Euthymia Üffing

Schwester Maria Euthymia auf einem Gemälde von Leonard Klosa. In Holz gefasste verkleinerte Reproduktion an einer der Stationen des Maria-Euthymia-Gedenkwegs in Hopsten-Halverde.

Schwester Maria Euthymia, meist kurz Schwester Euthymia (* 8. April 1914 in Halverde, Westfalen als Emma Üffing; † 9. September 1955 in Münster, Westfalen), war eine deutsche Clemensschwester. Sie wurde am 7. Oktober 2001 in Rom seliggesprochen.

Leben

Der Hof Üffing in Halverde im Juni 2010

August Üffing (* 31. August 1869; † 8. Dezember 1932) und die kinderlose Witwe Maria Theresia Klostermann, verwitwete Kortmeyer (* 1861; † 8. Januar 1908) heirateten 1895. Sie hatten zusammen vier Kinder. August Üffing heiratete am 5. Mai 1908 die 30-jährige Maria Theresia Üffing, geborene Schmitt (* 1878; † 24. Januar 1975). Emma Üffing war das fünfte von sieben Kindern von August und Maria Üffing.

Emmas Eltern bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof, auf dem sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr arbeitete. Sie litt seit ihrem 18. Lebensmonat an Rachitis, die sie schwächte und ihr Probleme beim Laufen bereitete.

1931 trat Emma Üffing eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in der Küche des St.-Anna-Krankenhauses in Hopsten an. Die Oberin des Krankenhauses hieß Schwester Euthymia und soll ihr Vorbild gewesen sein. Drei Jahre später bat Emma Üffing am 25. März 1934 um Aufnahme bei den Clemensschwestern, woraufhin sie am 23. Juli Postulantin wurde. Ihr Noviziat begann mit ihrer Einkleidung am 2. Oktober 1935 und endete am 11. Oktober 1936 mit den zeitlichen Gelübden. Sie erhielt den von ihr gewünschten Namen Schwester Maria Euthymia. Einen Monat später wurde sie an das St.-Vinzenz-Hospital in Dinslaken versetzt, wo sie auf der Isolierstation als Hilfskrankenschwester arbeitete. 1939 bestand sie die Prüfung zur Krankenschwester und legte am 15. September 1940 die ewigen Gelübde ab.

In Dinslaken war sie während des Zweiten Weltkrieges ab Februar 1943 für die Pflege der ansteckend kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter zuständig, von denen sie den Beinamen „Engel der Liebe“ erhielt. Nach Ende des Krieges und Auflösung der Gefangenenstation wurde sie zur Leitung der Krankenhauswäscherei berufen. Die Krankenpflege aufzugeben und der fehlende Patientenkontakt fielen ihr sehr schwer, sie fügte sich jedoch. 1948 wurde sie ins Mutterhaus nach Münster berufen und auch dort mit der Leitung der Wäscherei beauftragt.

Nach einem Schwächeanfall im Juli 1955 wurde bei Schwester Euthymia Krebs diagnostiziert, an dem sie am 9. September 1955 starb.

Seligsprechung und Verehrung

Grabkapelle auf dem Zentralfriedhof Münster

Am offenen Sarg Schwester Euthymias soll eine ihrer Mitschwestern, deren Hand in eine Bügelmaschine gekommen war und starke Verbrennungen und Quetschungen erlitten hatte, um Fürbitte gebeten haben. Die Hand soll innerhalb kurzer Zeit vollständig geheilt sein.

Zwei Jahre später wurde der Seligsprechungsprozess beantragt, der weitere zwei Jahre später eingeleitet wurde. 1985 wurde der Leichnam von Schwester M. Euthymia exhumiert, untersucht und wieder beigesetzt. Zum Bau der Grabkapelle und in Vorbereitung der Seligsprechung wurde das Grab geöffnet und der Sarg ab dem 4. Juli 2001 im Paulus-Dom in der südlichen Turmkapelle aufgebahrt. Die Wiederbeisetzung der Gebeine in der neu errichteten Grabkapelle wurde am Abend des 6. September 2001 im Beisein der Ordensleitung vollzogen.

Am 7. Oktober 2001 wurde Schwester Euthymia in Rom von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Am Abend des 2. November 2001 brannte die erst kurz zuvor errichtete Grabkapelle von Schwester Euthymia ab. Brandursache waren die über 2000 Kerzen, welche sich in der Grabkapelle am Grab befanden. Die Dachkonstruktion konnte der entstehenden Hitze nicht standhalten und ging in Flammen auf. Am 26. April 2002 wurde die hergerichtete Grabkapelle wieder geöffnet.

Danach wurden mehrere kirchliche Gebäude mit Reliquien der Seligen ausgestattet.

Sonstige Ehrungen

Beginn des Schwester-Maria-Euthymia-Gedenkweges in Halverde
Der Maria-Euthymia-Weg in Halverde

In ihrem Geburtsort Halverde lassen sich die Stationen ihres Lebens auf dem Schwester-Maria-Euthymia-Gedenkweg nachvollziehen, der von der Hauptstraße gegenüber der Pfarrkirche St. Peter und Paul bis zum Hof Üffing führt. In ihrer Taufkirche St. Peter und Paul wird der Ordensschwester in besonderer Weise gedacht. Dort findet sich auch ein von Leonard Klosa geschaffenes Euthymia-Gemälde. Außerdem veranstaltet die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul jährlich mehrere Euthymia-Tage, zu denen bekannte Gastprediger eingeladen werden.

Die Gemeinde Hopsten widmete ihr 1998 in Halverde eine Straße unter dem Namen Maria-Euthymia-Weg. Die Straße im damaligen Baugebiet Halverde-West wurde mit einer Feier am 20. Juni 1998 feierlich benannt.

An ihrer Wirkungsstätte in Dinslaken erinnert seit dem 10. November 2001 ein Denkmal des Beuys-Schülers Alfred Grimm an ihre seelsorgerische und krankenpflegerische Tätigkeit.

Nach Schwester Euthymia wurde die 2013 gegründete „Schwester-Euthymia-Stiftung“ benannt, die Hauptträgerin der katholischen Krankenhäuser in Cloppenburg, Damme, Lohne und Vechta ist. Alle vier Hospitäler liegen im Oldenburger Münsterland und damit im katholischen Bistum Münster.

Literatur

Commons: Maria Euthymia Üffing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Hugo Goeke: Euthymia: Eine Frau bringt Licht in dunkle Tage; Seiten 14 und 15. Butzon & Bercker, Kevelaer 2020, ISBN 978-3-7666-2781-0.
  2. ↑ Biografie Sr. M. Euthymia. Barmherzige Schwestern – Clemensschwestern e. V., abgerufen am 26. März 2026.
  3. ↑ Sarg steht jetzt im Paulus-Dom. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 153, 5. Juli 2001, S. IBB9 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 10. November 2025]).
  4. ↑ Zeugen erzählen:„Sie hatte Sonnenstrahlen im toten Gesicht“. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 209, 9. September 2001, S. ibb12 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 27. November 2025]).
  5. ↑ Andreas Fasel: Der geheimnisvolle Atem der Heiligkeit. 6. Oktober 2001 (welt.de [abgerufen am 10. Mai 2019]).
  6. ↑ Grabkapelle soll schnell wieder repariert werden. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 5. November 2001, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  7. ↑ Grabkapelle wieder geöffnet. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 27. April 2002, abgerufen am 20. Juli 2022.
  8. ↑ westline | Homepage - Fußball, Lifestyle, Technik und Lokales Ibbenbürener Volkszeitung, 14. September 2004, via archiv.westline.de bei web.archive.org
  9. ↑ Jan-Herm Janßen: Ein Glaubenszeugnis von 275 Jahren. In: Ibbenbürener Volkszeitung, Online-Fassung vom 7. November 2005 im westline-Lokalarchiv (Memento vom 21. Juni 2015 im Internet Archive)
  10. ↑ Claudia Keller: Sockel trägt Bild der seligen Schwester Maria Euthymia. In: Ibbenbürener Volkszeitung, Online-Fassung vom 9. Februar 2009 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  11. ↑ Claudia Keller: Feiern und Beten am Tisch des Herrn. Weihbischof Franz-Josef Overbeck weihte den Altar in der St.-Agatha-Kirche. In: Kirche+Leben vom 20. Januar 2009, Online-Fassung im kirchensite.de-Archiv entsprechender Inhalt nicht mehr abrufbar
  12. ↑ Anke Beiing: Feierliche Altarweihe in der St.-Elisabeth-Kapelle des Klinikums Ibbenbüren. In: Ibbenbürener Volkszeitung, Online-Fassung vom 10. April 2011 mit Fotostrecke und Lokalvideo von mazzTV (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  13. ↑ Euthymia-Zentrum - Clemensschwestern
  14. ↑ Anni Tebbe, Klaus Umlauf: Große Verehrung für eine kleine barmherzige Schwester. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 141, 18. Mai 1998, S. ibb6 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 2. Mai 2026]).
  15. ↑ Euthymia-Gedenkorte. In: Clemensschwestern. Abgerufen am 14. Februar 2022.
  16. ↑ Ralf Schreiner: Der Engel der Liebe. In: Rheinische Post. 27. August 2010.
  17. ↑ Schwester Euthymia Stiftung. ses-stiftung.de, abgerufen am 23. Juli 2026.
Personendaten
NAME Üffing, Euthymia
ALTERNATIVNAMEN Üffing, Emma (ursprünglicher Name); Schwester Maria Euthymia (Ordensname); Schwester Euthymia (Ordensname); Üffing, Maria Euthymia
KURZBESCHREIBUNG deutsche Clemensschwester
GEBURTSDATUM 8. April 1914
GEBURTSORT Halverde, Westfalen
STERBEDATUM 9. September 1955
STERBEORT Münster, Westfalen