Marie Anne Boivin

Mme. Veuve Boivin (ohne Jahr)

Marie Anne Victorine Boivin (auch fälschlich: Victoire) (geboren am 9. April 1773 in Montreuil; gestorben am 16. Mai 1841 in Paris) war eine französische Hebamme. Sie wurde als die bedeutendste Frauenheilerin ihrer Zeit angesehen.

Leben

Als Marie Anne Gillain kam sie in Montreuil bei Versailles zur Welt. In einem Kloster in Étampes wurde sie ausgebildet und zog die Aufmerksamkeit der Prinzessin Madame Élisabeth auf sich. Nach der Zerstörung des Klosters während der Französischen Revolution lernte sie Anatomie und die Hebammenkunst. 1797 heiratete sie den Beamten Louis Boivin, mit dem sie eine Tochter hatte und der früh starb. Sie wurde 1800 Hebamme in einem Krankenhaus und 1801 dessen Vorsteherin. 1802 bewog sie den Innenminister Jean-Antoine Chaptal dazu, eine Hebammenschule im Mütterhospiz (Hospice de la Maternité) von Paris zu gründen und die öffentlichen Lehrpläne anzupassen.

Nach dem Tod ihrer Tochter wurde sie stellvertretende Leiterin des Pariser Mütterhospizes, das von der weithin anerkannten Hebamme Marie Louise Dugès Lachappelle geleitet wurde. Nachdem Boivin sich um 1813 mit ihr überworfen hatte, wurde sie 1814 stellvertretende Direktorin des Allgemeinen Krankenhauses (Hôpital général) des Départements Seine-et-Oise. Sie leitete 1815 ein Feldlazarett und dann in Bordeaux das Mütterhospiz und das Königliche Krankenhaus (Maison Royale de Santé).

Boivin verbesserte das chirurgische Instrumentarium der Geburtshilfe (darunter Pelvimeter, Vaginalspekula etc.) und wurde von Ärzten als Koryphäe auf ihrem Gebiet anerkannt. Sie war die erste, die das Stethoskop zum Abhören des fötalen Herzschlags einsetzte.

Gemeinsam mit Antoine Louis Dugès schrieb sie zwischen 1833 und 1837 ein Werk über Uteruskrankheiten, welches das seit 150 Jahren verwendete Standardwerk ablöste. Auch ihr 1812 veröffentlichtes Buch über die Kunst der Geburt war bereits zum anerkannten Handbuch für Geburtshilfe avanciert. Sie schrieb und veröffentlichte auch weitere international anerkannte Aufsätze über Frauenmedizin.

Fürstenhöfe – darunter der der russischen Kaiserin – umwarben sie vergeblich, damit Boivin bei ihnen praktiziere. Als Patriotin war Boivin darüber verbittert, dass sie von der Französischen Akademie der Wissenschaften nicht anerkannt wurde und ihre höchsten Auszeichnungen aus dem Ausland stammten.

Sie starb trotz ihres Ruhms verarmt nach einer langen Krankheit, die sie sich 1840 zuzog und die ihre weitere Berufsausübung verhinderte. Die Krankheitsursache konnte nicht korrekt diagnostiziert werden.

Schriften (Auswahl)

Ehrungen

Literatur

Commons: Marie Boivin – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. 1000 Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 71. Das Augsburger Tagblatt nennt als Todesursache einen Schlaganfall. Vgl. No. 143, Dienstag, 25. Mai 1841, S. 612.
  2. ↑ Biographie auf Medarus (frz.) (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive).
  3. ↑ Gale biographische Enzyklopädie (Memento vom 18. September 2009 im Internet Archive).
  4. ↑ Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 207, Donnerstag, den 28. Aug. 1828. Ein (allgemeines) Doktorat wird auch genannt im Augsburger Tagblatt, No. 143, Dienstag, 25. Mai 1841, S. 612.
  5. ↑ Brooklyn Museum: Marie Bovin. In: brooklynmuseum.org. Abgerufen am 21. November 2020.
Personendaten
NAME Boivin, Marie Anne
ALTERNATIVNAMEN Boivin, Marie Anne Victorine (vollständiger Name); Boivin, Marie Anne Victoire
KURZBESCHREIBUNG französische Hebamme
GEBURTSDATUM 9. April 1773
GEBURTSORT Montreuil
STERBEDATUM 16. Mai 1841
STERBEORT Paris