Marie Schwesinger

Marie Schwesinger (* 1988 in Hamburg) ist eine deutsche Regisseurin und Autorin, die unter anderem am Berliner Ensemble arbeitet.

Künstlerischer Werdegang

Schwesinger sammelte erste Erfahrung am Theater als Hospitantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und an der Schaubühne Berlin unter anderem bei Armin Petras.

Von 2009 bis 2013 studierte sie Szenische Künste in Hildesheim und Exeter (England). Während des Studiums entstanden erste eigene Inszenierungen, Texte und Performances. In der Spielzeit 2013/2014 inszenierte sie am Oldenburgischen Staatstheater ihren Text Da ist eine Leerstelle in meinem Kopf und das Stück Sinn von Anja Hilling. Von 2014 bis 2021 studierte sie Regie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Im Rahmen des Studiums entstanden mehrere eigene Arbeiten, unter anderem Maß für Maß von William Shakespeare.

Von 2017 bis 2019 war sie feste Regieassistentin am Schauspiel Frankfurt, wo sie unter anderem mit Robert Borgmann, David Bösch, Anselm Weber, Lisa Nielebock und Roger Vontobel zusammenarbeitete. 2017/2018 inszenierte sie Gegen alle Widerstände, eine Produktion, die sich mit den Frankfurter Auschwitzprozessen 1963–1965 auseinandersetzte. Seit August 2019 arbeitet sie als freie Regisseurin und Autorin. In ihrer dokumentarischen Arbeit beobachtete Schwesinger über mehrere Jahre Prozesse gegen Rechtsextreme, darunter den Mordprozess um Walter Lübcke, das Verfahren gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. und Verfahren im Kontext von NSU 2.0.

2025 wurde sie in das Programm WORX des Berliner Ensembles aufgenommen. Außerdem beteiligte sie sich an der Recherche des Theater Chemnitz zur Geschichte der Kindertransporte 1938/39.

Im November 2025 inszenierte Schwesinger gemeinsam mit dem Dramaturgen Lukas Nowak Anna Seghers’ Roman Transit im Werkraum des Berliner Ensembles. In der Inszenierung wirkten u. a. die Schauspieler Paul Zichner und Kathleen Morgeneyer mit.

Im Rahmen des WORX-Programms entwickelte Schwesinger das Stück Sturm auf Berlin, für das sie den Reichsbürger-Prozess gegen die sogenannte Gruppe Reuß verfolgte. Im Verfahren wird 25 Angeklagten die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, die Planung eines gewaltsamen Umsturzes und Hochverrat vorgeworfen. Am Oberlandesgericht Frankfurt am Main entstanden dabei 1.200 Seiten Protokoll, die Schwesinger als Grundlage der Inszenierung nutzte. In dem Stück untersucht sie, was geschieht, wenn der Staat von innen angegriffen wird, und stellt Bezüge zwischen den mutmaßlichen Umsturzplänen der Gruppe Reuß und dem Kapp-Putsch von 1920 her. Für die Bühnenfassung arbeitet sie mit Aussagen aus dem Gerichtssaal, die sie gegeneinanderstellt und bei Verschwörungserzählungen auch unterbrechen oder auseinandernehmen lässt.

Inszenierungen (Auswahl)

Gastspiele, Festivaleinladungen und Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Vita auf eigener Homepage; abgerufen am 27. Oktober 2021.
  2. ↑ https://www.schauspielfrankfurt.de/menschen/marie-schwesinger/
  3. 1 2 3 Luca Klander: Reichsbürger-Stück am Berliner Ensemble: Taten, die in der Zukunft liegen. In: taz.de. 6. Mai 2026, abgerufen am 6. Mai 2026.
  4. ↑ WORX | berliner-ensemble. 31. Mai 2025, abgerufen am 28. Mai 2025.
  5. ↑ Städtische Theater Chemnitz gGmbH: Wir werden nachkommen (AT). Abgerufen am 28. Mai 2025.
  6. 1 2 Henriette Hufgard: Roman „Transit“ im Theater – Die Existenz ist zu einem Stempel geschrumpft. In: taz.de. 6. November 2025, abgerufen am 7. November 2025.
  7. ↑ Transit | berliner-ensemble. 5. November 2025, abgerufen am 8. August 2026.
  8. ↑ Schauspiel Frankfurt: Gegen alle Widerstände, Mit Texten von Peter Weiss, Marie Schwesinger, Emmi Bonhoeffer, Hannah Arendt, u. a. | Schauspiel Frankfurt. Abgerufen am 20. April 2022.
  9. ↑ https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/a-z/corpus-delicti/
  10. ↑ https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/das-ewige-gespraech-der-toten
  11. ↑ Burg Hülshoff: Niemand ist bei den Kälbern – Burg Hülshoff. Abgerufen am 11. September 2021 (englisch).
  12. ↑ https://studionaxos.de/widerhall/
  13. ↑ Audio-Walk: Der Rache nicht (Premiere) – studioNaxos. Abgerufen am 1. Mai 2021 (deutsch).
  14. ↑ Kunstfest Weimar 2022 – Programm. Abgerufen am 1. Juli 2022 (deutsch).
  15. ↑ Kunstfest Weimar 2022 – Programm. Abgerufen am 1. Juli 2022 (deutsch).
  16. ↑ Ich, Wunderwerk und How much I love disturbing content. Abgerufen am 1. Juli 2022.
  17. ↑ Audiowalk „un_sicher“ über NSU 2.0 – Um wessen Sicherheit es hier geht. 25. Juni 2023, abgerufen am 19. Juli 2023.
  18. ↑ LebensWert (Uraufführung) - Theater Kiel. Abgerufen am 19. Juli 2023.
  19. ↑ Aktuell | Landungsbrücken Frankfurt. Abgerufen am 1. Mai 2024.
  20. ↑ Botschaftstaten. Abgerufen am 1. Mai 2024.
  21. ↑ Die Laborantin - Theater Kiel. Abgerufen am 1. Mai 2024.
  22. ↑ Die Allianz - Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld. Abgerufen am 28. Mai 2025.
  23. ↑ WORX – Internationales Nachwuchsprogramm für junge Regie. In: berliner-ensemble.de. Abgerufen am 21. August 2025.
  24. ↑ https://www.thalia-theater.de/stueck/gegen-alle-widerstaende-2021
  25. ↑ https://www.hessen.de/Presse/Hessen-foerdert-neun-Kuenstlerinnen-mit-neuen-Ottilie-Roederstein-Stipendien
  26. ↑ Gegen alle Widerstände. Abgerufen am 1. April 2022.
  27. ↑ https://www.theater-kiel.de/schauspiel-kiel/programm/produktion/titel/gegen-alle-widerstaende
  28. ↑ Schauspiel Frankfurt: WERWOLFKOMMANDOS, von Marie Schwesinger, Fabiola Eidloth & Julia Just - 12.04.2023, 20.00–21.30 | Schauspiel Frankfurt. Abgerufen am 17. März 2023.
  29. ↑ Werwolfkommandos - Stadttheater Gießen. Abgerufen am 1. Mai 2024.
  30. ↑ Christian Rakow: Preise der Hessischen Theatertage 2024 vergeben. Abgerufen am 28. Mai 2025 (deutsch).
Personendaten
NAME Schwesinger, Marie
KURZBESCHREIBUNG deutsche Regisseurin
GEBURTSDATUM 1988
GEBURTSORT Hamburg