren in der Übersetzung“, dt. Titelzusatz Zwischen den Welten) ist der zweite Spielfilm von Sofia Coppola.
Bill Murray und Scarlett Johansson spielen die Hauptrollen in diesem von Melancholie geprägten Film, der mittlerweile als moderner Klassiker gilt. Murray spielt den gealterten, entfremdeten und lethargischen Filmstar Bob Harris, der für einen Whisky-Werbespot nach Tokio gereist ist, wo er auf die junge, von Scarlett Johansson dargestellte Charlotte trifft, die ebenso verloren zu sein scheint wie er. Beide verbindet ihre Schlaflosigkeit in einer fremden Stadt, woraus sich trotz des Altersunterschieds eine ungewöhnliche Freundschaft und zuletzt auch eine platonische Liebe entwickelt.
Coppola erhielt für den Film 2004 einen Oscar für das Beste Originaldrehbuch, Murray wurde mit einem Golden Globe als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Lost in Translation löste Kritik an seiner Darstellung der Japaner aus. Kritiker und Wissenschaftler sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Japan warfen dem Film Rassismus, Orientalismus und die Verbreitung antiasiatischer Stereotype vor. Diese Kontroverse führte während der Filmpreissaison 2003/2004 zu einer organisierten politischen Mobilisierung innerhalb der Asiatische Amerikaner Bewegung.


Der alternde US-amerikanische Filmstar Bob Harris reist für eine Woche nach Tokio, um dort seine schwindende Popularität für eine Whisky-Werbung zur Verfügung zu stellen. Im selben Hotel wohnt die Amerikanerin Charlotte, junge Ehefrau eines flippigen Boulevard-Fotografen. Dieser wurde vom Verlag der Illustrierten, bei welcher er arbeitet, für eine mehrtägige Auftragsarbeit nach Japan geschickt. Charlotte hat erst kürzlich ihr Philosophiestudium absolviert. Während ihr Mann tagsüber seiner Arbeit nachgehen muss und weil ihm sein hektischer Job kaum Zeit für seine Frau lässt, bleibt Charlotte allein im Hotel zurück. Um die Zeit bis zu Johns Rückkehr zu überbrücken, blättert sie in Zeitungen, unternimmt kleine Spaziergänge oder schaut einfach nur gelangweilt aus ihrem Zimmer hoch über der Stadt in die Straßenschluchten Tokios hinunter. Nachts kann sie nicht schlafen. Als sie ihren Mann einmal zu einem Treffen mit den Stars begleitet, welche er fotografiert, wird ihr bewusst, wie oberflächlich seine Welt und wie fehl am Platze sie an seiner Seite ist. So beginnt sie, am Sinn dieser Reise zu zweifeln, ihre Ehe in Frage zu stellen und sich der Ziellosigkeit ihres eigenen Lebens bewusst zu werden. Sie sucht Ruhe und Besinnung etwa bei Ikebana, oder indem sie eine buddhistische Zeremonie in einem Tempel besucht.
In der Hotelbar trifft sie auf Bob Harris, dessen 25-jähriger Ehe es ebenfalls an Intimität fehlt, wie die wortkargen, sachlichen Telefongespräche mit seiner Frau andeuten. Wie Charlotte leidet auch er an Schlaflosigkeit und fühlt sich in Tokio fremd und verloren. Symptomatisch ist der Dreh des Whisky-Spots, in dem sich der Titel des Films manifestiert: Der japanische Regisseur gibt Bob ausführliche Anweisungen, wie er sich bei der Szene zu verhalten habe, die Dolmetscherin aber fasst diese jeweils in nur einem einzigen, einfachen Satz zusammen. Der eigentliche Inhalt der Ansagen geht also buchstäblich „in der Übersetzung verloren“, ist daher lost in translation.
Die Einsamkeit macht das ungleiche Paar zu Gefährten. Schlaflos und müde vom Jetlag, aber nicht ohne Galgenhumor angesichts ihrer eigenen Verlorenheit und Sprachlosigkeit in der fremden Metropole, schließen sie Freundschaft und streifen gemeinsam, wenn auch nach wie vor ziellos, durch das nächtliche Tokio. Was das ungleiche Paar vereint, sind Melancholie und Resignation: Bob, der schon am Ende seiner Ehe steht und dessen routinemäßige Ferngespräche mit seiner Frau Lydia die ganze Banalität und Unerfülltheit seines Familienlebens verraten, spürt durch die Gegenwart Charlottes den Verlust seiner einstigen Lebenslust umso schmerzlicher; Charlotte, die noch am Anfang ihrer Ehe steht, sieht sich in Bob mit der drohenden Aussicht konfrontiert, dass sich ihr leeres und einsames Eheleben – entgegen Bobs halbherzigen Beteuerungen – wohl auch in Zukunft nicht bessern wird, im Gegenteil. Dabei sorgen nicht nur der beträchtliche Altersunterschied zwischen dem väterlich weisen, aber tapsigen Bob und der neugierigen, einfühlsamen Charlotte, sondern auch der große kulturelle Gegensatz zwischen der japanischen und der amerikanischen Welt immer wieder für Komik, sodass die melancholische Atmosphäre permanent ironisiert und die latente, in ruhigen und traumähnlichen Bildern eingefangene Untergangsstimmung nicht ohne Heiterkeit und Kontemplation inszeniert wird.
Ihre platonische Beziehung scheint vorübergehend Schaden zu nehmen, als Bob betrunken nach einem One-Night-Stand mit einer gleichaltrigen Sängerin am folgenden Morgen von Charlotte überrascht wird. Tief enttäuscht zieht sie sich von ihm zurück und versöhnt sich erst kurz vor seinem Rückflug wieder mit ihm, als beide das Hotel bei einem Übungsalarm der Feuerwehr verlassen müssen. Als Bob am nächsten Morgen abreist, sieht er auf dem Weg zum Flughafen Charlotte zufällig noch ein letztes Mal in einer belebten Fußgängerzone. Er läuft zu ihr hin, umarmt sie, flüstert ihr etwas ins Ohr und gibt ihr einen Abschiedskuss. Während er langsam vor ihr zurückweicht und allmählich von der Menschenmenge verschluckt wird, blickt sie ihm noch lange lächelnd nach.
| Figur | Darsteller | Deutscher Sprecher |
|---|---|---|
| Bob Harris | Bill Murray | Arne Elsholtz |
| Charlotte | Scarlett Johansson | Maren Rainer |
| John | Giovanni Ribisi | Philipp Brammer |
| Kelly | Anna Faris | Kathrin Gaube |
| Miss Kawasaki, Übersetzerin | Akiko Takeshita | Chiharu Röttger |
| „Charlie Brown“, Charlottes Bekannter | Fumihiro Hayashi | Kai Taschner |
| Bobs Agent (Stimme) | Pierre Peters-Arnolds |
Für Sofia Coppola, die während der 1990er Jahre in Tokio ihr Modeunternehmen Milkfed leitete, war die Stadt zu einer zweiten Heimat geworden. Ihre Erfahrungen mit dem Jetlag und den unterschiedlichen Landessprachen veranlassten sie, über das Phänomen der Losgelöstheit und der Kameradschaft unter Ausländern zu schreiben. In sechs Monaten waren im kalifornischen Los Feliz lediglich 20 Drehbuchseiten entstanden. So reiste sie Anfang 2001 für ein paar Wochen nach Tokio, um ihr Buch um Schnappschüsse zu erweitern. Sie ließ sich dabei von Filmen wie Die mit der Liebe spielen (Michelangelo Antonioni), Ein Herz und eine Krone (William Wyler), Tote schlafen fest (Howard Hawks), In The Mood For Love (Wong Kar-Wai), Hinter dem Rampenlicht (Bob Fosse) und der Musik von My Bloody Valentine inspirieren. Schließlich umfasste das Drehbuch 70 Seiten; Coppola bot die Rechte weltweit verschiedenen Verleihern an, um den Film unabhängig vom Hollywood-System finanzieren zu können und den Final Cut nicht an einen übermächtigen Geldgeber abtreten zu müssen (tatsächlich kam so das veranschlagte Budget von 4 Mio. US-Dollar zusammen). Eingespielt hat der Film weltweit knapp 120 Millionen Dollar und wurde in den Königsdisziplinen für vier Oscars nominiert.
Während Coppola fünf Monate lang versuchte, ihre Muse Bill Murray zu erreichen, der seit 1999 keiner Agentur mehr angehörte und seinen Anrufbeantworter nur selten abhörte, begann die Vorproduktion im Frühjahr 2002. Murray sagte schließlich zwar zu, unterschrieb aber keinen Vertrag. Er erschien jedoch am ersten Drehtag, dem 29. September 2002, am Set in Japan. Sofias Bruder Roman Coppola machte mit einem zweiten Kamerateam Großstadtaufnahmen von Tokio, während Sofia mit den Darstellern arbeitete. Lediglich die damals 17-jährige Scarlett Johansson und Giovanni Ribisi kannten einander, alle anderen Darsteller trafen sich erst in Tokio.
Coppola wollte ihren Film mit einer Szene eröffnen, die von dem amerikanischen Künstler John Kacere beeinflusst war. Kacere ist bekannt dafür, Frauengestalten auf provokante Art und Weise zu malen. Johansson sollte in ihrer Rolle von hinten in durchsichtiger rosa Unterwäsche gefilmt werden. Wie Johansson später in einem Interview erzählte, hatte sie zunächst Angst, diese Wäsche zu tragen. Daraufhin habe Coppola ihr diese an sich selbst gezeigt, damit sie besser habe einschätzen können, wie das aussehen würde. Die Regisseurin habe ihr versichert, dass sie es nicht machen müsse, wenn sie dann immer noch Bedenken habe. Nur die Regisseurin selbst habe sie dazu bringen können, diese Wäsche zu tragen, erläuterte Johansson. Die Szene wurde dann auch wie vorgesehen gedreht. Während das 35-mm-Filmmaterial für romantische Bilder sorgen sollte, bestand Coppola auf der Methode der Improvisation, was einzelne Momentaufnahmen unterstützt: So spielt zum Beispiel Catherine Lambert, die Jazz-Sängerin in der Hotellounge des Park Hyatt, spontan auch Murrays Geliebte, während Kostümbildnerin Nancy Steiner die Telefonstimme von Bobs Ehefrau gibt. Szenen in der U-Bahn und auf Straßen entstanden ohne offizielle Drehgenehmigungen, eine Szene wurde spontan von einem in der ersten Etage gelegenen Starbucks aus aufgenommen. Murrays Karaoke und die Whisky-Foto-Session entstanden intuitiv. Bei überraschenden Regenfällen musste Johansson durch das Unwetter spazieren, im Shabu-shabu-Restaurant wurde um vier Uhr morgens plötzlich der Strom ausgeschaltet (die Filmtruppe hatte zehn Minuten überzogen), und auch der inzwischen legendäre Abschiedskuss stand nicht im Buch, sondern war aus der Stimmung heraus entstanden. Nach 27 Drehtagen verließ das Team Japan am 8. November.
Die Synchronisation entstand bei PPA Film GmbH in München nach Synchronregie und Dialogbuch von Pierre Peters-Arnolds.
Das Lied, das in der ersten Clubszene läuft, heißt The State We’re In und stammt aus dem Album Come with Us (2002) der Chemical Brothers. Der Song, der im Hintergrund läuft, als sich Bob und Charlotte in dem schummrigen Strip-Club befinden, heißt Fuck the Pain Away und stammt von der Musikerin Peaches. Der Song ist auf Peaches’ zweitem Album The Teaches of Peaches aus dem Jahr 2000 enthalten.
Als Bob und Charlotte mit ihren japanischen Freunden Karaoke singen, stimmen sie die Lieder God Save the Queen von den Sex Pistols, (What’s So Funny ‘Bout) Peace, Love and Understanding in der Version von Elvis Costello, Brass in Pocket von den Pretenders und More Than This von Roxy Music an.
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 95 % |
| Metacritic (Metascore) | 91/100 |
| Prädikat der FBW | besonders wertvoll |
| AllMovie | |
| Lexikon des internationalen Films | |
| Roger Ebert | |
| They Shoot Pictures, Don’t They? | #413 |
Lost in Translation gilt als Klassiker, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Zertifiziert Frisch“ ein. Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“. Und They Shoot Pictures, Don’t They? zählt den Film zu den angesehensten Werken der Filmgeschichte.
Hanns-Georg Rodek lobt den Film in Die Welt, er sei „witzig, weise, wundervoll“, „frisch und verspielt“, aber auch „reif und weise“ und biete Erkenntnisse, „die wir im Kino nicht erwarten, in diesen Zeiten nicht und in einem US-Film schon gar nicht“. Michael Althen (Frankfurter Allgemeine Zeitung) schrieb, dem „herzerwärmenden Film“ gelinge es, „diese unmögliche Balance zwischen Wachen und Träumen zu halten“. Für Susan Vahabzadeh (Süddeutsche Zeitung) ist bemerkenswert, dass die „Komödie über mißglückte Kommunikationsversuche“ zwar uneingeschränkt sinnlich sei, aber dennoch ohne Sex auskomme. Das Lexikon des internationalen Films schrieb, Lost in Translation sei eine „leise Tragikomödie über Gleichgültigkeit und die Flüchtigkeit des Daseins“ sowie „ein nuanciertes Kammerspiel, das nicht nur in der verhaltenen Annäherung seiner Protagonisten eine feine Mitte wahrt, sondern auch den fremden Spiegel des zeitgenössischen Japan als irreal-verträumten und zugleich tief emotionalen Widerschein einer metaphysischen Verlorenheit nutzt“.
Der englische Guardian wirft dem Film vor, sein „anti-japanischer Rassismus“ sei nicht komisch. Für den Filmdienst sieht Rüdiger Suchsland dagegen „eine gelungene Satire auf das Verhältnis des Westens zu Japan.“ Die „Witze über zu kleine Duschen und zu schnelle Laufbänder, sonderbare Werbung und grelle Fernsehshows“ seien im Tonfall „immer liebevoll, nie verächtlich.“
Der Kritiker Roger Ebert sah in Bill Murrays Schauspiel sicherlich eine der exquisitesten Aufführungen in dessen jüngsten Filmen. Er könne seine Augen nicht abwenden. Murray scheine in der von Sofia Coppola für ihn geschaffenen Situation sehr gegenwärtig zu sein. Die Frage, ob er sich selbst spiele, sei mit „eher nicht“ zu beantworten, allerdings zeige er in diesem Film eine so große Reichweite, als würde er Henry Higgins spielen. Er lasse es zu, dass der Film so großartig geworden sei, wie Coppola es sich erträumt und beabsichtigt habe. Eine der Stärken von Coppolas Drehbuch sei, dass die Darsteller in allem, was sie tun, glaubwürdig seien. Ebert führte weiter aus, dass er nicht mehr wisse, wie oft er von Leuten gefragt worden sei, worum es in dem Film überhaupt gehe, und sie sich beschwert hätten, dass einfach nichts passiere. Sie seien Filme gewohnt, die ihnen sagen, was sie fühlen sollen, und die einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hätten. Lost in Translation biete ein Erlebnis in der Wahrnehmung von Empathie.
Kritiker haben die Auffassung vertreten, dass Lost in Translation rassistische Elemente enthalte und orientalistische Vorstellungen reproduziere. Ihrer Ansicht nach stützt sich der Film auf ethnische Stereotype, insbesondere auf Stereotype über Ostasiaten, auf eine orientalistische Bildsprache sowie auf die Entmenschlichung japanischer Figuren – sowohl in seiner Erzählweise als auch in seiner visuellen Inszenierung.
Am 31. Januar 2004 startete die asiatisch-amerikanische und pazifisch-insulanische Organisation (AAPI) Asia Media Watch eine landesweite Kampagne, in der die Mitglieder mehrerer Organisationen der Filmindustrie, darunter die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die Directors Guild of America, die Screen Actors Guild und die Writers Guild of America, dazu aufgerufen wurden, Lost in Translation bei der 76. Verleihung der Academy Awards in keiner Kategorie zu unterstützen. Mit Unterstützung von Freiwilligen und Sympathisanten verteilte die Organisation Flugblätter und führte bei Vorführungen in Los Angeles, New York und San Francisco Informationskampagnen unter den Stimmberechtigten durch. Darüber hinaus organisierte sie E-Mail-Kampagnen und wandte sich an die Medien. Die Initiative hatte jedoch nur geringe Auswirkungen auf das Ergebnis der Preisverleihung, die von Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs dominiert wurde, das elf Oscars gewann, darunter die Auszeichnungen für den Besten Film und die Beste Regie. Die Organisation erklärte, der Film „entmenschlicht die Japaner, indem er sie als Ansammlung oberflächlicher Stereotype darstellt, denen mit Gleichgültigkeit und Verachtung begegnet wird“. Sie vertrat die Auffassung, dass diese Darstellungen sowie die mangelnde kulturelle Sensibilität zur Diskriminierung asiatischstämmiger Amerikaner in den Vereinigten Staaten beitrügen, wo bereits in Teilen der Bevölkerung antiasiatische Ressentiments bestünden.
Eine weitere asiatisch-amerikanische und pazifisch-insulanische Organisation (AAPI), Asian American Movement Ezine, kritisierte den Film ebenfalls und verglich seine humoristischen Mittel mit der Geschichte der Darstellung asiatischstämmiger Amerikaner in Hollywood: „Um den Kulturschock zwischen der amerikanischen und der japanischen Kultur darzustellen, greift der Film auf abgenutzte Stereotype über Japaner zu komödiantischen Zwecken zurück: Sie sind klein! Sie sind exzentrisch! Sie können das ‚r‘ nicht aussprechen! Der Film ist voller rassistischer Witze, die an alte Hollywood-Stereotype anknüpfen – von Mr. Yunioshi, dargestellt von Mickey Rooney in Frühstück bei Tiffany, über die japanischen Autohersteller in Gung Ho (1986) bis hin zum berüchtigten Long Duk Dong aus Das darf man nur als Erwachsener.“
Die Filmemacherin Koohan Paik-Mander vertrat die Auffassung, dass „die Japaner nicht als Menschen, sondern als Clowns dargestellt werden […] Der Humor beruht vollständig auf ihrem Anderssein. Wir lachen über sie, nicht mit ihnen. Deshalb wird dem Film Rassismus vorgeworfen.“ Ihrer Ansicht nach stelle „die Weigerung, sie als vollwertige menschliche Wesen darzustellen – unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ gezeichnet werden –, eine Form der Diskriminierung oder sogar des Rassismus dar.“
In der Zeitung National Post schrieb Robert Fulford, Lost in Translation vermittle „einen geschmacklosen Rassismus unter dem Deckmantel einer romantischen Komödie. Wie rassistische Äußerungen so oft suggeriert der Film, dass Ausländer – in diesem Fall Japaner – von Natur aus komisch und dumm seien. [...] Lost in Translation wird jedem gefallen, der unerschöpflichen Humor in der vermeintlichen Unfähigkeit der Japaner sieht, die Buchstaben ‚r‘ und ‚l‘ auszusprechen. Es ist ein Film, der seinen eigenen Provinzialismus zum Gegenstand des Stolzes macht.“ Der Filmkritiker und Professor an der Wake Forest University, Peter Brunette, kritisierte den Einsatz ethnischen Humors und schrieb: „Alle Witze gehen auf Kosten der Japaner – ‚Diese Leute sind wirklich so seltsam!‘ – und mit der Zeit wirkt dieser Humor ermüdend, insbesondere die alten Witze über die angebliche Neigung der Japaner, beim Sprechen des Englischen die Laute ‚r‘ und ‚l‘ zu vertauschen. (Es versteht sich von selbst, dass keiner der Amerikaner auch nur den geringsten Versuch unternimmt, ein einziges Wort Japanisch auszusprechen.)“ Brunette gelangte zu dem Schluss, dass „Japan kaum mehr als ein gigantischer Gag im Hintergrund bleibt und die Geschichte sowie die Beziehung der beiden Hauptfiguren ebenso gut an jedem anderen Ort hätten spielen können.“ Der Slate-Kritiker David Edelstein vertrat die Auffassung, die beiden Hauptfiguren zeichneten sich durch „eine gewisse narzisstische Haltung und ein Gefühl der Privilegiertheit“ aus. Er verwies insbesondere auf eine Szene, in der Charlotte Bob fragt, weshalb Japaner die Laute „l“ und „r“ verwechselten, worauf dieser mit „for yucks“ („zum Spaß“) antworte. Edelstein schrieb hierzu: „Das ist auf Bill-Murray-Art sehr komisch. Aber es ist unser Lachen – auf ihre Kosten. Es ist bereits problematisch, sich in englischsprachigen Ländern über das Englisch der Japaner lustig zu machen. Aber in Japan? Dort verbindet sich dies auf unangenehme Weise mit einem Gefühl von Fremdheit und kultureller Überlegenheit.“
In The Guardian schrieb die Ethnomusikologin Kiku Day: „Meiner Ansicht nach gibt es in diesem Film nur eine Art von Humor: das antijapanische Ressentiment, das sein Rückgrat bildet [...] Es gibt keine einzige Szene, in der den Japanern auch nur ein Mindestmaß an Würde zugestanden wird. Der Zuschauer wird ständig dazu gebracht, über diese kleinen gelben Männer und ihre angeblich amüsanten Eigenarten zu lachen.“ Anthony Quinn von The Independent vertrat die Auffassung, dass der Film an Wirkung verliere, wenn er sich für komödiantische Zwecke auf Klischees des „lustigen Ausländers“ stütze. Er verwies dabei insbesondere auf die Szenen mit einer aufgeregten Hotel-Hostess sowie auf ein Missverständnis während eines Krankenhausbesuchs. Quinn kritisierte eine „Spur jener herablassenden Haltung, die typisch für den ahnungslosen Touristen ist – ich spreche perfektes Englisch. Warum können diese lustigen kleinen Menschen mich nicht verstehen?“ Der Regisseur Robert Allan Ackerman warf dem Film vor, Stereotype und rassistische Vorstellungen zu verbreiten. Er erklärte, er „habe den Eindruck gehabt, dass dies nichts mit Japan zu tun habe; die Figuren hätten ebenso gut auf dem Mond sein können, und der einzige Grund für die Anwesenheit von Japanern bestehe darin, sich über sie lustig zu machen“.
Homay King, Professorin für Kunstgeschichte am Bryn Mawr College, warf dem Film Orientalismus vor und erklärte, dass „Lost in Translation nur sehr wenig Anstrengung unternimmt, die Mythen über Asien neu zu schreiben, die das Hollywood-Kino seit fast einem Jahrhundert immer wieder reproduziert: den Orient als einen primitiven, feminisierten und erotisierten Raum; asiatische Bürger als abwechselnd lächerlich oder gefährlich, rätselhaft und von Künstlichkeit umgeben.“
Als Reaktion auf die Rassismusvorwürfe verteidigte Produzent Ross Katz den Film und erklärte, er glaube, dass „die Liebe, die Sofia für Japan und die Menschen, denen sie dort begegnet ist, empfindet, im Film äußerst deutlich zum Ausdruck kommt“. Katz fügte hinzu: „Wir haben den Film in Japan einem japanischen Publikum gezeigt. Die Reaktion war hervorragend“, obwohl der Film auch dort Kontroversen ausgelöst hatte. Die Regisseurin Sofia Coppola erklärte: „Ich bin überrascht. Ich kann verstehen, warum manche Menschen so denken könnten, aber ich weiß, dass ich keine Rassistin bin. Ich denke, wenn alles auf Wahrheit beruht, kann man Witze machen und ein wenig lachen und dabei dennoch respektvoll gegenüber einer Kultur bleiben. Ich liebe Tokio einfach und habe keinerlei böswillige Absicht [...] Ich denke, alles, was man tut, kann jemanden beleidigen – es sei denn, man versucht einfach, zu jedem Menschen freundlich zu sein.“ Coppola verteidigte außerdem den Humor des Films und erklärte, dass einige der Witze auf ihren eigenen Beobachtungen beruhten. Sie fügte hinzu: „Selbst in unseren täglichen Drehplänen haben sie die ‚r‘- und ‚l‘-Laute verwechselt – all das stammte aus der Erfahrung, es ist nicht erfunden. Ich nehme an, jemand hat meine Absichten missverstanden. Das ärgert mich, weil ich weiß, dass ich keine Rassistin bin.“
Im Jahr 2024 räumte die Regisseurin Sofia Coppola ein, dass bestimmte Aspekte des Films nicht gut gealtert seien, und erklärte: „Es war eine andere Zeit [...] Ich habe mich nicht gefragt, wie ich es heute angehen würde, aber ich würde es wahrscheinlich nicht auf dieselbe Weise machen.“