Ingeborg Flierl (geb. Millies; früher auch Millies-Flierl; * 28. Januar 1926 in Berlin; † im September 2025) war eine deutsche Kunstweberin und Nestorin der Berliner Wirkkunst.
Der Vater von Ingeborg (genannt Inge) Flierl war der Berliner Ingenieur Alfred Millies. Die Eltern wohnten in Berlin-Zehlendorf. Inge absolvierte von 1942 bis 1945 in der Landfrauenschule Beinrode des Reifensteiner Verbands für haus- und landwirtschaftliche Frauenbildung eine landwirtschaftliche Lehre. Ihre Lehrjahre verbrachte sie auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein und in der Domäne Ossendorf in Neuzelle. Die landwirtschaftlichen Ausbildung schloss sie als Agraringenieurin in Werder ab.
Von 1946 bis 1950 studierte Flierl an der Charlottenburger Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Georg Tappert Kunstpädagogik. Daneben besuchte sie Kunstgeschichtsvorlesungen bei Adolf Behne und Will Grohmann und nahm am Plastikunterricht bei Waldemar Grzimek teil. Anschließend führte Inge ihr Studium bis 1952 bei Hans Orlowski in der Abteilung Angewandte Kunst fort. In dieser Zeit begann sie mit der Gobelin-Weberei.
Im Jahr 1953 zog sie nach Ost-Berlin, wo sie den Architekten Peter Flierl (* 1929 † 2011) heiratete. Zugleich begann sie als freischaffende Künstlerin zu arbeiten. Ab 1956 schuf sie u. a. Zeichnungen und Druckgrafiken, auch Buchillustrationen, Applikationen und kleinere Gobelins sowie baugebundene Arbeiten in Keramik und Mosaiken.
1970 schaffte sie sich einen Webstuhl mit einer Webbreite von zwei Metern an. Damit konnte sie größere Auftragsarbeiten erledigen, die zu ihrem Hauptbetätigungsfeld wurden. Inge Flierl schuf nun Werke für repräsentative öffentliche Gebäude, u. a. in Berlin für den Palast der Republik, das Kronprinzenpalais, die Akademie der Wissenschaften, das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und den Pionierpalast „Ernst Thälmann“.
Inge Flierl stellte intensive Naturmotive (Pflanzen, Tiere, Menschen) in mythischen Gleichnissen und in kraftvollen Farben ähnlich den abstrakten Darstellungen von Paul Klee in den Mittelpunkt ihrer Werke. Auch der DDR-Außenhandel erwarb einige ihrer Bildwerke und verkaufte sie in den Westen. Ihr Werk umfasst mehr als 200 Gobelins, die sie alle selbst entworfen und gewebt hat, sowie eine Vielzahl von Applikationen. Die verwendete Wolle hat sie selbst eingefärbt.
Inge Flierl war von 1953 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Sie hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1972 bis 1987 auf der VII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden und 1983 in Göttingen auf der Ausstellung Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung.
1976 wurde sie mit dem Banner der Arbeit geehrt.
Das Paar Flierl wohnte zuerst im damaligen Bezirk Prenzlauer Berg, bis ihre eigene Villa in Berlin-Pankow mit angeschlossenem Atelier fertig war.
Inge Flierl und ihr Mann unterhielten enge freundschaftliche Beziehungen u. a. zu Waldemar Grzimek und Fritz Cremer.
Alle vier Kinder der Flierls wurden bildende Künstler: Petra (* 1954; Malerin und Grafikerin), Florian (* 1955; Bildhauer), Beate (* 1959; Textilgestalterin) und Marco (* 1963; Bildhauer).

Das Urnengrab Ingeborg Flierls befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Weißensee in Berlin.
„Meinen Lebensfaden habe ich zwischen die Kettfäden meines Webstuhls eingewebt. Einst war er kräftig und hatte viele Farben und Schattierungen. Nun ist er dünn und zerbrechlich geworden, und ich muss aufpassen, dass er nicht zerreißt. Er hat viele Teppiche gewebt und hat eingeschlossen Blumen, Gräser, Kinderlachen, Disteln und das ferne Lärmen der Welt. Nun geht der Faden seinem Ende entgegen, auch die Kette gibt keinen Halt mehr, zurück bleibt mein erfülltes Leben.“
„Zu jeder Tapisserie … gehört ein künstlerisches Konzept, das Inge Flierl, die Nestorin der Berliner Wirkkunst, in Form einer zeichnerischen Vorlage entwirft. So wie ein Musiker die Melodie hört, wenn er die Noten liest, so begleitet diese Zeichnung die Wirkerin durch alle Phasen des Produktionsprozesses, von der kunstvollen Einfärbung der Wollen bis zum detailtreuen Nachbilden.“
„Ihre Gobelins streben durch ihre Perspektiv-Wirkung gleichsam ins Räumliche.“
Siehe auch: Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex

„Meinen Lebensfaden habe ich zwischen die Kettfäden meines Webstuhls eingewebt. Einst war er kräftig und hatte viele Farben und Schattierungen. Nun ist er dünn und zerbrechlich geworden, und ich muss aufpassen, dass er nicht zerreißt. Er hat viele Teppiche gewebt und hat eingeschlossen Blumen, Gräser, Kinderlachen, Disteln und das ferne Lärmen der Welt. Nun geht der Faden seinem Ende entgegen, auch die Kette gibt keinen Halt mehr, zurück bleibt mein erfülltes Leben.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Flierl, Inge |
| ALTERNATIVNAMEN | Flierl, Ingeborg; Millies-Flierl, Ingeborg; Millies, Ingeborg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Kunstweberin |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1926 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | vor 6. November 2025 |