Dieser Artikel behandelt Magnesiummangel bei Menschen. Zu Mangelerscheinungen bei Pflanzen siehe Chlorose. Zu Mangelerscheinungen beim Rind siehe Weidetetanie.
Als Magnesiummangel bezeichnet man einen Mangel an Magnesium im menschlichen Körper, der sich in verminderter Magnesiumkonzentration im Blut äußert (medizinisch: Hypomagnesiämie). Ein Magnesiummangel kann aus verschiedenen Gründen auftreten. Magnesium ist für den Menschen lebenswichtig. Es ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt.
Ursachen für Magnesiummangel
Magnesiummangel entsteht durch zu geringe Aufnahme mit der Nahrung, durch verminderte Absorption im Darm oder durch zu intensive Ausscheidung über Nieren und Haut.
Zu den möglichen Ursachen eines Magnesiummangels gehören auch
einseitige Kostformen (Diäten),
zu geringe Nahrungszufuhr (insbesondere im Alter) oder
erhöhter Bedarf infolge von Belastungen, Stress, Sport und Schwangerschaft.
Magnesium ist zu 99% intrazellulär lokalisiert. Das bedeutet, dass der gemessene Blutspiegel den Magnesium-Pool des Körpers nur unzureichend widerspiegelt, und erklärt, warum eine isolierte Blutspiegel-Messung einen Magnesiummangel oft weder beweisen noch widerlegen kann (es sei denn, es liegt ein klinisch sofort behandlungsbedürftiger Fall vor, bei dem die Körperspeicher aufgebraucht sind, etwa durch langandauernde extreme Fehlernährung oder Alkoholismus).
Eine unzureichende Vitamin D-Versorgung hemmt die Bildung einer renalen Rückkopplungsschleife zur Aufrechterhaltung der Magnesium-Homöostase in den Körperzellen.
Auswirkungen von Magnesiummangel
Magnesiummangel verursacht aufgrund der zahlreichen Körperfunktionen des Magnesiums meist mehrere Symptome gleichzeitig, so dass man von einem Magnesiummangelsyndrom (auch als Hypomagnesiämiesyndrom bezeichnet) spricht. Zu den vielschichtigen Symptomen zählen:
Magnesiummangel bzw. das tetanische Syndrom (die Magnesiummangeltetanie) ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. Die Erscheinungsformen des tetanischen Syndroms ändern sich mit dem Alter:
Säuglings- und Kleinkindalter
Im Säuglings- und Kleinkindalter finden sich Geburtskomplikationen, leichte Gedeihstörungen, Infektanfälligkeit, erhöhte Krampfbereitschaft (Zahn- und Fieberkrämpfe) sowie eine verspätete Zahnung.
Schulkindalter
Im Schulkindalter sind Konzentrations- und Schlafstörungen, Nervosität, Bauch- und Kopfschmerzen, Kollapszustände, circa ab dem 10.Lebensjahr Muskelkrämpfe, circa ab dem 15.Lebensjahr Beklemmungsgefühle und Luftnot Erscheinungen des Magnesiummangels. Mädchen haben oft eine verspätet einsetzende Regelblutung und Regelschmerzen (Menstruationsbeschwerden); mitunter ist auch die Zyklusdauer verändert.
Erwachsenenalter
Im Erwachsenenalter treten rasche Erschöpfbarkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Ängste, Depressionen, Muskelkrämpfe (in der Wadenmuskulatur, in den Gefäß- und Eingeweidemuskeln), Kopfschmerzen, Migräne (diffuse und/oder migräneartige Kopfschmerzen sind die Regel), unklare Oberbauchbeschwerden und Koliken auf. Ab ungefähr dem 30.Lebensjahr kommen typische tetanische Verkrampfungen (Pfötchenstellung) und ab circa dem 40.Lebensjahr auch neurologische Ausfälle, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIAs), die zur zeitweiligen Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führen, hinzu.
Die Muskelschwäche ist für die Patienten häufig viel belastender als die Muskelkrämpfe. Der klassische tetanische Anfall, d.h. die anhaltende Verkrampfung des Körpers einschließlich der Lippenmuskulatur („Karpfenmaul“), kommt höchstens bei 20% der Patienten vor.
Frauen neigen zu Schwangerschaftskomplikationen wie Erbrechen, Ödemen, Harneiweiß, Bluthochdruck (Präeklampsie und Eklampsie) und Fehlgeburten.
ADS / ADHS und Magnesiummangel
ADS (siehe auch: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Magnesiummangel haben teilweise eine überlappende Symptomatik. Bei der Diagnose ADS und einem nachgewiesenen Magnesiummangel kann eine Therapie mit Magnesium die Symptome des ADS verbessern.
Ein schwerer Magnesiummangel kann dazu führen, dass eine hochdosierte Therapie mit Vitamin B1 (Thiamin) klinisch wirkungslos bleibt. Dies liegt darin begründet, dass das EnzymThiamindiphosphokinase, welches freies Thiamin in seine biologisch aktive Coenzym-Form Thiaminpyrophosphat (TPP) umwandelt, strikt magnesiumabhängig ist. In der klinischen Praxis hat sich gezeigt, dass ein unkorrigierter Magnesiummangel dazu führt, dass thiaminabhängige Enzymkomplexe blockiert bleiben und neurologische Symptome trotz hoher B1-Gaben nicht abklingen, bis Magnesium substituiert wird.
Häufigkeit von Magnesiummangel
Ernährungsstudien zufolge ist bei 10 bis 20% der Bevölkerung von latentem Magnesiummangel auszugehen. Stehen dem gesunden Körper seine Regulationsmechanismen voll zur Verfügung, kann der Darm sehr effektiv Magnesium absorbieren und die Niere extrem effektiv Magnesium resorbieren, sodass die Magnesiumbilanz gerade noch ausbalanciert wird.
Im Unterschied hierzu haben ca. 20% der Patienten auf Intensivstationen einen zu geringen Magnesiumwert im Blutspiegel (eine sogenannte Hypomagnesiämie). Auch bei Jugendlichen findet sich in 11% der Fälle eine Hypomagnesiämie. Bezogen auf die Besucher einer Allgemeinarztpraxis liegt die Quote bei ca. 7%.
Ein genetisch bedingter Magnesiummangel kommt schätzungsweise bei 0,1 bis 1% der Bevölkerung vor. In diesen Fällen sind die körpereigenen Regulationsmechanismen nicht mehr oder nur unzureichend in der Lage, ausgleichend zu wirken. Daher muss die Magnesiumzufuhr erheblich gesteigert werden, wozu magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel oder magnesiumhaltige Arzneimittel (600 bis 1200 mg pro Tag) Anwendung finden können.
Prophylaxe und Behandlung
In der Regel wird das Magnesiummangelsyndrom, das tetanische Syndrom beziehungsweise der Magnesiummangel durch einen Arzt festgestellt. Magnesiummangel kann durch eine ausgewogene Ernährung vorgebeugt werden. Da jedoch zum Beispiel Leistungssportler Magnesium verstärkt ausscheiden, kann eine zusätzliche Zufuhr „über die regulär empfohlenen 350 mg pro Tag hinaus“ sinnvoll sein. Muskelkrämpfe sind jedoch nicht zwangsläufig auf Elektrolytmangel (siehe auch Kaliummangel) zurückzuführen; sie können ebenso die Folge einer Fehlbelastung sein, zumal auch Taurin in funktioneller Synergie mit Magnesium eine Rolle spielt.
Laut Stiftung Warentest gibt es bisher keine Studien (Stand 2026), die den Vorteil der Einnahme von Magnesiumpräparaten als Vorbeugung gegen Muskelkrämpfe belegen.
Veterinärmedizin
Beim Rind führt fütterungsbedingter Magnesiummangel zum Krankheitsbild der Weidetetanie.
Botanik
Bei Pflanzen kommt es durch einen Magnesiummangel zur Chlorose.
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