
Lutz Reinhard Seiler (* 8. Juni 1963 in Gera) ist ein deutscher Schriftsteller. Er trat zunächst vor allem als Lyriker hervor. Für seinen Debütroman Kruso wurde er 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. 2020 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman Stern 111. 2023 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.

Lutz Seiler wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranerzbergbau der SDAG Wismut devastiert. Die Familie zog nach Korbußen, bis ihr eine Neubauwohnung in Gera-Langenberg zugewiesen wurde. Hier besuchte Seiler die Polytechnische Oberschule „Bruno Kühn“. In Gera schloss er eine Berufsausbildung mit Abitur als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Er absolvierte in Merseburg den Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA).
In dieser Zeit interessierte er sich für Literatur und begann, selbst zu schreiben. Im Sommer 1989 arbeitete Seiler als Saisonkraft auf der Insel Hiddensee; eine Erfahrung, die er später in seinem Roman Kruso verarbeitete. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik (u. a bei Rüdiger Bernhardt, Rüdiger Ziemann und Hans-Georg Werner) an der Martin-Luther-Universität in Halle. Nach dem Fall der Mauer ging Seiler 1990 nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Von 1993 bis 1998 war er Mitherausgeber der von ihm mit begründeten Literaturzeitschrift moosbrand. 1997 übernahm er die Leitung des literarischen Programms im Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst bei Potsdam. 2004/2005 war er als Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig tätig.
Seiler lebt als freier Schriftsteller in Wilhelmshorst und Stockholm. Er hat drei Kinder und ist seit 2009 mit einer schwedischen Germanistin verheiratet.
Seit 2005 ist Seiler Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, seit April 2007 Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und seit 2010 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Akademie der Künste Berlin. 2011 wählte ihn die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zum Mitglied. Seiler war Gast der Villa Aurora in Los Angeles und der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. 2015 übernahm er die Heidelberger Poetikdozentur unter dem Motto Laubsäge und Scheinbrücke. Aus der Vorgeschichte des Schreibens.
2007 wurde Lutz Seiler für die Erzählung Turksib mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Sein Erzählband Die Zeitwaage war 2010 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Für sein im September 2014 erschienenes Romandebüt Kruso erhielt er den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 22 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA 2018 verfilmt. Für seinen Roman Stern 111 erhielt er 2020 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie „Belletristik“. Für sein Gesamtwerk wurde ihm 2023 der mit 20.000 Euro dotierte Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung zuerkannt.
Lutz Seiler wurde 2023 der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgelobte Georg-Büchner-Preis verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis zählt zu den wichtigsten in der deutschen Literaturszene. Lutz Seiler gehört damit zu den sehr wenigen Autoren, die sowohl mit dem Georg-Büchner-Preis als auch mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurden.
Am 23. November 2024 wurde Seiler die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gera verliehen und er als „ein herausragender Botschafter seiner Geburtsstadt Gera“ geehrt. „Kein anderer deutscher Schriftsteller als Lutz Seiler wurde in den vergangenen 15 Jahren mit allen bedeutenden deutschsprachigen Literaturpreisen ausgezeichnet“, so Oberbürgermeister Kurt Dannenberg.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seiler, Lutz |
| ALTERNATIVNAMEN | Seiler, Lutz Reinhard (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dichter und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 8. Juni 1963 |
| GEBURTSORT | Gera |