Maria Urfus war die Tochter eines österreichischen Finanzrates und Landesinspektors. Sie hatte eine Schwester.
Nach einer Prüfung vor Direktor Angelo Neumann trat sie, ohne dramatischen Unterricht erhalten zu haben, 1894 in den Verband der Prager Theater ein, wo sie als „Raphael“ im „Faust“ debütierte. Zunächst sang sie am Neuen deutschen Theater kleinere Opernpartien, später trat sie in Schauspielrollen am Deutschen Landes-Theater auf. Vom Direktor gefördert, erzielte sie große Erfolge. 1899 wechselte sie ans Kaiser-Jubiläums-Stadttheater in Wien. Im September 1901 wurde sie ans Hofburgtheater engagiert, das sie 1904 wieder verließ. Von 1904 bis 1907 war sie schließlich am Berliner Lessing-Theater tätig
Im Juni 1910 heiratete sie in England Alexander Moissi (1879–1935). Im Herbst 1913 gründete sie in Berlin die „Schauspielschule Maria Moissi“, an der auch ihr Mann unterrichtete. Die Ehe mit Moissi wurde 1918 geschieden. Moissi unterstützte Urfus nach der Scheidung finanziell, wie er es auch schon bei deren Schwester gehalten hatte, die nach dem Tod Alfred Breiderhoffs in Bedrängnis geraten war.
Zu ihren Schülerinnen gehörten Dorothea Wieck und Olga Wojan. Kontakte lassen sich ferner nachweisen zu Elisabeth Bergner und Else Lasker-Schüler, in deren Interesse sie im Mai 1933 mit Gottfried Benn telefoniert haben soll. Den Brief, den sie nach diesem Telefonat an die Dichterin schrieb, schickte sie aus Berlin ab.
Ihre Tochter Beatrice Moissi (später Beate von Molo; * 1906 München; † 1998), begann als Diseuse, wurde später Theaterleiterin und Regisseurin und heiratete 1942 den FilmeditorConrad von Molo.
Literatur
Urfus Marie. In: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 1061 (Textarchiv– Internet Archive).
Moissi-Urfus, Marie. In: Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. 2. Band. Kleinmayr, Klagenfurt 1960, S. 1505 f.
↑Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Wilmersdorf, Nr. 1192/1943 (kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com).
↑Vgl. Bernhard Reich: Im Wettlauf mit der Zeit. Henschelverlag, 1970, S. 163 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche). Vermutlich handelte es sich bei dieser Schwester um die Schauspielerin Helene Urfus, die in zahlreichen Theaterprogrammen neben Alfred Breiderhoff genannt wird. Vgl. etwa die von der Universität Düsseldorf gesammelten Theaterzettel auf digital.ub.uni-duesseldorf.de.
↑Neuer Theateralmanach für das Jahr 1895. Berlin 1895.
↑Zahlreiche Treffer im Prager Tagblatt ab Februar 1894 (ANNO-Suche).