Marcell Goldscheider

Marcell Goldscheider (geb. 1887; gest. 23. April 1964 in Worthing (Sussex)) war ein Keramikkünstler österreichischer Abstammung. Er war der Sohn von Friedrich Goldscheider (1845–1897) und der aus einer wohlhabenden Familie stammenden Regine Schwarz (1854–1918). Seine Geschwister waren Arthur Goldscheider (1874–1948), Camillo Goldscheider (1875–), und Walter Goldscheider (1879–1962).

Berufliche Laufbahn

Marcell Goldscheider betrieb ab Januar 1928 in einer aus Familienbesitz stammenden Cottage-Villa in der Hasenauerstrasse 16 in Wien als Alleininhaber die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik. Dort wurden von 15 Mitarbeitern Fayencen, Porzellan-Figuren, Vasen und Leuchter herstellt. Außerdem hatte er als Gewerbe den Handel mit Porzellan- und Steingutwaren, Figuren und einschlägigen Artikeln angemeldet. Für ihn arbeiteten auch Künstler der Wiener Werkstätte. Die für den Österreichischen Werkbund erstellten Keramiken wurden von der publizierten Öffentlichkeit sehr wohlwollend aufgenommen.

Durch die Weltwirtschaftskrise und die Vernachlässigung des Massenmarktes hatte er schon im Jahr 1931 finanzielle Probleme. Um 1937 verringerte sich die Zahl der Mitarbeiter auf zehn. Mit dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde die Lage für den jüdischen Künstler zunehmend kritisch: Im August 1939 wurde sein Gewerbeschein zurückgenommen, einen Monat später erlosch er.

Marcell Goldscheider und seine Frau Rosemarie Goldscheider verließen Anfang 1939, zusammen mit Tochter Inge, Österreich und zogen ins englische Staffordshire. Die dortigen Keramikmanufakturen kannte Marcell Goldscheider von seiner Ausbildungszeit. Die Eigentümer der Manufaktur Myott, Son & Co stellten ihm für eine eigenständige Produktion im Vorort von Stoke-on-Trent, Räume zur Verfügung.

1941 produzierte er Figuren, Tierskulpturen rund 300 Modelle und über 600 Muster für den Markt in Großbritannien und in Nord- und Südamerika. Viele der bei seinem Unternehmen beschäftigten Facharbeiter kamen von der Stoke-on-Trent Art School und wurden von Marcell Goldscheider weitergebildet. Er stellte auf der British Industry Fair und der Messe in Kopenhagen aus. Am 24. August 1949 wurde die Myott Fabrik durch einen Brand zerstört. Die Besitzer setzten die Zusammenarbeit nach dem Wiederaufbau nicht fort.

Im September 1950 wurde in der englischen Fachzeitschrift The Pottery and Glass Trade Review bekannt gegeben, dass Marcel Goldscheider von nun an allein die Produktion in seinem Studio in Newcastle bestreiten werde. Ab Dezember 1950 bezog Marcell neue Räumlichkeitene in Hanley, Stoke-On-Trent und produzierte unter der Firmenbezeichnung Goldscheider Art Pottery. Ab Juni 1953 wurde eine Umfirmierung bekannt gegeben und die Firma als Goldscheider (Staffordshire) Pottery, Ltd. registriert. Marcell Goldscheider exportierte weltweit und stellte in Schauräumen in London, Paris, Stockholm, Wellington, Montevideo, Toronto und Sydney aus.

Mitte der 50er Jahre war die keramische Industrie beispielsweise durch Billigimprte aus Japan in einer Krise. Marcell Goldscheider starb am 23. April 1964 in Worthing (Sussex), an der Südküste Englands.

Literatur

Fußnoten

  1. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell Goldscheider auf goldscheider.de
  2. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell Goldscheider auf goldscheider.de
  3. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell und Rosemarie Goldscheider Wien. auf goldscheider.de
  4. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell Goldscheider auf goldscheider.de
  5. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell Goldscheider auf goldscheider.de
  6. ↑ Die Vereinigten Ateliers für Kunst und Keramik von Marcell Goldscheider auf goldscheider.de
Personendaten
NAME Goldscheider, Marcell
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Keramikkünstler
GEBURTSDATUM 1887
STERBEDATUM 23. April 1964
STERBEORT Worthing (Sussex)