Marcela de Juan

Marcela de Juan, ursprünglich: Hwang Ma Cé, chinesisch 黃瑪賽, Pinyin Huáng Mǎsài (* 1. Januar 1905 in Havanna, Kuba; † August 1981 in Genf, Schweiz), war eine spanisch-chinesische Autorin, Journalistin, Vortragsrednerin und Übersetzerin.

Leben

Marcela de Juan war die Tochter des Mandarins Hwang Lü He (黃履和, Huáng lǚhé), eines chinesischen Diplomaten, und Juliette Broutá-Gilliard, einer Belgierin spanischer Abstammung. Ihr Vater war Sekretär der chinesischen Gesandtschaft in Spanien gewesen, und 1905 wurde er von Havanna erneut nach Madrid versetzt, und zwar als Bevollmächtigter Minister der chinesischen Gesandtschaft (gleichbedeutend mit dem Rang eines chinesischen Botschafters in Spanien). Zwischen 1905 und 1913 wurde sie in Madrid zusammen mit ihrer Schwester Nadine de Juan (Hwang Na Ting, 黃娜汀, Huáng Nàtīng) erzogen. Im Haus der Familie verkehrten Politiker wie Natalio Rivas, der Minister für öffentliche Bildung, und Künstler wie die Schriftsteller Pío Baroja und Emilia Pardo Bazán, der Bildhauer Mariano Benlliure oder der Herausgeber der Revista de Occidente, José Ortega Spottorno.

1913 zog die Familie nach China, wo der Vater eine neue Stelle im Außenministerium in Peking antrat. In Peking lernten Marcela de Juan und ihre Schwester Nadine ausländische Diplomaten kennen, darunter den französischen Konsul in Shanghai Saint-John Perse, Jean Chauvel, Marschall Joseph Joffre, den Schriftsteller Galeazzo Ciano und den Herzog von York, den späteren König Georg VI. Sie nahm an der Hochzeit des letzten Kaisers Puyi teil. Er stand den chinesischen Schriftstellern Hu Shi und Lin Yutang nahe, mit dem sie bis zu dessen Tod im Jahr 1976 eine Beziehung aufrechterhielt.

Juan arbeitete in der Zeit in der Pekinger Filiale der Banque française pour le commerce et l'industrie. Sie wurde Zeugin der Studentendemonstration vom 4. Mai 1919 in Peking, die sich gegen die Versailler Konferenz richtete und der Bewegung des vierten Mai, die vorrevolutionäre reformistische Ideen zusammenführte, ihren Namen gab. Sie arbeitete für die Zeitschrift „Neue Jugend“, die 1915 von Chen Duxiu gegründet wurde, und zusammen mit Victor Hoo für die Zeitschrift „Neue Welle“.

Die Schwestern verkehrten mit dem Präsidenten der Republik Yuan Shikai (袁世凯, Yuán Shìkǎi). Nadine de Juan war Sekretärin des späteren Premierministers Pan Fu (潘復, Pān Fù), eines Adligen, der sieben Konkubinen unterhielt und Marcela de Juan vorschlug, die achte zu werden, was diese ablehnte.

1926 starb ihr Vater. 1928 kehrte sie nach Spanien zurück, ursprünglich nur vorübergehend, wo sie jedoch bis 1975 blieb. In Spanien heiratete sie Fernando López Rodríguez-Acosta, der zwei Jahre später verstarb. Später übersiedelten auch ihre Mutter und ihre Schwester nach Spanien. Während dieser Zeit in Madrid stand sie in Kontakt mit Politikern wie Natalio Rivas Santiago, Journalisten wie Julio Broutá und Vicente Sánchez Ocaña, Künstlern wie dem Keramiker Daniel Zuloaga oder dem Schriftsteller Ricardo Baeza sowie dem Verleger Manuel Aguilar. Dank ihrer Beziehung zum Verleger Spottorno begann sie, Vorträge über chinesische Kultur und Lebensweise zu halten, zunächst in Madrid und später in verschiedenen Städten Europas.

Als polyglotte und kosmopolitische Frau, die als eine der Pionierinnen der weiblichen Moderne gilt, war sie neben ihrer Tätigkeit als Vortragsrednerin und Journalistin auch als Dolmetscherin im Dolmetscherdienst des spanischen Außenministeriums tätig, eine Stellung, die sie bis zu ihrer Pensionierung innehatte.

1955 gründete sie gemeinsam mit Consuelo Berges die Asociación Profesional de Traductores e Intérpretes, einen Vorläufer des heutigen Berufsverbandes der Übersetzer und Dolmetscher.

Als Übersetzerin ist sie für die drei wichtigsten in Spanien erschienenen Anthologien chinesischer Lyrik sowie für drei weitere Anthologien chinesischer und orientalischer Kurzgeschichten verantwortlich. Sie leistete Beiträge für die Tagespresse, Wochenzeitschriften, Bücher über Kultur und Geografie, Wörterbücher und Enzyklopädien, war Beraterin für den Film 55 Tage in Peking und führte Interviews mit Persönlichkeiten, die in der Revista de Occidente veröffentlicht wurden.

1975 unternahm sie ihre erste Reise nach China nach dem Bürgerkrieg und der Gründung der Volksrepublik, als Dolmetscherin für die erste spanische Handelsmission nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1973. Sie besuchte China noch zweimal. Im Jahr 1977 veröffentlichte sie ihre Memoiren La China que ayer viví y la China que hoy entreví.

De Juan starb 1981.

Werke

Übersetzungen und Anthologien:

Erinnerungen:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Sofern nicht explizit anders belegt folgt die Darstellung der angegebenen Literatur.
  2. 1 2 3 Marcela de Juan und Marisa Peiró (Hrsg.): La China que viví y entreví. La línea del horizonte, Madrid 2021, ISBN 978-84-17594-85-5, S. 15.
  3. 1 2 José Ortega Spottorno: Marcela de Juan, coraje e inteligencia. El País, 23. September 1981, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  4. ↑ Domingo Marchena: Las maravillosas hermanas Huang. La Vanguardia, 23. April 2021, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  5. ↑ Natalia Fernández Díaz-Cabal: Una mirada historiográfica a los pioneros: Marcela de Juan. In: 1611. Nr. 10. Universidad Autónoma de Barcelona, Barcelona 4. Oktober 2016 (traduccionliteraria.org).
Personendaten
NAME Juan, Marcela de
ALTERNATIVNAMEN Hwang Ma Cé; Huáng mǎsài
KURZBESCHREIBUNG spanisch-chinesische Autorin, Journalistin, Vortragsrednerin und Übersetzerin
GEBURTSDATUM 1. Januar 1905
GEBURTSORT Havanna, Kuba
STERBEDATUM August 1981
STERBEORT Genf, Schweiz