Luigi Pantisano

Luigi Pantisano im April 2026

Luigi Pantisano (* 28. Juli 1979 in Waiblingen) ist ein deutscher Politiker in der Partei Die Linke. Er ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestags und stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag. Seit Juni 2026 ist er gemeinsam mit Ines Schwerdtner Vorsitzender seiner Partei.

Persönlicher Werdegang

Jugend und Ausbildung

Luigi Pantisano wurde als Sohn italienischer Eltern der Gastarbeiter-Generation geboren und wuchs mit seinem Bruder Alfonso Pantisano als Kleinkind zeitweise in Kalabrien auf. Er besitzt bis heute neben der deutschen die italienische Staatsbürgerschaft. Nach dem Besuch der Staufer Haupt- und Werkrealschule in Waiblingen, einer Ausbildung zum Bauzeichner von 1995 bis 1998 und dem Erwerb der Fachhochschulreife von 1998 bis 1999 studierte Pantisano von 2000 bis 2005 Architektur an der Hochschule für Technik Stuttgart (HfT) und der Technischen Universität Tokio. Sein anschließendes Studium der Stadtplanung an der Universität Stuttgart schloss er 2008 als Diplom-Ingenieur ab. Während seines Studiums war er Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Baden-Württemberg Stiftung und des German Marshall Fund.

Berufliche Tätigkeit

Von 2009 bis 2014 arbeitete er als Quartiersmanager in Konstanz, von 2011 bis 2015 war er akademischer Mitarbeiter für Forschung und Lehre am städtebaulichen Institut der Universität Stuttgart. 2015 nahm er verschiedene Lehraufträge an den Universitäten Stuttgart und Konstanz sowie an der HfT Stuttgart und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (HTWG) wahr.

Von 2015 bis 2016 war Pantisano politischer Geschäftsführer der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-PluS im Stuttgarter Gemeinderat und 2017 bis 2025 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Bernd Riexinger.

Politischer Werdegang

Kommunalpolitik

Luigi Pantisanos kommunalpolitisches Engagement begann nach eigenen Angaben um 1999. Zunächst war Pantisano Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. 2016 wurde er für die Wählergruppe Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats, dem er daraufhin bis 2025 angehörte. 2017 trat er der Linkspartei bei. 2020 wurde er vom Amtsgericht Stuttgart wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe in Höhe von 10 Tagessätzen zu je 60 Euro verurteilt, weil er sich zwei Jahre zuvor kurzzeitig mit zwei anderen Stuttgarter Gemeinderäten in einem besetzen Haus aufgehalten hatte, um auf die Wohnungsnot in Stuttgart aufmerksam zu machen. Ebenfalls 2020 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters in Konstanz, wobei er auch von den Grünen und lokalen Listen unterstützt wurde. Nachdem er im ersten Wahlgang noch vorne gelegen hatte, unterlag er im zweiten Wahlgang dem Amtsinhaber Ulrich Burchardt (CDU).

Deutscher Bundestag

Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte Luigi Pantisano im Wahlkreis Stuttgart I und zog über Platz 2 der Landesliste in den Deutschen Bundestag ein. Im 21. Deutschen Bundestag ist er Mitglied folgender Gremien und Ausschüsse:

Am 24. Juni 2025 wurde er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und Leiter des Arbeitskreises für Wohnen, Mobilität und Klimaschutz gewählt.

Partei Die Linke

2021 war Pantisano stellvertretender Landessprecher der Linken in Baden-Württemberg. Von 2022 bis 2024 war Pantisano Mitglied des Parteivorstands auf Bundesebene. Er war Mitglied der parteiinternen Bewegungslinken.

Als Wunschkandidat des scheidenden Jan van Aken gab Pantisano am 16. April 2026 seine Kandidatur als Ko-Bundesvorsitzender der Linkspartei neben Ines Schwerdtner bekannt. Ohne Gegenkandidaturen wurde er am 20. Juni 2026 mit 53,3 Prozent der Stimmen gewählt. Er ist der erste Vorsitzende mit Migrationshintergrund seiner Partei.

Kontroversen

Kurz vor seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im Juni 2026 verglich Pantisano in einem Interview mit der Tageszeitung Bild die Christlich Demokratische Union Deutschlands mit der Alternative für Deutschland und Faschisten. Für diese Aussage wurde er sowohl von der CDU als auch aus der eigenen Partei stark kritisiert. So forderte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident, Daniel Günther (CDU), Pantisanos Rücktritt. Die Fraktionsvorsitzende von Die Linke Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, bezeichnete die Aussagen als inakzeptabel. In der Folge entschuldigte Pantisano sich bei der CDU für seine Aussage, erneuerte aber seine „grundlegende Kritik am Rechtskurs der Union“.

Mitgliedschaften

Pantisano ist Mitglied der Architektenkammer Baden-Württemberg, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

Commons: Luigi Pantisano – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Maximilian Ulrich: Luigi Pantisano: Auftrag mit schwierigem Auftakt. In: Tagesschau. 20. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026: „Er ist der erste Linken-Vorsitzende mit Migrationsgeschichte: Luigi Pantisano, Kind italienischer Gastarbeiter.“
  2. ↑ Daniel Hertwig: Alfonso Pantisano: Waiblinger ist Queerbeauftragter von Berlin – so war sein Weg. In: zvw.de. 17. Juli 2023, abgerufen am 27. Februar 2025.
  3. ↑ Luigi Pantisano: Zu meiner Person. In: kv-stuttgart.die-linke-bw.de. 14. Februar 2025, archiviert vom Original am 14. Januar 2025; abgerufen am 16. April 2026.
  4. ↑ Sascha Maier: Wahlkampfthema Doppelstaatsbürgerschaft: Stuttgarter Bundestagskandidat Pantisano attackiert Friedrich Merz. In: Stuttgarter Zeitung. 8. Januar 2025, abgerufen am 25. Juni 2026: „Pantisano, der sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, griff den CDU-Chef auf der Plattform X daraufhin scharf an: „Ich bin in Deutschland geboren, aufgewachsen, in die Schule gegangen, hier arbeite ich, habe ich Familie gegründet und bin politisch engagiert. Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft. Und trotzdem stellt die CDU, seit ich denken kann, meine deutsche Identität in Frage.““
  5. 1 2 3 Luigi Pantisano. Deutscher Bundestag, abgerufen am 27. Februar 2025.
  6. 1 2 3 4 5 Luigi Pantisano. In: die-linke.de. Abgerufen am 27. Februar 2025.
  7. ↑ Lisa Caspari: Luigi Pantisano: „Ich mag es, wenn es mal knallt“. In: zeit.de. 19. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.
  8. ↑ Deutscher Bundestag - Luigi Pantisano. In: Deutscher Bundestag.
  9. ↑ Luigi Pantisano. In: diefraktion-stuttgart.de. Archiviert vom Original am 16. August 2022; abgerufen am 16. April 2026.
  10. ↑ Konstanz: Luigi Pantisano von den Linken könnte Oberbürgermeister werden. In: Der Spiegel. Abgerufen am 16. August 2026.
  11. ↑ Luigi Pantisano. In: diefraktion-stuttgart.de. Archiviert vom Original am 21. September 2021; abgerufen am 16. April 2026.
  12. ↑ Auf gute Zusammenarbeit. In: linkesoesplus.de. 7. April 2025, abgerufen am 7. Mai 2025.
  13. ↑ Anna Hunger: Wilhelm-Raabe-Straße 4: Drei Musketiere. In: Kontext: Wochenzeitung. 4. November 2020, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  14. ↑ Kevin Hagen, Jonas Schaible: Linker OB-Kandidat in Konstanz: Genosse Camouflage. In: Spiegel Online. 17. Oktober 2020, abgerufen am 7. Mai 2025.
  15. ↑ Oberbürgermeisterwahl Neuwahl – Oberbürgermeisterwahl 2020 Konstanz – Wahlgebiet Stadt Konstanz (Gesamtgebiet). In: konstanz.de. Abgerufen am 16. April 2026.
  16. ↑ Alexander Budweg: Pantisano will als Nachfolger von Jan van Aken Linken-Chef werden. In: Tagesschau. 16. April 2026, abgerufen am 16. April 2026.
  17. ↑ Linkspartei wählt Schwerdtner und Pantisano zu neuen Parteichefs. In: t-online. 20. Juni 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  18. ↑ Faschismus-Vergleich: Günther fordert Rücktritt von Linken-Chef Pantisano. Tagesschau, 22. Juni 2026, abgerufen am 22. Juni 2026.
  19. ↑ Linken-Chef Pantisano bittet CDU um Entschuldigung. Tagesschau, 22. Juni 2026, abgerufen am 22. Juni 2026.
Personendaten
NAME Pantisano, Luigi
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politiker (Die Linke)
GEBURTSDATUM 28. Juli 1979
GEBURTSORT Waiblingen