Malleiten

Koordinaten: 47° 51′ 2″ N, 16° 8′ 46″ O

Karte: Niederösterreich
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Malleiten​
Denkmalgeschützte Flächen „Höhensiedlung und Hügelgräber Malleiten“ (Daten: BEV, CC BY 4.0; Bundesdenkmalamt). Pink: zu Wöllersdorf-Steinabrückl, ocker: zu Markt Piesting, grün: zu Winzendorf-Muthmannsdorf, orange: zu Brunn, blau: zu Bad Fischau

Die Malleiten (auch Maleiten, Marleiten, Malleitenberg oder Mahlleiten) ist ein Höhenzug mit mehreren Kuppen und Hochflächen am nordöstlichen Ende der Fischauer Vorberge in Niederösterreich, nordwestlich von Bad Fischau. Die höchste Erhebung ist der Pfaffenkogel mit 553 m ü. A. Seehöhe. Auf der Hochfläche bestand in der älteren Eisenzeit eine der bedeutendsten Höhensiedlungen der ostalpinen Hallstattkultur, zu der mehrere Gräberfelder gehören. Aufgrund der archäologischen Funde steht das gesamte Gebiet unter Denkmalschutz. Die „Denkmalschutzfläche Malleiten“ umfasst rund 212 ha Fläche mit rund 300 Grundstücken in 5 Katastralgemeinden in den vier Gemeinden Piesting (Listeneintrag), Wöllersdorf-Steinabrückl (Listeneintrag), Bad Fischau-Brunn (Listeneintrag) und Winzendorf-Muthmannsdorf (Listeneintrag).

Pfaffenkogel mit dem Finkenhaus (rechts) und Linsbauerfelsen (links), im Vordergrund die Zweierwiese

Lage und Ausdehnung

Die Malleiten erhebt sich nördlich der Straße von Bad Fischau nach Dreistetten und wird nach Norden und Nordosten über den Marchgraben gegen Wöllersdorf entwässert. Kyrle und Hofmann beschreiben den Bergstock als im Südosten vom Steinfeld, im Nordosten vom Piestingtal, im Norden und Nordwesten vom Marchgraben und im Südwesten von der Talung gegen den Burgstallberg (bei Muthmannsdorf) begrenzt; er ist die südöstlichste Erhebung des Hügelzugs, der die Neue Welt vom Steinfeld trennt. Die Malleiten erstreckt sich (gegen den Uhrzeigersinn) über die Gemeinden Markt Piesting, Winzendorf-Muthmannsdorf, Bad Fischau-Brunn und Wöllersdorf-Steinabrückl. Die Höhe gliedert sich in mehrere fast ebene Hochflächen mit nur geringen Höhenunterschieden. Josef Zahn beschrieb 1888 das Plateau mit etwa 20 Joch (rund 11,5 ha) Grundfläche, nach Nordosten leicht abschüssig und an den übrigen drei Seiten steil abfallend. Kyrle und Hofmann geben für die zentrale Hochfläche etwa 1000 Schritt in Ost-West- und 500 Schritt in Nord-Süd-Richtung an.

Namensgeschichte

Neben der heute üblichen Bezeichnung Malleiten gibt es die älteren Flurbezeichnungen Maleiten, Malleitenberg oder Mahlleithen. Die älteste Namensform ist Mardleyten (1428). Spätere sind Marchleuthen und Marleiten (1690) oder Mattleutten (1655) oder Martleitehn (1701). Der begrenzende Marchgraben taucht als Mortgraben (1335), Martgraben (1416) und Morgraben (1530) auf. Zahn hielt die verbreitete Deutung als „Gränzgraben“ für kaum gerechtfertigt. Die Grabhügel im Feichtenboden werden nach Mühlhofer bereits 1557 als Beckenbühel erwähnt. Die Grabhügel im Feichtenboden werden nach Mühlhofer bereits 1557 als Beckenbühel erwähnt.

Gipfel und Erhebungen

Pfaffenkogel

Darstellung von 1893 von Johann Varrone für eine Ausstellung in Baden

Der mit 553 m ü. A. Seehöhe höchste Gipfel der Malleiten bietet einen schönen Blick über das Steinfeld. An der höchsten Stelle steht das Finkenhaus, ein ehemaliges Gasthaus, auf das die Wanderwege ausgerichtet waren. Einst befand sich hier auch die Schubert-Aussichtswarte. Heute ist das Haus in Privatbesitz und es wird kein Gastbetrieb mehr geführt (wie auch im 2. ehemaligen Gasthaus der Fischauer Berge, dem Gasthaus zum Kürassier). Das Betreten des Finkenhauses und des dazugehörigen Grundstückes ist heute nicht mehr gestattet, auf dem Zufahrtsweg herrscht Fahrverbot. Die Wegweisertafeln sind großteils entfernt worden und die Markierungen abgekratzt.

Andreasstein

Ein Vorgipfel des Pfaffenkogels mit 536 m Höhe liegt innerhalb der Kehre des oben genannten Fahrwegs und ist nur weglos zu erreichen.

Töpferboden

Mondidol (Mondhorn) ausgestellt im MAMUZ Schloss Asparn

Zwischen Marchgraben und Pfaffenkogel befindet sich der recht ebene Töpferboden, mit der Töpferwiese. Benannt ist die Wiese nach den häufigen Keramikfunden. Die bedeutendste Höhle hier ist die von Ignaz Hofmann entdeckte und nach ihm benannte Hofmannshöhle (1864/8). Ein Geheimtipp am westlichen Rand des Töpferbodens sind der Linsbauerfelsen und der Hanslstein, zwei Punkte mit schöner Aussicht. Im Marchgraben befindet sich die Zigeunerhöhle (1864/21).

Steinereben

Situla (Tongefäß) ausgestellt im MAMUZ

Weitgestreckte Hochfläche östlich der Fiedlerwiese. Hier befinden sich der Teufelsmühlstein und die Durchgangshöhle Steinerner Stadl (1864/18). Am Rande der Hochfläche befindet sich eine große Anzahl von Höhlen, wie z. B. die Muidwurmhöhle.

Geologie

Die Malleiten wird großteils von Kalksteinen und Dolomitsteinen aus der Trias gebildet.

Geschichte

Im Bereich der Malleiten befand sich eine der größten ur- und frühgeschichtlichen Höhensiedlungen Österreichs, die unter anderem mit der Produktion von Bronze und Keramik in Zusammenhang stand. Die Lage auf einer Hochfläche bot natürlichen Schutz und Überblick über die Umgebung. Die Siedlung bestand in der Zeit zwischen etwa 1000 und 500 v. Chr. und wird der Urnenfelderkultur und der älteren Hallstattzeit zugerechnet. Für dieses Zentrum handwerklicher Fertigkeit ist zum Beispiel aufgrund von Kupferresten intensive Bronzegießerei und Metallverarbeitung nachgewiesen. Zahlreiche Funde (z. B. Tonscherben und -gefäße), die zum Teil im Wiener Neustädter Stadtmuseum aufbewahrt werden, zeugen davon. 14 Hügelgräber sind bereits erforscht. Derzeit finden keine neuen Grabungen statt; der Forschungsschwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Auswertung des historischen Fundbestandes. Die außergewöhnlichsten Keramikfunde sind „Mondidole“, Mondhörner, die als Feuerböcke zur Ablage von Grillspießen gedient haben könnten. Daneben gibt es reiche Grabbeigaben. Einige Stücke sind im Urgeschichtemuseum MAMUZ auf Schloss Asparn ausgestellt. Die Siedlung gehört kulturell zur Kalenderberggruppe, einer regionalen Ausprägung der Hallstattkultur im östlichen Österreich. Diese Gruppe zeichnet sich durch charakteristische Keramikformen, Bilddarstellungen (etwa Jagdszenen) und metallurgisches Handwerk aus.

Römische Steindenkmäler von der Malleiten befinden sich in den Schlössern Ebreichsdorf und Hernstein.

Methodik und Ablauf der Ausgrabungen

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden archäologische Bodenfunde meist nur nach materiellem Wert beurteilt. Grabungen nach Relikten der „barbarischen“ Vergangenheit waren ein Nebenerwerb der Bauern. Aus der Zeit um 1860 wird berichtet, dass „ganze Traglasten“ von Funden aus dem Bereich der Neuen Welt und Umgebung „in einer nahen Metallwarenfabrik als Altmetall verkauft und eingeschmolzen wurden.“ Durch den Goldfund von Stollhof (ca. 7 km entfernt) im Jahre 1864 haben sich die Raubgrabungen intensiviert. Man sprach von einer „beinahe krankhaften Neigung, Alterthümer zu entdecken und zu verwerten“.

Erst nach und nach wurden die Funde als wichtige wissenschaftliche Quelle erkannt. Der Lehrer Ignaz Hofmann (1857–1934), der ab 1880 am Militärwaisenhaus in Fischau unterrichtete und ein begeisterter Sammler war, erforschte ab 1884 die Malleiten und gilt als Wiederentdecker der urgeschichtlichen Höhensiedlung. Seine Sammlung prähistorischer Funde von der Malleiten stand mehrmals im Mittelpunkt von Ausstellungen z. B. in Baden im August 1892 oder 1893. Seine thematisch breite Sammlung ist nicht vollständig erhalten. Er verkaufte sie an Richard Böhmker (Museum Stillfried), der sie 1920 an das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien weitergab. Ein kleiner Teil gelangte vor dem Ersten Weltkrieg an das Stadtmuseum Wiener Neustadt. Seine frühe Erschließung im 19. Jh. erfolgte noch nicht nach modernen archäologischen Standards.

In den 1950er Jahren waren „Schatzgräber“ unterwegs. Heute wird von illegalen Sondengehern mit Nachtsichtgeräten berichtet. Der wissenschaftliche Wert dieses bedeutenden Bodendenkmals wird stetig kleiner. „Heute ist der stark gefährdete Fundplatz in weiten Teilen zerstört.“

Literatur

Commons: Malleiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Otto Höllerer: Über Höhlen in der Malleiten bei Wöllersdorf (Niederösterreich). In: Die Höhle. Band 8, 1957, S. 14–19 (zobodat.at [PDF]).
  2. 1 2 Susanne Strobl / Angelina Pronina / Susanne Klemm / Roland Haubner: Metallurgische Artefakte von der hallstattzeitlichen Höhensiedlung auf der Malleiten bei Bad Fischau, NÖ. (Österreich). In: BHM Berg- und Hüttenmännische Monatshefte (2026) Vol. 171 (5). 7. März 2025, S. 216–227, abgerufen am 22. Mai 2026.
  3. ↑ Bundesdenkmalamt: Unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. Niederösterreich. 18. Oktober 2026 (Liste [PDF]).
  4. 1 2 3 Georg Kyrle, Ignaz Hofmann: Sammlung Ignaz Hofmann (mit besonderer Berücksichtigung der Funde vom Malleitenberge). In: Dagobert Frey: Die Denkmale des politischen Bezirkes Baden (= Österreichische Kunsttopographie. Band 18). Wien 1924, S. 360–386, hier: S. 361 ff. (PDF 11,5 MB)
  5. 1 2 Josef Zahn: Geschichte von Hernstein in Niederösterreich und der damit vereinigten Güter Starhemberg und Emmerberg. Hernstein in Niederösterreich: sein Gutsgebiet und das Land im weiteren Umkreise. Wien 1888, S. 9 (digitale-sammlungen.de).
  6. ↑ Josef Zahn: Geschichte von Hernstein in Niederösterreich und der damit vereinigten Güter Starhemberg und Emmerberg. Hernstein in Niederösterreich: sein Gutsgebiet und das Land im weiteren Umkreise. Wien 1888, S. 347 (digitale-sammlungen.de).
  7. ↑ Franz Mühlhofer: Über die Bauart des großen Tumulus im Hallstattzeitlichen Siedlungsgebiete auf der Malleiten bei Fischau in Niederösterreich. In: Mittheilungen der k(aiserlich) k(öniglichen) Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale / Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale / Mitteilungen der k. k. Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale / Mitteilungen der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege / Mitteilungen des Staatsdenkmalamtes / Mitteilungen des Bundesdenkmalamtes, Jahrgang 1924, S. 129–133 (online bei ANNO).
  8. ↑ Michaela Schara: Die Malleiten bei Bad Fischau-Brunn. 17. Oktober 2007, abgerufen am 9. Juni 2026.
  9. ↑ Die hallstattzeitliche Siedlung auf der Malleiten. Wiener Alpen in Niederösterreich Tourismus GmbH, abgerufen am 22. Mai 2026.
  10. ↑ Peter Trebsche: Die hallstattzeitlichen Jagddarstellungen der Kalenderberggruppe – zu einem Altfund von Rauheneck bei Baden (Niederösterreich). In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Serie A 120, 5. Oktober 2017, S. 211–244 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 22. Mai 2026]).
  11. ↑ Peter Aichinger-Rosenberger u. a. (Bearb.): Niederösterreich südlich der Donau (= Die Kunstdenkmäler Österreichs. Band 8). Verlag Berger, Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 121.
  12. ↑ Fritz Hautmann: Vorgeschichtliche Funde an der Hohen Wand.: Der Naturfreund, Jahrgang 1930, S. 183 (online bei ANNO).
  13. ↑ P. Benedikt Kluge, Zisterzienserpriester: Aphorismen zu einer Pestchronik der Erzdiözese Wien.: Wiener Diöcesanblatt / Wiener Diözesanblatt, Jahrgang 1888, S. 154 (online bei ANNO).
  14. 1 2 Susanne Klemm: Biographie Ignaz Hofmann (1857–1934). In: Die Malleiten bei Bad Fischau, NÖ (unpublizierte Dissertation). Studiensammlung des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien, 1992, abgerufen am 27. Juni 2026.
  15. ↑ Ausstellung im Stadtpark (Glashaus). In: Badener Bezirks-Blatt, 9. August 1892, S. 2 (online bei ANNO).
  16. ↑ Schatzgräber auf dem Malleitenberg. In: Neue Zeit. Organ der Kommunistischen Partei Oberösterreichs, 28. Dezember 1953, S. 5 (online bei ANNO).
  17. ↑ Bundesdenkmalamt: Die Suche nach Bodenfunden. (PDF 0,7 MB) 1. September 2024, abgerufen am 4. Juli 2026.
  18. ↑ Susanne Klemm zit. n. Wilhelm J. Wagner: Hohe Wand-Steinfeld. Natur-Kultur-Geschichte. Hrsg.: Verein Region Schneebergbahn-Hohe Wand-Steinfeld. Eigenverlag, Bad Fischau-Brunn 1999, S. 56–57.