Marg Moll

Lovis Corinth: Porträt der Margarethe Moll, 1907
Das Bild befindet sich im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Marg Moll (* 2. August 1884 in Mülhausen, Deutsches Reich als Margaretha Magdalena Haeffner; † 15. März 1977 in München) war eine deutsche Bildhauerin, Malerin und Autorin. Ausgehend von der realistischen Darstellung entwickelte sich ihr Stil hin zur Abstraktion.

Ausbildung

Die Tochter eines Offiziers begann ihre künstlerische Ausbildung am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main, wo sie sich bereits früh für die Bildhauerei interessierte. In den 1890er Jahren war sie Schülerin von Hans Völcker. 1905 nahm sie Unterricht bei dem Maler Oskar Moll, den sie ein Jahr später heiratete. Gemeinsam zog das Ehepaar nach Berlin und arbeitete im Atelier von Lovis Corinth, der 1907 ein Ölbild von ihr anfertigte. Darüber hinaus belegte Marg Moll Anatomiekurse an der Lewin-Funcke-Schule.

Henri Matisse: Porträt Greta Moll, 1908, National Gallery (London)
Matisse und seine Studenten in der Académie Matisse, Paris, 1909.

1907 siedelte das Paar nach Paris über. Dort freundeten sich die beiden mit Henri Matisse an. Marg Moll, ihr Mann Oskar Moll, Hans Purrmann, und Mathilde Vollmoeller-Purrmann gehörten zu den maßgeblichen Leuten, die Matisse davon überzeugten und ihm dabei halfen, eine eigene Akademie zu gründen, die sogenannte Académie Matisse, die bis 1911 Bestand hatte. In ihren „Erinnerungen an Matisse“ beschrieb sie auf lebendige Weise die Arbeitssituation in der „Académie“. In Matisse’ Schüleratelier arbeitete Marg Moll schwerpunktmäßig an plastischen Werken. Sein Porträt von ihr entstand 1908.

Nach dem Ersten Weltkrieg zog sie mit ihrem Ehemann nach Breslau, da Oskar Moll einen Ruf an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau angenommen hatte. Die dortige Wohnung samt großzügigem Atelier wurde von August Endell mit modernen Möbeln ausgestattet.

Künstlerisches Werk

Marg Moll schuf „ein variantenreiches bildhauerisches Werk“. Dabei verarbeitete sie Einflüsse der ihr in Paris bekannt gewordenen Bildhauer Alexander Archipenko, Constantin Brâncuși und Ossip Zadkine. 1928 arbeitete sie wiederum in Paris als Schülerin von Fernand Léger. Dort wurde sie Mitglied der Groupe 1940 und stellte zusammen mit Robert Delaunay und Albert Gleizes aus.

Ihr plastisches und malerisches Œuvre wurde mehr und mehr abstrakt. 1932 wurde die Breslauer Akademie geschlossen und das Künstlerpaar Moll zog zunächst nach Düsseldorf, wo Oskar Moll einen Lehrauftrag erhalten hatte. Nachdem die politische Situation für Künstler ihrer Art sich verschlechtert hatte, notierte Marg 1935 in ihr Notizbuch: „Es wird ungemütlich in Düsseldorf. Oskar überlegt, ob er nach England emigrieren soll, aber wir entschieden uns für Berlin.“ In Berlin hatte sich das Paar von dem befreundeten Architekten Hans Scharoun ein Haus am Halensee bauen lassen. Das Gebäude inklusive einer „beeindruckenden“ Sammlung eigener und fremder Werke wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört.

Molls moderner Stil missfiel den Kulturdiktatoren der Zeit des Nationalsozialismus, und 1937 wurde in der NS-Aktion gegen „Entartete Kunst“ aus dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau fünf ihrer Arbeiten beschlagnahmt.

1940 nahm Marg Moll an der Gastausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin teil. Weitere Ausstellungen in der Zeit des Nationalsozialismus sind nicht belegt. 1943 hatten die Molls wegen der zunehmenden Bombardements Berlin verlassen und zogen nach Brieg in Schlesien, wo Oskars Eltern ein Haus besaßen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und auch nach dem Tod ihres Ehemannes (1947) entwickelte Marg Moll konsequent ihren Stil weiter. 1947 bis 1950 hielt sie sich in Wales auf und traf in London mit Henry Moore zusammen. 1952 kehrte sie zunächst nach Düsseldorf zurück und unternahm Vortragsreisen im In- und Ausland. Ihr Werk zeichnet sich durch reduzierte, lineare Bronzen und gebeizte, expressive Holzskulpturen aus.

Grabstätte Marga und Oskar Moll

Marg Moll ist zusammen mit ihrem Mann in Berlin auf dem Friedhof Zehlendorf bestattet worden (Abteilung 21 W-48/49). Das Grab war von 1987 bis 2011 als Ehrengrab des Landes Berlin ausgewiesen.

Das Paar hatte 2 Kinder: Melita, verehelichte Williams (* 1908 in Charlottenburg, heute Berlin; † 2004 in Kent), die später als Pianisten und Malerin tätig war und Brigitte (* 1918 in Berlin-Grunewald; † 2018 in München). Brigitte heiratete 1939 den Kaufmann Elard Würtz (* 1916 in Berlin-Grunewald; † 2001) und war später ebenfalls als Malerin und als Autorin von Kriminalromanen tätig.

Werke (Auswahl)

1937 als „entartet“ beschlagnahmte Werke

Molls Skulptur Tänzerin wurde 1937 für die Ausstellung Entartete Kunst beschlagnahmt und 1941 als Requisite in dem Propagandafilm Venus vor Gericht verwendet. Sie galt als verschollen, wurde aber bei archäologischen Grabungen wiedergefunden, die in Berlin seit 2009 an der Rathausstraße gegenüber dem Roten Rathaus im Vorfeld von U-Bahn-Bauarbeiten stattfanden, und dem Neuen Museum Berlin übergeben. Es gilt als sicher, dass sie mit weiteren Werken im August 1942 in ein Kellerdepot der Königstraße 50 in der Nähe des Rathauses eingelagert wurden. Das Gebäude wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und bei den nachfolgenden Enttrümmerungsaktionen blieb das Depot unentdeckt.

Weitere Werke (Auswahl)

Ehrungen

Schriften

Postume Ausstellungen (unvollständig)

Literatur

Commons: Marg Moll – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Petra Ahne: Mama, die haben da was ausgebuddelt. Artikel in der Berliner Zeitung vom 16./17. Juli 2011
  2. ↑ Charlotte Berend-Corinth: Lovis Corinth: Die Gemälde. Neu bearbeitet von Béatrice Hernad. Bruckmann Verlag, München 1958, 1992; BC 340, S. 105. ISBN 3-7654-2566-4
  3. ↑ Benannt nach seinem Gründer Arthur Lewin-Funcke.
  4. ↑ Kat. Ahlen
  5. ↑ Kat., Ahlen, S. 164
  6. ↑ Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
  7. ↑ Hans-Jügen Mende: Lexikon Berliner Grabstätten. Haude & Spener, Berlin 2006, ISBN 3-7759-0476-X, S. 269
  8. ↑ Standesamt Charlottenburg I, Geburtsurkunde Nr. 846 vom 21. November 1908 (Landesarchiv Berlin)
  9. ↑ Williams, Melita im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  10. ↑ Standesamt Berlin-Schmargendorf, Heiratsurkunde Nr. 761 vom 7. Dezember 1939 (Landesarchiv Berlin)
  11. ↑ Würtz, Brigitte in Lexikon der deutschen Krimi-Autoren und Brigitte Würtz: 98 wundervolle Jahre bei 59+.de
  12. ↑ Stale Session. Abgerufen am 23. Februar 2022.
  13. ↑ Kostbare Kunstwerke am Roten Rathaus entdeckt., Berliner Morgenpost vom 8. November 2010
  14. ↑ Stale Session. Abgerufen am 23. Februar 2022.
  15. ↑ Website mit Abbildung des Kunstwerkes (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  16. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  18. ↑ SLUB Dresden: Kunstausstellung 1946 der Provinz Sachsen. Abgerufen am 26. März 2024 (deutsch).
  19. ↑ SLUB Dresden: Kunstausstellung 1946 der Provinz Sachsen. Abgerufen am 26. März 2024 (deutsch).
  20. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  21. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  22. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  23. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  24. ↑ Werke Marg Moll (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Personendaten
NAME Moll, Marg
ALTERNATIVNAMEN Haeffner, Margaretha Magdalena (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Bildhauerin, Malerin und Autorin
GEBURTSDATUM 2. August 1884
GEBURTSORT Mülhausen, Elsass
STERBEDATUM 15. März 1977
STERBEORT München