Lothar Kahn

Lothar Kahn (* 1. Juni 1922 in Rehlingen; † 22. Januar 1990 in West Palm Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Hochschulprofessor, Autor und Literaturwissenschaftler.

Leben

Die Familie von Lothar Kahn (Eltern Gustav und Selma Kahn und Schwester Liesel) emigrierte 1935 nach der Volksabstimmung des Saargebiets nach Bettemburg in Luxemburg. Über Frankreich konnte die Familie in die USA ausreisen und erreichte am 14. Januar 1937 New York City. Lothar Kahn besuchte von 1937 bis 1940 die High School und danach bis 1943 das City College in New York City. Von 1943 bis 1945 studierte er an der Columbia University New York mit dem Abschluss eines Master of Arts.

1945 heiratete er Lore Stern (1925–1995). Das Paar hatte zwei Kinder.

Werk und Wirken

Lothar Kahn trat 1946 als Dozent für Französisch in die Fakultät des Teachers College of Connecticut ein und wurde 1947 Assistant Professor. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit wurde er Fakultätsberater der UNESCO-Arbeitsgruppe des Teachers College of Connecticut. Er erwarb 1954 an der Columbia University in New York City den Doktorgrad und wurde danach am Teachers College of Connecticut zum Associate Professor befördert. Das Teachers College wurde 1959 zum Central Connecticut State College und 1983 zur Central Connecticut State University.

1963 veröffentlichte Lothar Kahn sein Sprachlehrwerk Intermediate Conversational German. Das Buch gehörte zu den Bestsellern seines Fachgebiets und wurde bereits im Jahr seiner Veröffentlichung an mehr als 150 Hochschulen, in den USA, im Deutschunterricht eingesetzt. Bis 1976 erschienen das Buch und die dazu passenden Tonbänder in weiteren Auflagen. Die beiden letzten Auflagen entstanden in Zusammenarbeit mit Donald D. Hook, mit dem Lothar Kahn auch in den folgenden Jahren Bücher und Artikel verfasste. Lothar Kahn war der amerikanische Korrespondent der Pariser Zeitschrift L’Arche.

Lothar Kahn war Experte für moderne europäische jüdische Literatur und Geschichte und befasste sich mit deutsch-jüdischen Persönlichkeiten aus der Zeit der jüdischen Emanzipation. Er schrieb mehrere Bücher und zahlreiche Artikel und Buchbesprechungen für Zeitschriften, die in den USA in Südafrika, Israel, England, Deutschland und der Schweiz veröffentlicht wurden. Die Auswirkungen auf das literarische Schaffen und das spirituelle Überleben der in die USA geflüchteten deutschen Exilliteraten waren ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Arbeiten. Lothar Kahn beschäftigte sich mit der schwierigen Beziehung zwischen Judentum und den Deutschen und suchte eine Erklärung für das schreckliche Geschehen während der Zeit des Nationalsozialismus auch in der deutschen Exilliteratur z. B. in seinen Arbeiten zu Lion Feuchtwanger.

Todesanzeige aus der Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 1990. Zwei Wochen, bevor wir mit ihm die Verleihung der Würde eines Ehrendoktors feiern wollten, starb am 22. 1. 1990 Dr. Lothar Kahn Professor an der Connecticut State University. 1922 in Rehlingen/Saarland geboren, floh er 1935 vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in die USA, sein letztes Buch „Between two Worlds: A History of German and Jewish Writers“ kennzeichnet sein literaturgeschichtliches Lebenswerk. Mit der Einladung an Dr. Lothar Kahn, Ehrendoktor unseres Fachbereichs zu werden, haben wir ihm unsere akademische Hochachtung ausgedrückt. Prof. Dr. Gerda Lauerbach Dekanin Fachbereich Neuere Philologien J. W. Goethe-Universitat Frankfurt am Main Prof. Dr. Klaus Ring ‚Präsident der 3. W. Goethe-Universitat Frankfurt am Main
Todesanzeige aus der Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 1990

"Die Nachkriegsdeutschen verdanken Autoren wie Lothar Kahn viel, nämlich daß sie sich nach den Schrecknissen, die von diesem Land ausgegangen waren, in der Welt wieder sehen lassen durften." Hubert Ivo

Lothar Kahn starb wenige Wochen bevor ihm die Johann-Wolfgang Goethe-Universität die Ehrendoktorwürde persönlich verleihen konnte. Posthum wurde sie ihm am 7. Mai 1990 in einer Feierstunde an der Central Connecticut State University verliehen.

Die Erweiterte Realschule im Ortsteil Rehlingen der Gemeinde Rehlingen-Siersburg wurde am 29. März 2009 in Lothar-Kahn-Schule umbenannt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher

Essays

Zwischen 1956 und 1990 veröffentlichte Lothar Kahn Buchbesprechungen unter andern in folgenden Fachzeitschriften:

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Personen Detailseite | Digitales Gedenkbuch. Abgerufen am 14. Oktober 2026.
  2. ↑ Arrival Details. In: Statue of Liberty & Ellis Island Foundation. 30. März 2026, abgerufen am 14. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Klauck: Jüdisches Leben in der Stadt und im Landkreis Saarlouis. 2016, ISBN 978-3-933926-65-4, S. 290.
  4. 1 2 Lothar Kahn, Professor, 67. In: The New York Times. 27. Januar 1990, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 14. Oktober 2026]).
  5. ↑ The Dial. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 1947, S. 13 (handle.net).
  6. ↑ The Recorder. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 28. Oktober 1948, S. 1 (handle.net).
  7. ↑ Personen Detailseite | Digitales Gedenkbuch. Abgerufen am 14. Oktober 2026.
  8. ↑ Teachers College of Connecticut (Hrsg.): The Recorder. New Britain Connecticut 22. Oktober 1954, S. 1 (handle.net).
  9. ↑ The Recorder. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 24. September 1963, S. 31 (handle.net).
  10. ↑ Lothar Kahn, Donald D. Hook: Conversational German One. Litton Educational Publishing, Inc., 1976 (archive.org [abgerufen am 14. Oktober 2026]).
  11. ↑ Teachers College of Connecticut (Hrsg.): The Recorder. New Britain Connecticut 24. September 1963, S. 31 (handle.net).
  12. ↑ Connecticut State College (Hrsg.): Central Recorder. Connecticut 11. September 1973, S. 2 (handle.net).
  13. ↑ Werner Klemm (Hrsg.): Exile from Rehlingen/Saar Der Weg ins Exil – Erinnerungen eines Rehlingers. Mit einem Vorwort von Donald D. Hook. Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 2001, ISBN 978-3-631-39385-7.
  14. ↑ Hubert Ivo: Nach 1945 Deutsch unterrichten. In: Beiträge zur Geschichte des Deutschunterrichts. Band 51. Lang, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-631-39385-7, S. 472–477.
  15. ↑ Ehrenpromotion posthum für Dr. Lothar Kahn. In: Johann Wolfgang Goethe-Universität (Hrsg.): Uni Report. Jahrgang 23, Nr. 4. Frankfurt am Main Juni 1990.
  16. ↑ Saarland Biografien. Abgerufen am 20. Oktober 2026.
  17. ↑ The Elihu Burritt Library at Central Connecticut State University. Abgerufen am 18. Oktober 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Kahn, Lothar
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Hochschulprofessor, Autor und Literaturwissenschaftler
GEBURTSDATUM 1. Juni 1922
GEBURTSORT Rehlingen/Saar
STERBEDATUM 22. Januar 1990
STERBEORT West Palm Beach