
Madeleine Ryser, geb. Röthlisberger, auch Roethlisberger (* 1959 in Langnau im Emmental) ist eine Schweizer Malerin, ehemalige Leiterin des Regionalmuseums Chüechlihus in Langnau. Sie engagiert sich für den Erhalt historischer Gebäude im Ort und des Emmentaler Kulturerbes. 2026 würdigte ihre Heimatgemeinde Langnau ihr Werk mit einer retrospektiven Ausstellung. Zudem erschien eine reich bebilderte Monografie mit einem umfassenden Überblick über ihr Schaffen.
Madeleine Ryser ist die Tochter von Susan Röthlisberger, geb. Berger, und Niklaus Röthlisberger, Käsehändler in Langnau. Sie wuchs zusammen mit drei Geschwistern in einer alteingesessenen Langnauer Unternehmerfamilie auf.
Von 1970 bis 1975 besuchte Madeleine Ryser die Sekundarschule in Langnau. Ihr Klassenlehrer war Ernst Eggimann, der ihre Begeisterung für Literatur weckte. Am Gymnasium in Burgdorf, das sie 1979 mit der Matura abschloss, war es der Deutsch- und Philosophielehrer Hans Baumann, der für ihren Werdegang prägend war. Madeleine Ryser studierte an der Universität Bern Volkskunde und Dialektologie mit Schwerpunkt Bauernhausforschung bei Peter Glatthard. Als Nebenfach belegte sie Literatur und zuerst Philosophie, entschied sich dann später für einen Wechsel zur Architekturgeschichte.
1985 heiratete sie den Biologen Jan Ryser und zog mit ihm nach Keystone Heights, da er eine Forschungsstelle an der Universität von Florida in Gainesville bekommen hatte. Madeleine Ryser beschäftigte sich in dieser Zeit mit textilen Handarbeiten und schuf Puppen mit aufwändig geschneiderten Kleidern. Im Februar 1988 kehrte das Paar zusammen mit ihrer ersten Tochter nach Langnau zurück. Ein Jahr später kam die zweite Tochter zur Welt.
In ihren gestalterischen Anfängen entwarf und schneiderte Madeleine Ryser Kleider, bemalte Seidenstoffe und trat mit einer Ausstellung in der Langnauer Galerie im Engelhaus-Keller unter dem Label Seide und So erstmals öffentlich auf.
Entscheidend für ihre Karriere als Kunstmalerin war der Besuch eines Tempera-Malkurses in Intragna bei der Langnauer Malerin Regine Ramseier (* 1956). Ryser war fasziniert von den Farbpigmenten und dem Bindemittel aus Ei, Leinöl und Dammarharz, die als Malfarbe verwendet wurden. Zuhause folgten zuerst Versuche auf Papier, wobei Ryser klar wurde, dass sie grosse Formate bevorzugte, bei denen sie sich dazu bewegen konnte. Beim Langnauer Radierer und Maler Toni Frank spannte sie erste Leinwände auf. Es entstanden Bilder mit Figuren, die sie später alle übermalte. Mit Eitempera und Leinwänden, von denen die meisten 1,20 auf 1,50 m gross sind, fand Madeleine Ryser ihren künstlerischen Weg. Im ehemaligen Käsekeller ihres Wohnhauses richtete sie sich ein Atelier ein und schuf in kurzer Zeit gut zwanzig Werke, die sie 2003 in ihrer ersten Ausstellung im Schloss Holligen in Bern zeigte.
Madeleine Ryser skizziert ihre Bilder nicht. Sie grundiert die Leinwand mit einer Paste aus Kreide und Leimwasser. Danach trägt sie mit einem grossen Pinsel oder Tüchern die Farbe auf. Durch das wiederholte Auftragen, Trocknen lassen und Wiederabwaschen oder Schleifen der Farbpigmente verfügen die ausdruckstarken Bilder über unzählige Farbschichten. Eingearbeitete Kreide, Quarzsand und eingeritzte Schriften oder Zeichnungen erzeugen zusätzliche Struktur.
Madeleine Rysers Faible für Mythen der Antike und die nordische Götter- und Heldenwelt zeigt sich in Bildtiteln wie Odin reitet, Ägirs Töchter oder Golem. Ihre Bildwelt handelt oft von Übergängen, sei es durch ihre Motive wie dem Torbogen oder der Barke, oder dem Übergang von Farbe zu Farbe, einmal verwischt, dann wieder hart, von hell zu dunkel oder von warm zu kalt. Manchmal tauchen aus den Farben Worte oder kaum entzifferbare Texte auf.

2017 musste Madeleine Ryser krankheitshalber eine Schaffenspause einlegen. Nach ihrer Rückkehr in den Malkeller 2024 warteten Leinwände und verworfene Bilder darauf, mit neuen Farbschichten übermalt zu werden. Statt Scheuertücher kam jetzt eine Schleifmaschine zum Einsatz. Mit Werken wie Divinité du Styx und Ikarus III knüpfte sie an ihre produktiven Jahre an.
2001 wurde Madeleine Ryser zur Leiterin des Regionalmuseums Chüechlihus gewählt. Das 1526 erbaute Haus kannte sie bestens, hatte sie doch als Jugendliche viel Zeit darin verbracht, da ihre Mutter, Susan Röthlisberger, als langjährige Kuratorin dort gewirkt hatte. Von 2002 bis 2020 gestaltete Madeleine Ryser eine lange Reihe von thematischen Ausstellungen, die ein umfassendes Lebensbild des Emmentals darstellten, und die sie im Buch Oberemmentaler Geschichte(n) dokumentiert hat. So wurden etwa das Gotthelf-Jahr 2005, das Täuferjahr 2007 und das historische Marktrecht im Jahr 2017 thematisiert. Dazu leitete Ryser kulturhistorische Dorfrundgänge.
In den 1980er-Jahren setzte sich Madeleine Ryser zusammen mit ihrer Mutter als Mitgründerinnen des Vereins zur Erhaltung des Dorfbildes Langnau dafür ein, dass der Abriss der beiden Berger-Villen an der Schlossstrasse zugunsten eines Migros-Neubaus verhindert werden konnte. Später übernahm Ryser das Vereinspräsidium. Als der traditionsreiche Langnauer Gasthof Bären in Konkurs ging und eine Umnutzung drohte, gelang es Madeleine Ryser mit einer neugegründeten Miteigentümer-Genossenschaft, die Wirtschaft zu kaufen. Ryser wurde Präsidentin des Verwaltungsrates und übernahm ab 2023 zusammen mit dem Wirt Niklaus Stucki die Geschäftsleitung.
Weiter engagierte sich Madeleine Ryser als Präsidentin des Theater- und Kunstvereins Langnau (ThKV) und Mitglied der Langnauer Kulturkommission.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ryser, Madeleine |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Kunstmalerin |
| GEBURTSDATUM | 1959 |
| GEBURTSORT | Langnau im Emmental |