Marcel Cellier

Marcel Cellier (* 29. Oktober 1925 in Zürich; † 13. Dezember 2013 in Vevey) war ein Schweizer Unternehmer, Musiker, Musikethnologe, Radioredakteur und Musikproduzent.

Leben und Wirken

Cellier wuchs in Zürich auf und arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Schweizerischen Bankgesellschaft zunächst für sechs Jahre in Neuenburg als Prokurist einer Weinhandelsfirma. In den 1940er und 1950er Jahren war er Posaunist der Rekrutenschule des Armeespiels, Cellist in kleineren Orchestern und als Bläser in diversen Jazzformationen aktiv. Darüber hinaus spielte er Orgel. 1954 wurde Cellier Vizedirektor einer Metallhandelsfirma, in deren Auftrag er regelmäßig für den Einkauf von Edelmetallen nach Osteuropa reiste. Gemeinsam mit seiner Frau Catherine ging er darauf seit 1950 immer wieder nach Südosteuropa und brachte Volksmusik aus Albanien, Rumänien und Bulgarien nach Mitteleuropa. Die auf seinen zahlreichen Reisen erstellten Aufnahmen wurden zur Basis eines umfangreichen Klangarchivs, das noch immer nicht umfassend ausgewertet worden ist. Cellier gründete daraufhin das Plattenlabel „Disques Cellier“. Ab 1960 und für die nächsten 25 Jahre moderierte er die wöchentliche Radiosendung De la Mer Noire à la Baltique (Vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee) beim Radio Suisse Romande. Bekannt wurde er durch die Entdeckung des rumänischen Panflötisten Gheorghe Zamfir und des bulgarischen Frauenchores Le Mystère des Voix Bulgares. Cellier produzierte erfolgreiche Alben, die traditionelle Musik und selbst komponierte Stücke, die traditionelle Elemente aufgriffen, enthielten. Er war als einer der wenigen Kulturschaffenden in einem Zeitraum von ca. 1947 bis 1991 in den für Westeuropäer schwer zugänglichen Ostblockstaaten aktiv. Für sein Wirken erhielt er im Jahr 1990 einen Grammy in der Kategorie „Best Traditional Folk Album“. Im Jahr 2011 drehte der Filmemacher Stefan Schwietert aus Basel über das Leben von Marcel und Catherine Cellier den Dokumentarfilm Balkan Melodie.

Diskografie

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Schweizer Grammy-Gewinner Marcel Cellier gestorben, Grenchner Tagblatt, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  2. ↑ Biografie. In: Förderverein «Variant 5». 9. September 2012, abgerufen am 27. Juni 2023.
  3. ↑ Britta Sweers: Marcel Cellier: Ein Vermittler der frühen Weltmusik. In: Global Pop: Das Buch zur Weltmusik. J.B. Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-05480-7, S. 94–100, hier 94, doi:10.1007/978-3-476-05480-7_11 (springer.com [abgerufen am 27. Juni 2023]).
  4. ↑ Marcel Cellier: De la Mer Noire à la Baltique: quelques trésors musicaux extraits des émissions de Marcel Cellier à la RSR 1960-1990. 1990, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juni 2021; abgerufen am 2. Juni 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. ↑ Susanne Binas-Preisendörfer: Klänge im Zeitalter ihrer medialen Verfügbarkeit: Popmusik auf globalen Märkten und in lokalen Kontexten. transcript Verlag, 2014, ISBN 978-3-8394-1459-0 (google.de [abgerufen am 30. Juni 2023]).
  6. ↑ Recording Academy Grammy Awards. Abgerufen am 30. Juni 2023.
  7. ↑ Der-andere-Film.ch (Memento vom 25. Dezember 2013 im Internet Archive), abgerufen am 23. Februar 2016.
  8. ↑ Balkan Melodie. In: swissfilms.ch. Swiss Films, abgerufen am 22. April 2020.
Personendaten
NAME Cellier, Marcel
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Buchhalter, Organist, Volksmusikkundler und Musikproduzent
GEBURTSDATUM 29. Oktober 1925
GEBURTSORT Zürich
STERBEDATUM 13. Dezember 2013
STERBEORT Vevey