Marion Bertram

Marion Bertram, geb. Scheibel, (* 13. April 1960 in Cottbus) ist eine deutsche Prähistorikerin und Ausstellungskuratorin.

Leben und beruflicher Werdegang

Marion Bertram wuchs als Tochter eines Architekten und einer Lehrerin in Grünheide am Rande von Berlin auf. Da ihr aus politischen Gründen der Zugang zur Erweiterten Oberschule versagt wurde, absolvierte sie zunächst eine Lehre als Facharbeiterin für wissenschaftliche Bibliotheken an der Staatsbibliothek zu Berlin und erlangte die Hochschulreife an der Volkshochschule Berlin-Mitte. Seit 1980 ist sie Mitarbeiterin des Museums für Ur- bzw. Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, das ihre Ausbildung förderte. Von 1983 bis 1988 studierte sie Geschichte und Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und beschäftigte sich in ihrer Diplomarbeit als Historikerin erstmals mit der Situation der Ur- und Frühgeschichtsforschung im Nationalsozialismus. Bereits während ihrer Studienzeit kuratierte sie Ausstellungen zu Leben und Wirken von Heinrich Schliemann (1983) und Rudolf Virchow (1987).

Nach dem Abschluss des Studiums erlangte sie die Stellung einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Museums mit den Schwerpunkten Frühmittelalter und Wissenschaftsgeschichte. Im Zuge der Wende und der Deutschen Wiedervereinigung knüpfte Bertram schnell Kontakte zur Sammlung in West-Berlin. Während die damalige Direktorin des Museums im Ostteil der Stadt Eva Zengel sie auf eine Liste potentiell zu entlassender Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen setzte, da sie versuchte unabhängig von der Qualifikation Parteimitgliedern ihre Stellen zu erhalten, betrieb Bertram unter der Leitung von Wilfried Menghin, dem Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Westteil der Stadt federführend die Wiedervereinigung der in der Nachkriegszeit geteilten Sammlungen des Museums unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. 1996 wurde sie zur Kustodin ernannt. Weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Aufarbeitung der von der Roten Armee beschlagnahmten und als Kriegsbeute in die Sowjetunion verbrachten Teile der Sammlung. 1996/97 übernahm sie für ihr Museum die Projektleitung des internationalen Ausstellungsprojektes „Die Franken“ sowie 2006/07 der in Moskau und Sankt Petersburg gezeigten Ausstellung „Merowingerzeit. Europa ohne Grenzen“, die erstmals die in Russland verbliebenen Teile der Sammlung der Öffentlichkeit präsentierte und in einem umfassenden Katalog dokumentierte.

Im Jahr 2000 wurde sie an der Freien Universität Berlin mit einer Dissertation, die sich der Rekonstruktion von Altgrabungen widmete, promoviert. Von 1998 bis 2009 betreute sie den Wiederaufbau der Neuen Museums auf der Museumsinsel und leitete dort die Einrichtung der neuen Dauerausstellung. Als Mitkuratorin betreute sie unter anderem die großen Ausstellungsprojekte „Die Wikinger“ (2013/14), „Schliemanns Welten“ (2022) und konzipierte die umfassende wissenschaftliche Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum des Museums für Vor- und Frühgeschichte.

2014 wurde sie als Nachfolgerin von Alix Hänsel stellvertretende Direktorin des Museums für Vor- und Frühgeschichte, das von Matthias Wemhoff geleitet wird. Ebenfalls 2014 wurde sie zur Oberkustodin befördert, 2016 zur Hauptkustodin.

Da mit dem Museum auch die Landesarchäologie verbunden ist, gehört auch die regionale Prähistorie zu ihrem Forschungsbereich.

Publikationen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaft / Redaktion

Wissenschaftliche Aufsätze

Porträts

Belege

  1. ↑ Für biographische Angaben bis 2004 vgl. hier und im Folgenden: Horst Junker und Horst Wieder: Zur personellen Ausstattung des Museums für Vor- und Frühgeschichte seit 1829. Artikel: Marion Bertram. In: Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. Festschrift zum 175-jährigen Bestehen, herausgegeben von Wilfried Menghin, Berlin 2005, 536.
  2. ↑ Marion Bertram: Zur Situation der deutschen Ur- und Frühgeschichtsforschung während der Zeit der faschistischen Diktatur. Diplomarbeit, Berlin 1988. Gekürzte Fassung in: Forschungen und Berichte 31, 1991, 23–42.
  3. ↑ Eike Gringmuth-Dallmer: Die Sonderausstellungen 1880 bis 2004. In: Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. Festschrift zum 175-jährigen Bestehen, herausgegeben von Wilfried Menghin, Berlin 2005, 610/11 und 612.
  4. ↑ https://www.spkmagazin.de/besuch-bei-alten-bekannten.html
  5. ↑ Marion Bertram: Ein langer Weg. Die Anfänge der Zusammenarbeit mit den russischen Museen von den 1990er Jahren bis 2007. In: Acta Praehistorica et Archaeologica 50 (2018), 45–58
  6. ↑ Marion Bertram, Wilfried Menghin: Die Franken, Wegbereiter Europas. 5.–8. Jahrhundert – Les Francs, précurseurs de l‘Europe. Ve–VIIIe siècle. Führer durch die Ausstellung, Berlin 1997.
  7. ↑ Wilfried Menghin, Marion Bertram: Merowingerzeit – Europa ohne Grenzen. Genese und Bilanz einer Ausstellung. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 43, 2006/07, 211–259.
  8. ↑ Merowingerzeit – Europa ohne Grenzen. Archäologie und Geschichte des 5. bis 8. Jahrhunderts. Herausgegeben von Wilfried Menghin. Ausstellungskatalog Moskau, St. Petersburg 2007, Wolfratshausen 2007 (dt./engl./russ.)
  9. ↑ Marion Bertram: Die frühmittelalterlichen Gräberfelder von Pocking-Inzing und Bad Reichenhall-Kirchberg. Rekonstruktion zweier Altgrabungen. Dissertation, Berlin 2000. Publiziert in: Bestandskataloge des Museums für Vor- und Frühgeschichte 7, Berlin 2002.
  10. ↑ Neues Museum Berlin. Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, München u. a. 2009. Vgl. auch: Marion Bertram: Rückblick und Ausblick: Der Wiedereinzug ins Neue Museum. In: Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. Festschrift zum 175-jährigen Bestehen, herausgegeben von Wilfried Menghin, Berlin 2005, 279-287.
  11. ↑ Martin-Gropius-Bau, Berlin 2013/14
  12. ↑ James-Simon-Galerie und Neues Museum, Berlin 2022
  13. ↑ Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte. Festschrift zum 175-jährigen Bestehen. Herausgegeben von Wilfried Menghin, Berlin 2005.
  14. ↑ https://www.spkmagazin.de/besuch-bei-alten-bekannten.html
  15. ↑ Frühgeschichte Berlins: Die Prinzessin ist ein Prinz - was ein Skelett über die Stadt verrät. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Dezember 2023]).