Lucie Bernardo, geboren als Johanna Maria Sandfuchs (* 3. Oktober 1883 in Stuttgart; † 10. August 1956 in Berlin-Friedrichshain) war eine deutsche Soubrette und Lachkünstlerin.
Lucie Bernardo zog spätestens 1906 für eine Heirat nach Berlin. Die Heiratsurkunde nennt als Beruf Artistin, sie war aber auch – wohl im Anschluss an eine Gesangsausbildung – als Soubrette am Theater tätig, erstmalig in der Spielzeit 1911/12 als Ensemblemitglied des Berliner Walhalla-Theaters. Hier wurde sie als Partnerin bekannter Sänger in Duetten eingesetzt und trat zum Beispiel mit dem Konzertsänger Erich Schröter, dem Gesangskomiker Hermann Wehling, dem Tenor Max Kuttner und anderen bekannten Künstlern auf, aber auch solistisch. Neben der Operette pflegte sie das Couplet und das leichte, frivole Chanson, das Brettl-Lied. Zu ihrem Repertoire zählten Werke von Komponisten wie Leo Fall, Jean Gilbert, Léon Jessel, Walter Kollo, Paul Lincke, Rudolf Nelson, Hugo Hirsch, Georg Jarno und Rudolf Thiele. Sie sang zudem einige durch die Berliner Diseuse Claire Waldoff bekannt gewordene Lieder. Eine im Hinblick auf die Jazzrezeption in Deutschland interessante Zusammenarbeit mit der aus belgischen und niederländischen Musikern zusammengesetzten Kapelle The Excellos Five gelang ihr 1925; hier lachte sie mit den Instrumenten um die Wette.
Nach dem Ersten Weltkrieg begann sie, sich nach einem überraschenden Erfolg mit ihrer Lachszene Theaterfimmel als Lachkünstlerin zu spezialisieren. Sie trat in Kastans Panoptikum und am Berliner Apollo-Theater auf. Ihre Lachdarbietungen band sie dabei in humoristische Szenen ein, zum Beispiel trat sie auch anlässlich von Geburtstagen, Kindstaufen oder Silvesterfeiern auf. Häufig war Martin Martens ihr Partner, der zum Teil als Verfasser der Texte sowie als Komponist der Musik fungierte.
Bernardo nahm schon früh auf Edison-Cylindern auf; später besprach bzw. „belachte“ sie viele Grammophonplatten, oft in Szenen zusammen mit dem Musiker Otto Rathke, mit dem sie auch auf der Bühne zu sehen war. Die wohl erfolgreichste war Die mißglückte Jugendzeit, welche als „Lachplatte“ um die Welt ging. Sogar in Amerika war sie als The OkeH Laughing Record auf dem Label des Deutschamerikaners Otto Heinemann bekannt. Noch zu Beginn der 1930er Jahre wurde die „Original Lach-Aufnahme“, inzwischen elektrisch neu aufgenommen, im Lindström-Katalog geführt. Ihr Erfolg rief ein eigenes Genre von Kleinkunstdarbietungen ins Leben.
Nach einem frühen Versuch mit einem Tonbild bei der Deutschen Mutoskop- und Biograph GmbH (Berlin) 1907/08 wurde Bernardo erst wieder in der Tonfilmzeit als Darstellerin beim Film beschäftigt, allerdings nur in kleineren Nebenrollen.
Lucie Bernardo war von 1906 bis 1933 verheiratet mit dem Artisten und Konzertagenten Richard Martin Tschacher (1880–1933) und ab 1946 mit dem Artisten Oskar Teske (1875–1959). Sie starb am 10. August 1956, von ihrem Publikum völlig vergessen, verarmt in einem Ostberliner Krankenhaus.
Duette
Solo
Unter dem Pseudonym Käthe Kiesewitz bzw. Fränze Kiesewitz gecoverte Lieder von Claire Waldoff für Odeon
Lachplatten
Kabarett, Parodie
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bernardo, Lucie |
| ALTERNATIVNAMEN | Sandfuchs, Johanna Maria (Geburtsname) ; Tschacher, Johanna; Teske, Johanna (Ehename) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Soubrette und Lachkünstlerin |
| GEBURTSDATUM | 3. Oktober 1883 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 10. August 1956 |
| STERBEORT | Berlin-Friedrichshain |