Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain

Im Hintergrund der Eingang zum MAMAC an der Place Garibaldi in Nizza
Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain, Ansicht von der Promenade des Arts aus

Das Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain (Abkürzung: MAMAC) ist ein städtisches Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Nizza (Département Alpes-Maritimes). Es wurde am 21. Juni eröffnet und widmet sich schwerpunktmäßig den europäischen und amerikanischen Avantgarde-Bewegungen ab den späten 1950er-Jahren, insbesondere dem Nouveau Réalisme und der Pop Art. Die Sammlung umfasst mehr als 1400 Werke von rund 370 Künstlern.

Geschichte

Vorgeschichte und Planungsphase

Die Idee eines modernen Kunstmuseums in Nizza reicht bis in die Nachkriegszeit zurück. Ein erstes Projekt war mit der Umstrukturierung der Galerie des Ponchettes verbunden; es wurde von Henri Matisse und Pierre Bonnard unterstützt und zunächst vom Arzt Thomas, dann von Jean Cassarini vorangetrieben. Ein weiteres Vorhaben sah einen modernen Anbau im Garten des Musée Masséna vor, wurde jedoch zugunsten eines Parkplatzes aufgegeben. In der Mitte der 1970er-Jahre belebte die Ernennung von Claude Fournet zum Direktor der städtischen Museen die Debatte neu. Mit der Eröffnung der Galerie d'Art Contemporain (GAC) und einem zeitgenössischen Ausstellungsprogramm in der Galerie des Ponchettes erhielt die Öffentlichkeit in Nizza erstmals eine breitere Plattform für moderne Kunst, die den späteren Museumsbau konzeptuell vorbereitete.

Eröffnung und kultureller Kontext

Skulptur von César Baldaccini im MAMAC

Das MAMAC wurde am 21. Juni 1990 eröffnet. Es ist Bestandteil eines kulturellen Komplexes, dem auch das Théâtre national de Nice und die Bibliothèque Municipale à Vocation Régionale – Louis Nucéra angehören. Dieser Komplex ist durch die sogenannte Coulée verte, einen rund zwölf Hektar großen urbanen Park, mit dem Meer verbunden.

Die inhaltliche Ausrichtung des Museums ist eng mit der Kunstgeschichte der Stadt verknüpft: Yves Klein und Arman, zwei der Hauptvertreter des Nouveau Réalisme, wurden 1928 in Nizza geboren. Das erste Festival des Nouveau Réalisme fand im Juli 1961 in Nizza statt. Die Gründungserklärung des Nouveau Réalisme war am 27. Oktober 1960 im Pariser Atelier von Yves Klein unterzeichnet worden und trug die Unterschriften von Arman, François Dufrêne, Raymond Hains, Yves Klein, Martial Raysse, Pierre Restany, Daniel Spoerri, Jean Tinguely und Jacques Villeglé; César und Mimmo Rotella waren eingeladen, aber abwesend; Niki de Saint Phalle, Christo und Gérard Deschamps traten der losen Künstlergruppe 1961 bzw. 1962 bei.

Schenkungen und Sammlungserweiterungen

Am 11. Oktober 2001 vermachte Niki de Saint Phalle der Stadt Nizza für das MAMAC eine bedeutende Schenkung. Sie umfasst 190 Werke, darunter 63 Gemälde und Skulpturen, 18 Drucke, 40 Lithografien, 54 Siebdrucke sowie zahlreiche Originaldokumente. Der Gesamtwert wurde zum Zeitpunkt der Schenkung auf 101.768.125 Francs (entsprechend 15.514.450,60 Euro) geschätzt. Durch diese Schenkung ist das MAMAC zur bedeutendsten Werkssammlung von Niki de Saint Phalle in Frankreich und zur zweitgrößten in Europa geworden.

Im Jahr 2004 schenkte der in Genf geborene, in Nizza ansässige Künstler Albert Chubac (1925–2008) dem Museum rund hundert seiner Werke. Das MAMAC wurde anlässlich der Ausstellung dieser Schenkung (29. Januar bis 16. Mai 2004) zum Referenzzentrum für sein Werk in Frankreich.

Im Jahr 2013 überließ der Galerist Jean Ferrero der Stadt Nizza eine umfangreiche Sammlung zur sogenannten École de Nice. Sie enthält Werke von César (37 Werke), Arman (48 Werke), Ben (33 Werke) sowie von Claude Gilli, Robert Malaval, Bernar Venet, Edmond Vernassa, Pinoncelli, Albert Chubac und Sacha Sosno.

Architektur

Das Gebäude wurde von den Architekten Yves Bayard und Henri Vidal entworfen. Es besitzt die Form eines Tetrapod-Bogens (arc tétrapode), der über dem eingewölbten Lauf des Paillon und der ehemaligen Route nationale 7 (heute: Traverse Garibaldi) aufgespannt ist. Die Monumentalität des Projekts ermöglicht die Verbindung des Museums mit dem angrenzenden Théâtre National de Nice über eine als „Promenade des Arts“ bezeichnete Terrasse. Der quadratische Grundriss und die Verwendung von Bogenelementen nehmen Bezug auf die neoklassizistische Ordnung der nahegelegenen Place Garibaldi; nach Angaben des Museums verbindet die Architektur die urbane Planung aus savoyardischer Zeit mit dem Exotismus der Belle Époque. Die Fassaden sind mit geglättetem weißem Carrara-Marmor verkleidet.

Die Verteilung der Ausstellungsbereiche gliederte sich vor 2024 in vier Ebenen zuzüglich öffentlich zugänglicher Dachterrassen. Das Erdgeschoss beherbergte die Galerie contemporaine (ca. 250 m²) für junge Gegenwartskünstler sowie den Auditoriumsbereich; die erste Ebene war Wechselausstellungen vorbehalten; die zweite und dritte Ebene waren der Dauersammlung gewidmet. Von den Dachterrassen, die als Aussichtspunkte über die Stadt gestaltet wurden, ist eine dem „Mur de Feu“ von Yves Klein gewidmet.

Künstlerische Ausstattung der Fassaden

Zwischen 2002 und 2005 wurden an den Innenfassaden (Hoffassaden) Werke von vier Künstlern der Dauersammlung realisiert: Sol LeWitt schuf das Wall Drawing #1004 Arcs (2002), das von seinen Assistenten nach einem von ihm in seinem amerikanischen Atelier entwickelten Prototyp ausgeführt wurde; Claude Viallat gestaltete das Triptychon Répétition (2002, Peinture sur bâche, erworben 2002 mit Unterstützung des FRAM); Arman realisierte Camin dei Inglese (2004, dreidimensionale Akkumulation aus blauen Stühlen, Schenkung des Künstlers 2004); und Alain Jacquet beteiligte sich ebenfalls im selben Zeitraum. 2011 schuf Éric Michel auf einer der Außenfassaden eine Hommage an Yves Klein.

Schließung und laufende Renovation (ab 2024)

Am 7. Januar 2024 schloss das MAMAC für umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten im Rahmen des Projekts „Promenade du Paillon – Saison 2“. Die Wiedereröffnung wird für 2028 oder 2029 erwartet. Während der Schließung setzt das Museum seine Aktivitäten mit einem dezentralen Programm unter dem Motto „hors les murs“ fort, das Leihgaben an andere Museen in Nizza, der Metropolregion und auf nationaler sowie internationaler Ebene einschließt. Das mit der Umgestaltung betraute Architekturbüro Richez_Associés hat das Konzept so angelegt, dass die ursprüngliche Architektur von Yves Bayard erhalten bleibt und das Museum ebenerdig zur Promenade du Paillon geöffnet wird, ohne einen Neubau zu errichten.

Sammlung

Gesamtbestand und Schwerpunkte

Ausstellungssaal

Die Sammlung umfasste vor der Schließung 2024 mehr als 1.400 Werke von rund 370 Künstlern. Inhaltlich gliedert sie sich in zwei Hauptachsen: die europäische Strömung des Nouveau Réalisme und die amerikanischen Entwicklungen des Assemblage-Art und der Pop Art, wobei das Objekt und das vorgefundene Material (Objet trouvé) eine zentrale Rolle spielen. Ergänzend sind Werke der Minimal Art, des Arte Povera sowie der Konzeptkunst vertreten.

Nouveau Réalisme

Die Sammlung dokumentiert die gesamte Bandbreite des Nouveau Réalisme durch Werke der Gründungsmitglieder und späteren Vertreter der Gruppe: Arman (Akkumulationen), César Baldaccini (Compressions), Christo (Verpackungen), François Dufrêne, Raymond Hains, Alain Jacquet, Martial Raysse, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri (Fallenbilder / tableaux-pièges), Jean Tinguely, Gérard Deschamps und Jacques Villeglé (Décollages).

Yves Klein

Yves Klein ist im MAMAC mit einem permanenten Saal vertreten, der nach Museumsangaben weltweit einzigartig ist. Er beruht auf Dauerleihgaben der Archives Yves Klein. Zu den Hauptwerken zählt der Mur de Feu (1961/1990), eine Ausgabe des Werks, das Klein 1961 im Haus Lange in Krefeld anlässlich der Ausstellung Monochrome und Feuer (14. Januar bis 26. Februar 1961) realisiert hatte; die Neuauflage entstand unter Mitwirkung der Direction des Musées de France. Das Werk wurde 2019 mit Unterstützung von Primagaz restauriert.

Niki de Saint Phalle

Aufgrund der Schenkung aus dem Jahr 2001 verfügt das MAMAC über eine der drei bedeutendsten Sammlungen der Werke der französisch-amerikanischen Künstlerin Niki de Saint Phalle weltweit. Die 190 Schenkungswerke umfassen Frühwerke aus den späten 1950er-Jahren (Assemblagen), die ersten Schussbilder der frühen 1960er-Jahre, die ikonischen „Nanas“ und Brautfiguren sowie eine große Anzahl druckgrafischer Werke. Darüber hinaus befinden sich im Museum Leihgaben von Jean Tinguely, den sie 1971 geheiratet hatte.

Amerikanische Kunst

Die amerikanische Sektion versammelt Vertreter des Color Field Painting (Morris Louis, Kenneth Noland, Jules Olitski, Larry Poons), der Hard-Edge-Malerei (Ellsworth Kelly, Frank Stella) sowie der Pop Art und skulpturalen Objektkunst (Claes Oldenburg, George Segal).

Werke von Albert Chubac

Die 2004 von Albert Chubac getätigte Schenkung, die aus etwa 100 Werken besteht, bildet einen eigenen Bestand innerhalb der Sammlung. Chubac wurde 1925 in Genf geboren und ließ sich dauerhaft in Nizza nieder. In seinem Werk finden sich abstrahierende Gemälde in Primärfarben, verwandelbare Holzskulpturen und Arbeiten mit farbigem Plexiglas.

Literatur

Commons: Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain, Nice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Presentation of the museum | MAMAC de Nice. In: MAMAC de Nice. (mamac-nice.org [abgerufen am 16. Juni 2026]).
  2. ↑ https://www.mamac-nice.org/en/
  3. ↑ Yves Klein: Archives - Yves Klein. Archiviert vom Original am 11. November 2024; abgerufen am 16. Juni 2026.
  4. ↑ YVES KLEIN. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  5. ↑ NIKI DE SAINT PHALLE. Abgerufen am 17. Juni 2026.

Koordinaten: 43° 42′ 5,2″ N, 7° 16′ 42,7″ O