Walter Goldscheider (* 18. März 1879 in Wien; † 23. März 1962 in Rottach-Egern, Oberbayern) war ein österreichischer Unternehmer und Keramikfabrikant.
Walter Goldscheider ist der Sohn des Friedrich Goldscheider (1845–1897) und der Regine Goldscheider, (1854–1918), Bruder von Arthur Goldscheider (1874- nach 1948) und Marcell Goldscheider (1887–1964) sowie Vater von Erwin Goldscheider (1912–1984). Ab 1911 war er verheiratet mit Lilly Kuschnitzky († 1951). Wie alle Mitglieder dieser Familie war er Jude.
Nach einer kaufmännischen Ausbildung trat Walter Goldscheider 1896 in den väterlichen Betrieb Friedrich Goldscheider Erste Wiener Terracotta- und Majolika-Fabrik in Wien 18 ein. Dieser wurde nach dem Tod seines Vaters Friedrich 1897 von seiner Mutter und Alois, dem älteren Bruder Friedrichs, weitergeführt. 1910 wurde Walter Goldscheider neben seiner Mutter Gesellschafter der Ersten Wiener Terrakottafabrik und Atelier für künstlerische Fayenzen Friedrich Goldscheider, seine Frau Lilly 1911 Prokuristin.
1912 stieg Bruder Marcell in das Unternehmen ein, der als einziges Familienmitglied eine künstlerische Ausbildung hatte, und übernahm die technische und künstlerische Leitung. Die Fabrik, die an die 250 Arbeiter beschäftigte, wurde mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kurzzeitig stillgelegt. Von 1914 bis 1918 leistete Walter Goldscheider Kriegsdienst.
Nach dem Tod der Mutter übernahmen 1920 Walter und sein Bruder Marcell die Führung des Unternehmens. 1921 wandelten sie es in die Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider um und änderten die Firmenmarke auf „WMG“.
Walter Goldscheider arbeitete mit namhaften Kunsthandwerkern und Bildhauern wie Stephan Dakon, Johanna Meier-Michel, Benno Geiger, Wilhelm Thomasch, Walter Bosse und Rudolf Knörlein zusammen. Er konzentrierte sich bei den Kleinplastiken auf populäre Themen wie beispielsweise Tierdarstellungen, Film- und Revue-Stars oder Ausdruckstänzerinnen, die aus Kino und Illustrierten bekannt waren. Viele Kleinplastiken der 1920er-Jahre, wie Josef Lorenzls Gefangener Vogel (um 1922) oder Ida Erdös-Meisingers Terrier Der Modehund (um 1928/1929) wurden in großen Auflagen produziert und weltweit verkauft.
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde Walter Goldscheider inhaftiert, dann wurde sein Unternehmen arisiert. Mit seiner Ehefrau und dem Sohn Erwin wanderte er schließlich über England in die USA aus. Hier arbeitete er zunächst in einer kleinen Werkstatt in Trenton, New Jersey. Gemeinsam mit seinem Sohn baute er das Geschäft aus, ab 1940 unter dem Namen American Goldscheider Inc., ab 1942 unter Goldscheider-Everlast Corporation, ab 1950 Goldscheider Inc., und ab 1952 Goldscheider of Vienna Inc. 1947 hatte sein Betrieb über 100 Mitarbeiter.
Zunächst wurden in Trenton auch die bekannten Modelle der Wiener Produktion hergestellt wie Tänzerinnen, Borzoi-Hunde oder Kinderfiguren mit Tieren.Zudem entstanden zahlreiche neue Modelle von Künstlern Helen Liedloff oder Vally Wieselthier. Wieselthier hat schon in Wien für Goldscheider Modelle geliefert, unter anderem Wandmasken von Cherubim, diese wurden auch in Trenton hergestellt und dem US-amerikanischen Geschmack angepasst. Produziert wurde Gebrauchskeramik wie Dosen, Aschenbecher oder Vasen, dazu kamen Rokoko-Statuetten, Figuren aus der Zeit des amerikanischen Sezessionskrieg, Tierfiguren wie Vögel, Hunde und exotische Tiere oder balinesische Tänzerinnen. Sowohl die an den amerikanischen Stil angepassten Reproduktionen der Wiener Modelle wie auch die zeitgenössischen Trenton-Modelle erhielten eine neue Nummerierung. Amerikanische Künstler wie Gloria Drew oder Peggy Porcher lieferten viele neue Modelle.
1949 beschloss die österreichische Rückstellungskommission die Rückgabe der Manufaktur an an Goldscheider. Walter Goldscheider versuchte sie ab 1950 unter dem Namen Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider in Wien wiederaufzubauen und eine moderne Kollektion zu entwickeln blieb, aber damit ohne Erfolg. Daher verkaufte er die Marke Friedrich Goldscheider 1953 an die Firma E. & C. Carstens in Deutschland, diese stellte bis 1960 eine moderne Produktlinie her.
Walter Goldscheider starb am 23. März 1962 im oberbayerischen Rottach-Egern, sein Grab liegt auf dem Ewing Cemetery im US-amerikanischen Trenton (New Jersey).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goldscheider, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Unternehmer und Keramikfabrikant |
| GEBURTSDATUM | 18. März 1879 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 23. März 1962 |
| STERBEORT | Rottach-Egern, Oberbayern |