Louis Carpeaux

Victor Louis Joseph Carpeaux (* 21. Februar 1874 in Paris; † 27. September 1929 in Nizza; Pseudonym: Henri Niellé) war ein französischer Offizier und Schriftsteller.

Leben

Louis Carpeaux war ein Sohn des Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux. Er meldete sich im Alter von 18 Jahren als Freiwilliger zu den Französischen Streitkräften. Noch 1892 wurde er Korporal, dann 1893 Sergeant. Er kam zunächst in Algerien, ab 1894 in Tonkin und 1896 erneut in Algerien zum Einsatz.

Nachdem Carpeaux 1897 die Offiziersschule der Infanterie in Saint-Maixent-l’École absolviert hatte, wurde er zum Unterleutnant und 1899 zum Leutnant befördert. Er diente von 1899 bis 1901 in Französisch-Westafrika. Dabei führte ihn sein Weg von Dakar über Timbuktu und Say bis nach Porto-Novo. Bei seinen Einsätzen in den französischen Kolonien betätigte er sich mit einer Vérascope-Stereokamera auch als Fotograf. Mehrere seiner Bilder wurden später in seinen Büchern abgedruckt. In Say fotografierte er ehemalige Mitglieder der versprengten Mission Voulet-Chanoine und der Militäreinheiten der bereits früher ermordeten Offiziere Jean-François Klobb und Marius Gabriel Cazemajou. Im Jahr 1900 wurde Carpeaux bei der Löwenjagd in der Nähe von Timbuktu von einem Löwen verletzt. Seine nächsten Stationen in der Kolonialarmee waren von 1901 bis 1903 Madagaskar und von 1904 bis 1908 China. Er erreichte 1907 den Dienstgrad eines Hauptmanns. Zuletzt wurde er von 1908 bis 1909 in Tonkin und 1909 in Cochinchina eingesetzt.

Ein in Carpeauxs Pékin qui s’en va veröffentlichtes Foto der Lingchi-Folter

Seine Einsatzorte bei den Streitkräften spiegelten sich in seinen Büchern wider. So ist La chasse aux pirates in Französisch-Indochina, Mon roman au Niger am Niger, Pékin qui s’en va in Peking und Petites Ramatous in Madagaskar angesiedelt. In Mon roman au Niger zeigt sich eindrücklich die rassistische Haltung eines französischen Kolonialoffiziers gegenüber der lokalen Bevölkerung. In Pékin qui s’en va schildert Carpeaux die letzte offizielle Hinrichtung eines Mannes durch die Lingchi-Methode in Peking und vermischt dabei reale und erfundene Details. Auf dem Buchcover ist ein Foto abgebildet, das in drastischer Weise den Zum-Tode-Verurteilten während der Folter zeigt. Im Inneren des Buches folgen ähnliche Bilder. Eines dieser Lingchi-Fotos spielte für den Philosophen Georges Bataille laut eigener Aussage in seinem Leben eine entscheidende Rolle, er schrieb mehrmals darüber.

Louis Carpeaux wurde als Ritter der Ehrenlegion und Ritter des Ordens des Drachen von Annam ausgezeichnet. Er starb 1929 im Alter von 55 Jahren.

Werke

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Michel Polge: Le fonds photographique Jules Richard. 2e partie: Les photographes. (PDF) Stéréo-Club Français, 10. April 2025, S. 19–20, abgerufen am 5. November 2026 (französisch).
  2. 1 2 3 Carpeaux, Victor Louis Joseph. LH//432/11. In: Base de données Léonore. Archives nationales, abgerufen am 5. November 2026 (französisch).
  3. ↑ Auf der Löwenjagd in Afrika. In: Innsbrucker Nachrichten, 17. August 1900, S. 9–10 (online bei ANNO).
  4. ↑ Martin A. Klein: Slavery and colonial rule in French West Africa (= African Studies Series. Nr. 94). Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-59324-7, S. 81.
  5. ↑ Jérôme Bourgon: Obscene Vignettes of Truth. Construing Photographs of Chinese Executions as Historical Documents. In: Christian Henriot, Wen-hsin Yeh (Hrsg.): Visualising China, 1845–1965. Moving and Still images in Historical Narratives. Brill, Leiden/Boston 2013, ISBN 978-90-04-22820-7, S. 85.
  6. ↑ Christine Buignet: Notes et questionnements sur les représentations photographiques de la guerre. In: Figures de l’Art. Revue d’études esthétiques. Nr. 15, 2008, S. 48 (persee.fr [abgerufen am 5. November 2026]).