
Maba 1 (auch: Maba-Mensch; 马坝人, Mǎbàrén, englisch Maba Man / Ma Pa Man) ist die Bezeichnung für ein mittelpaläolithisches Fossil, das im Juni 1958 in einer Karsthöhle des Shizi Shan („Löwenberges“) beim Dorf Maba (Mabacun) in Shaoguan in der chinesischen Provinz Guangdong entdeckt und der Gattung Homo zugeschrieben wurde. Eine gesicherte Zuordnung zu einer bestimmten Art fehlt bislang.
Beim Fossil Maba 1 handelt es sich um ein in mehrere Stücke zerbrochenes, unvollständig erhaltenes Schädeldach mit Stirn und Nasenbereich, aber fehlenden Zähnen. Das Schädelfragment weist Fraßspuren auf, es fehlen rund 60 Prozent der Gesichtsknochen und rund ein Viertel des Scheitelbeins. Ein besonderes Merkmal dieses Schädels sind die an Neandertaler erinnernden, relativ grazilen Überaugenwülste, weswegen der Fund zunächst als dem des Neandertalers ähnelnd beschrieben wurde. Von chinesischen Experten wurde er hingegen auch als archaischer Homo sapiens eingeordnet. Dies passt allerdings nicht zur Datierung des Fossils mindestens ins späte Mittelpleistozän, da laut den heute bekannten, genetischen Analysen zur Ausbreitung des Menschen (Homo sapiens) diese erst sehr viel später China besiedelten und der Fund daher eher dem Homo erectus zuzuordnen ist. 2024 wies die französische Paläoanthropologin Silvana Condemi darauf hin, das Fossil könne aufgrund seiner anatomischen Merkmale von den Denisova-Menschen abstammen.
Zum Alter von Maba 1 liegen bislang sehr unterschiedliche Angaben vor. Anhand von Tierfossilien aus der gleichen Fundschicht wurde der Schädel zunächst ins mittlere bis junge Pleistozän datiert. Eine spätere Uran-Thorium-Datierung von vermutlich gleich alten Tierzähnen ergab ein Alter von 129.000 ± 10.000 Jahren, jedoch ist nicht gesichert, dass diese Datierung die Fundschicht betraf: Der Schädel war von Bauern beim Abbau von Dünger gefunden worden, weswegen die Fundschicht nur annähernd rekonstruiert werden kann. Eine weitere, ebenfalls nicht hinreichend gesicherte Datierung aus dem Jahr 2011 legt ein Alter von nahezu 240.000 Jahren nahe.
2011 wurde geschätzt, dass der Schädel zu einer bei Eintritt des Todes etwa 50 Jahre alten Person gehörte. Zugleich wurde nachgewiesen, dass er eine – zumindest ansatzweise verheilte – Verletzung des Schädels aufweist, die durch einen kräftigen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand verursacht worden sein muss. Hiervon zeugt an der rechten Schädelseite eine halbmondförmige, acht Millimeter lange, 308 Quadratmillimeter große und 1,5 Millimeter tiefe Druckspur sowie an gleicher Stelle auf der Schädelinnenseite eine Auswölbung. Anzeichen für eine Entzündung im ehemaligen Wundbereich wurden nicht gefunden, wohl aber Hinweise auf neugebildetes Knochengewebe nach einer Fraktur. Die Ursache der Verletzung ließ sich nicht klären.
Francis Clark Howell bezeichnete das Fossil von Maba (vormals Mapa) mit dem Art-Epitheton „mapaensis Kurth“. Der Taxonom Colin Groves erwähnt, das Fossil sei von Gerhard Heberer und Gottfried Kurth als „Homo erectus mapaensis Kurth (1965)“ eingeführt worden. Colin Groves indes entschied sich 1989 für die (heute dem Wissenszuwachs widersprechende) Umbenennung in „Homo sapiens mapaensis Kurth, 1965“.
Das Fossil wird unter der Sammlungsnummer PA 84 im Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften verwahrt.
Koordinaten: 24° 40′ 27,3″ N, 113° 34′ 49,8″ O