Ingetraut Ludolphy (* 2. März 1921 in Dresden; † 17. November 2014 ebenda) war eine deutsche Theologin und Historikerin.
Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Jena und Dresden war Ludolphy zunächst von 1946 bis 1951 in Zschopau und als Gymnasiallehrerin der Oberschule Dresden-Süd für naturwissenschaftliche Fächer tätig, nahm aber das Studium der Evangelischen Theologie in Leipzig auf. Dieses schloss sie im Jahr 1955 mit dem Examen und einer Dissertation im Fach Kirchengeschichte ab.
1961 wurde sie in Leipzig mit der Arbeit Die Natur bei Luther habilitiert.
Aufgrund ihrer kritischen Einstellung gegenüber dem sozialistischen Wissenschaftsbetrieb erhielt sie keine Professur. Ihr Lebenswerk zu Friedrich dem Weisen von Sachsen konnte in der DDR nicht unzensiert gedruckt werden. Sie konnte – unter erheblichem politischen Druck – als Dozentin weiter arbeiten, bis sie schließlich 1975 sich offiziell ausschließlich der Forschung widmete.
Mit 60 Jahren wurde Ludolphy in den Ruhestand versetzt. Nach ihrer Ausreise aus der DDR nach Franken lebte sie ab 1981 im Auslands- und Diaspora-Theologenheim des Martin-Luther-Bundes in Erlangen, wurde zur Honorarprofessorin ernannt und vertrat den Lehrstuhl für neuere Kirchengeschichte. Sowohl an der kirchlichen Augustana-Hochschule Neuendettelsau als auch an den Universitäten in Tübingen und Erlangen lehrte Ludolphy Kirchengeschichte und Konfessionskunde. Nach vier Jahren wurde sie 1985 zur Professorin ernannt. Nach der Wende 1989 beschäftigte sich eine Kommission mit den Laufbahn-beeinträchtigenden politischen Faktoren seit den 1960er Jahren, was in die Ernennung zur Professorin sächsischen Rechts im Jahr 1994 mündete.
Ab 1995 zog sie nach Dresden. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie krank im Schwanenhaus der Diakonissenanstalt Dresden. Die von Ludolphy gegründete Prof.-Ludolphy-Stiftung (Dresden) unterstützt die Erziehung und Bildung insbesondere am Evangelischen Kreuzgymnasium Dresden.
Die Wissenschaftlerin starb am 17. November 2014 im Alter von 93 Jahren in Dresden. Die Trauerfeier fand am 26. November 2014 in der Diakonissenhauskirche statt. Danach wurde sie auf dem Dresdner Nordfriedhof beerdigt.
Ludolphy blieb während der beiden deutschen Diktaturen des Nationalsozialismus und der DDR sowohl ihren christlichen Überzeugungen als auch ihrer sächsischen Heimat treu und widmete sich trotz beruflicher Repressalien der kirchenhistorischen Lehre und reformationshistorischen Forschung. Ihr opus magnum zu Friedrich dem Weisen von Sachsen als Grundlagenwerk.
Ludolphy bekam 1976 den Ehrendoktortitel Doctor of Humane Letters des Augustana Colleges in Rock Island, Illinois (USA). Da sie zur Verleihung nicht aus der DDR ausreisen durfte, wurde ihr der akademische Ehrentitel in der Nikolaikirche in Leipzig überreicht. Sie durfte den Titel in der DDR nicht führen.
Die Universität Leipzig rehabilitierte Ludolphy nach der politischen Wende und verlieh ihr 1994 den „Professorentitel sächsischen Rechts“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ludolphy, Ingetraut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Theologin |
| GEBURTSDATUM | 2. März 1921 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 17. November 2014 |
| STERBEORT | Dresden |