Maria Taferl

Marktgemeinde
Maria Taferl
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Maria Taferl
Maria Taferl (Österreich)
Maria Taferl (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Niederösterreich Niederösterreich
Politischer Bezirk: Melk
Kfz-Kennzeichen: ME
Fläche: 12,17 km²
Koordinaten: 48° 14′ N, 15° 10′ OKoordinaten: 48° 13′ 36″ N, 15° 9′ 35″ O
Höhe: 443 m ü. A.
Einwohner: 947 (1. Jän. 2026)
Bevölkerungsdichte: 78 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3672
Vorwahl: 07413
Gemeindekennziffer: 3 15 23
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Maria Taferl 35
3672 Maria Taferl
Website: www.mariataferl.at
Politik
Bürgermeister: Martin Leopoldinger (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2025)
(15 Mitglieder)
11
2
2
11 2 2 
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Maria Taferl im Bezirk Melk
Lage der Gemeinde Maria Taferl im Bezirk Melk (anklickbare Karte)BerglandArtstetten-PöbringBischofstettenBlindenmarktDorfstettenDunkelsteinerwaldEmmersdorf an der DonauErlaufGolling an der ErlaufHofamt PrielHürmKilbKirnberg an der MankKlein-PöchlarnKrummnußbaumLeibenLoosdorfMankMarbach an der DonauMaria TaferlMelkMünichreith-LaimbachNeumarkt an der YbbsNöchlingPersenbeug-GottsdorfPetzenkirchenPöchlarnPöggstallRaxendorfRuprechtshofenSt. Leonhard am ForstSt. Martin-KarlsbachSt. OswaldSchollach (Niederösterreich)Schönbühel-AggsbachTexingtalWeitenYbbs an der DonauYspertalZelking-MatzleinsdorfNiederösterreich
Lage der Gemeinde Maria Taferl im Bezirk Melk (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Ortsansicht von Maria Taferl mit der Wallfahrtskirche
Ortsansicht von Maria Taferl mit der Wallfahrtskirche
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Maria Taferl ist eine österreichische Marktgemeinde mit 947 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026) im Bezirk Melk in Niederösterreich.

Die Gemeinde entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert und ist mittlerweile (Stand Spätsommer 2025) der bedeutendste Wallfahrtsort Niederösterreichs und nach Mariazell der bedeutendste Wallfahrtsort Österreichs.

Geografie

Lage und Kurzbeschreibung

Maria Taferl liegt im Nibelungengau in Niederösterreich auf einer Anhöhe über der Donau. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 12,19 Quadratkilometer. 47,48 Prozent der Fläche sind bewaldet. Während der Markt Maria Taferl auf dem Taferlberg liegt, befinden sich die übrigen Ortsteile im umliegenden hügeligen Gebiet. Vor allem die Wallfahrtskirche ist weithin von Süden sichtbar.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2026):

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Maria Taferl, Obererla, Oberthalheim, Reitern, Untererla, Unterthalheim und Wimm.

Nachbargemeinden

Geschichte

Der älteste Fund im Raum Maria Taferl ist eine Lochaxt aus Serpentin, die aus der Jungsteinzeit (ab ca. 5.400 v. Chr.) stammt und 1932 bei der Basilika gefunden wurde. Die erste menschliche Besiedlung ist datiert in die Mittlere Bronzezeit (1.600-1.300/1.200 v. Chr.). Im Jahr 1979 wurde unter einem kleinen Wäldchen im Dorf Wimm ein Hügelgräberfriedhof nachgewiesen. Dabei konnten zehn Hügel geöffnet und zahlreiche Funde sichergestellt werden. Aus der Späteren Bronzezeit oder Urnenfelderkultur (1.300/1.200–800 v. Chr.) wurden eine Tonscherbe und ein Bronzearmring im Dorf Wimm gefunden. Besonders interessant erscheint das Randbruchstück eines Graphittontopfes mit keulenförmig verdicktem Rand aus der Jüngeren Eisenzeit oder La-Tène-Kultur (400-15 v. Chr.). Letzterer datiert in jene Zeit, als die Kelten im Dorf Wimm wohnten. Der zeitlich nächste Fund im Gemeindegebiet von Maria Taferl ist ein großer Hügelgräberfriedhof im Dorf Wimm aus der Awarenzeit (ca. 730–800 n. Chr.). In einem Wald wurden in den Jahren 1964 bis 1978 insgesamt 55 Grabbauten festgestellt. In all den Jahren konnten rund 230 Fundstücke sichergestellt werden. Sie wurden konserviert bzw. restauriert und befinden sich seither in den Landessammlungen Niederösterreich, Sammlungsbereich Urgeschichte und Historische Archäologie, in Aspang an der Zaya. Nach Auswertung aller Fundgegenstände dürfte es sich um einen frühmittelalterlichen slawischen Hügelgräberfriedhof handeln, der von nur zwei, maximal drei Generationen belegt worden war. Im Zeitalter der Völkerwanderung zogen im Gefolge des Reitervolkes der Awaren verschiedene Slawenstämme mit, die Bauern waren und sesshaft wurden.

Im späteren Gemeindegebiet von Maria Taferl hat es nie einen niedrigen oder hohen Adelssitz gegeben. Anfangs wurden die Häuser der Bauern (Holden) in den Dörfern unter mehreren Grundherrschaften aufgeteilt. Gegen Ende des Herrschaftssystems (vor 1848) waren die Dörfer vorrangig folgenden Herrschaften zugeteilt:

Die späteren Katastralgemeinden wurden erstmals in diversen Urkunden, Schreiben, Gerichtsprotokollen etc. erwähnt:

1660 wurde die erste heilige Messe neben der Eiche gefeiert.

Eine heute noch auf dem Kirchenplatz aufgestellte Steinplatte (siehe Bild), wird gerne als Opferstein keltischen Ursprungs bezeichnet. Die Interpretation dieser Art entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, kann aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Das Gebiet um Maria Taferl gehörte im Mittelalter zum Gebiet von Ostarrichi zur Zeit der Babenberger und später zum Gebiet der Habsburger.

Im Jahr 1850 wurde die Gemeinde Maria Taferl gegründet, die Markterhebung erfolgte im Jahr 1928.

Bevölkerungsentwicklung

Maria Taferl: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2026
Jahr  Einwohner
1869
  
642
1880
  
644
1890
  
670
1900
  
746
1910
  
749
1923
  
775
1934
  
843
1939
  
826
1951
  
745
1961
  
726
1971
  
787
1981
  
802
1991
  
811
2001
  
872
2011
  
853
2021
  
938
2026
  
947
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1. Jänner 2021

2026 lebten bereits schon 947 Menschen in Maria Taferl.

Kultur und Sehenswürdigkeiten (Auswahl)

Blick vom Kirchenvorplatz Richtung Ortszentrum
Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Taferl
Blick auf Wimm
Blick auf Unter- und Obererla
Opferstein am Kirchenplatz
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Maria Taferl
Von 1660 bis 1710 wurde die Pfarr- und Wallfahrtskirche nach Plänen und unter Leitung des kaiserlichen Architekten Georg Gerstenbrandt und des Italieners Carlo Lurago errichtet, berühmt ist vor allem die Kuppel (1708–1710). Der Baustil der Basilika ist Barock, bemerkenswert sind der großzügige Einsatz von Blattgold, die Decken-Fresken, der Hochaltar von Joseph Matthias Götz mit einem Gnadenbild, einer Pieta (Vesperbild).
Nach Inschriften im Inneren der Basilika sollte der Bau der Basilika den Einwohnern der von Pest, Türkenkriegen und Dreißigjährigem Krieg verheerten Region neuen Mut schenken. Es dürften auch gegenreformatorische Absichten im Kernland des katholischen Hauses Habsburg angenommen werden. Dafür spricht besonders die Lage von Maria Taferl als weithin sichtbare Manifestation katholischen Glaubens auf dem damaligen Hauptverkehrsweg, der Donau.
Es sind mehrere Geschichten über Engels-Prozessionen aus dem 17. Jahrhundert überliefert. In diese Zeit datiert auch der Beginn der Tradition der Wallfahrt nach Maria Taferl zurück. Es sollen im Jahr 1760 alleine 700 Prozessionen gewesen sein, und über 19.000 Messen sollen gelesen worden sein. Über das Ausmaß und die Herkunft der Wallfahrer gibt etwa die in der Basilika befindliche Schatzkammer Auskunft. Darin werden Präsente von Wallfahrern, die aufgrund von Krankheiten und angenommener oder tatsächlicher Heilung gemacht wurden, ausgestellt. Andere Quellen für die Bedeutung von Maria Taferl als Wallfahrtsort liefert das Steinerne Kreuz, ein Gedenkstein der Bürger von Freistadt für verstorbene Wallfahrer. Es stellt auch eine Dokumentation des beschwerlichen Charakters der Wallfahrt in der damaligen Zeit dar. Vom ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand, der im benachbarten Schloss Artstetten mit seiner Familie wohnte, sind regelmäßige Kirchgänge nach Maria Taferl bekannt. Dem Volksglauben nach soll das Wasser aus den Quellen von Maria Taferl besonders bei Augenleiden helfen.
Seit 1947 ist Maria Taferl eine Basilica minor.
Zwischen 2004 und 2010 erfolgte eine umfassende Renovierung bzw. Sanierung der Basilika, am 12. September 2010 wurde der Abschluss gefeiert. Die Wiedereinweihungsfeier war verbunden mit zwei Jubiläen: 350 Jahre Grundsteinlegung (1660) sowie 300 Jahre Fertigstellung des Kirchenbaus (1710). Auch die Schatzkammer der Basilika war in dieser Zeit renoviert worden.

Wirtschaft und Infrastruktur

Überblick

46 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001, 59 Land- und forstwirtschaftliche Betriebe waren laut Erhebung 1999 vorhanden. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 410. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,62 Prozent. Neben der Landwirtschaft spielt auch der Tourismus eine bedeutende Rolle, so wurde im Jahr 2002 ein Golfplatz errichtet.

Öffentliche Einrichtungen

In Maria Taferl befindet sich ein Kindergarten und eine Volksschule.

Politik

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Motiv: Gemeindeamt/Rathaus der Gemeinde

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BW

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder.

Bürgermeister

Wappen

Der Gemeinde wurde 1981 folgendes Wappen verliehen: In einem blauen Schild zwei aus dem Schildesfuß emporwachsende sich kreuzende belaubte silberne Eichenäste, über denen eine goldene Kirche mit zwei Türmen mit schwarzer Bedachung schwebt.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger der Gemeinde

Literatur

Commons: Maria Taferl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Der zweit bedeutendste Wallfahrtsort von Österreich: Wallfahrtsbasilika Maria Taferl. 1. September 2020, abgerufen am 30. August 2026.
  2. ↑ Bernhard Schiesser: „Top 10 der Woche“: Das sind die bedeutendsten Wallfahrts-Orte in NÖ. 22. April 2026, abgerufen am 30. August 2026.
  3. ↑ Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2026 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2026), (ODS, 500 KB)
  4. ↑ Andreas Frey, Christian Schüller, Robert Wolf: Gruss aus Maria Taferl. Hrsg.: Marktgemeinde Maria Taferl. KRAL-Verlag, Berndorf 2024, ISBN 978-3-99103-172-7.
  5. ↑ Alois Plesser: Beiträge zur Geschichte der Wallfahrt und Pfarre in Maria Taferl. Hrsg.: Bischöfliches Ordinariat St.Pölten. Verlag des bischöflichen Ordinariats, St. Pölten 1913, S. 262–276.
  6. 1 2 Gedächtnis des Landes – Orte: Maria Taferl. Niederösterreichische Museum BetriebsgesmbH, abgerufen am 8. November 2022.
  7. ↑ Jährlich sollen bis zu 300.000 Gläubige den Gnadenort aufsuchen. – Siehe: Maria Taferl. Marien-Heiligtum. In: noe.orf.at, 25. September 2005, abgerufen am 10. Mai 2022.
  8. ↑ Maria Taferl. Restaurierung der Basilika geht ins Finale. In: noe.orf.at, 25. Februar 2010, abgerufen am 10. Mai 2022.
  9. ↑ Religion. Ein Fest für die Basilika Maria Taferl. In: noe.orf.at, 12. September 2010, abgerufen am 10. Mai 2022.
  10. ↑ Religion. Basilika Maria Taferl erstrahlt im neuen Glanz. In: noe.orf.at, 12. September 2010, abgerufen am 10. Mai 2022.
  11. ↑ Chronik. Schatzkammer in Maria Taferl renoviert. In: noe.orf.at, 12. April 2008, abgerufen am 10. Mai 2022.
  12. ↑ Kindergärten in NÖ. NÖ Landesregierung, abgerufen am 25. Oktober 2020.
  13. ↑ Schulensuche. In: Schulen online. Abgerufen am 2. Oktober 2020.
  14. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 1995 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 30. März 2000, abgerufen am 20. November 2019.
  15. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 20. November 2019.
  16. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 20. November 2019.
  17. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 20. November 2019.
  18. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 20. November 2019.
  19. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2020, abgerufen am 20. November 2019.
  20. ↑ Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2025 in Maria Taferl. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2025, abgerufen am 16. Juli 2025.
  21. ↑ Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  22. ↑ Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.