
Mark Joseph Carney (* 16. März 1965 in Fort Smith, Nordwest-Territorien) ist ein kanadischer Politiker der Liberalen Partei Kanadas, Manager und ehemaliger Zentralbankdirektor. Er wurde am 9. März 2025 zum Vorsitzenden der Liberalen Partei Kanadas gewählt und am 14. März als Premierminister Kanadas vereidigt. In beiden Ämtern folgte er auf Justin Trudeau. Seit der Unterhauswahl 2025 sitzt er als Abgeordneter für den Wahlkreis Nepean im kanadischen Parlament. Carney war von 2008 bis 2013 Gouverneur der Bank of Canada und wurde durch sein Management der Finanzkrise bekannt, die Kanada besser als viele westliche Länder überstand. Von 2013 bis 2020 war er der erste ausländische Gouverneur der Bank of England.
Carney wurde in Fort Smith in den Northwest Territories geboren. Sein Vater Bob war Schuldirektor und später Professor für Lehramt an der University of Alberta in Edmonton. Dies führte dazu, dass die Familie (Carney war damals sechs Jahre alt) umziehen musste. Carney hat einen älteren Bruder (Sean), eine ältere Schwester (Brena) und einen jüngeren Bruder Brian. Carneys Mutter war Grundschullehrerin, eine Zeitlang Hausfrau (bis Mark 10 Jahre alt war) und arbeitete dann an einer Universität.
Carney und seine beiden Brüder studierten an der Harvard University. Carney beendete sein Studium in Harvard 1988 mit dem Bachelor in Ökonomie. Später ging er an die University of Oxford, wo er 1993 am St Peter’s College seinen Masterabschluss und zwei Jahre später am Nuffield College seinen Doktorgrad jeweils in Wirtschaftswissenschaft erwarb. Thema seiner Dissertation war The dynamic advantage of competition.
Carney begann seine Karriere bei der Investmentbank Goldman Sachs, wo er dreizehn Jahre beschäftigt war. Er arbeitete in deren Niederlassungen London, Tokio, New York und Toronto. Er war Vizevorsitzender der Abteilung für Länderrisiko, Executive Director für den Bereich Emerging Debt Capital Markets (Anleihenmärkte in Schwellenländern) und Managing Director im Investment Banking.
Im August 2003 wurde er Mitglied des Direktoriums und stellvertretender Präsident (deputy governor) der kanadischen Zentralbank. Er war von 2004 bis 2007 Senior Associate Deputy Minister, einer der ranghöchsten Beamten im kanadischen Finanzministerium, wo er zuerst unter dem liberalen Minister Ralph Goodale und dann unter dem Konservativen Jim Flaherty arbeitete. In dieser Funktion vertrat er Kanada auch bei Verhandlungen zu Finanzfragen in der G7. Vom 1. Februar 2008 bis zum 3. Juni 2013 war er Präsident (governor) der Bank von Kanada und wurde dabei vor allem für seine Handhabung der Finanzkrise 2008 gelobt. Am 3. Juni 2013 wurde er von Stephen Poloz abgelöst.

Carney wurde mit Wirkung zum 1. Juli 2013 auf Vorschlag des britischen Finanzministers (Schatzkanzlers) George Osborne (Tory) zum Governor der Bank of England ernannt, wo er die Nachfolge von Mervyn Allister King antrat; er war somit der erste Ausländer auf diesem Posten in der 319-jährigen Geschichte der Bank of England. Im Jahr 2016 nannte Carney den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs das „größte Risiko für Großbritanniens finanzielle Stabilität“. Diese und andere kritische Äußerungen zum EU-Austritt machten ihn bei „Brexit“-Befürwortern unbeliebt. Der (ultra-)konservative Abgeordnete Jacob Rees-Mogg charakterisierte ihn in einem Interview vom 28. November 2018 als einen „gescheiterten zweitklassigen kanadischen Politiker“, der schon vielfach unzutreffende Voraussagen gemacht habe. Carneys Amtszeit endete am 15. März 2020, sein Nachfolger wurde Andrew Bailey. Zwischen 2011 und 2018 war er zudem Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB), einer Institution der G20 mit Hauptsitz in Basel.
Nach seinem Ausscheiden aus der Zentralbank wurde Carney im Oktober 2020 stellvertretender Vorsitzender des Vermögensverwalters Brookfield Asset Management, wo er für die ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance) zuständig war. Zusätzlich übernahm er im Februar 2021 einen Posten im Board of Directors des Zahlungsdienstleisters Stripe. Der Haupteigentümer Michael Bloomberg ernannte Carney im August 2023 zum Vorstandsvorsitzenden des Finanzinformations- und Medienunternehmens Bloomberg.
Laut Carney bot der damalige Premierminister Stephen Harper (Konservative) ihm 2012 – während seiner Amtszeit als Präsident der Bank von Kanada – das Amt des Finanzministers in seiner Regierung an. Er habe abgelehnt, weil er einen direkten Wechsel von der Spitze der Zentralbank in ein politisches Amt für unangemessen hielt. Auch Vertreter der Liberalen Partei warben damals um Carney und versuchten ihn zu überzeugen, sich als Vorsitzender ihrer Partei zu bewerben.
2025 gab Carney seine Kandidatur für den Parteivorsitz der Liberalen Partei Kanadas bekannt, nachdem Justin Trudeau seinen Rückzug als Parteichef und Premierminister angekündigt hatte. Auf dem Parteitag am 9. März 2025 wurde er mit 85,9 % der Stimmen bereits im ersten Wahlgang als Parteichef gewählt und daraufhin am 14. März von Mary Simon, der Generalgouverneurin Kanadas, als 24. Premierminister Kanadas vereidigt.
Im Wahlkampf versprach er, massiv in den Wohnungsbau zu investieren, um die Mietpreise zu senken und die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.
Die Liberalen um Carney konnten die vorgezogene Kanadische Unterhauswahl 2025 zum vierten Mal in Folge gewinnen. Die absolute Mehrheit wurde aber um drei Sitze verfehlt. Die Konservativen konnten ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 ebenso verbessern. Der Bloc Québécois, die NDP und die Grünen verzeichneten Verluste, wobei die NDP ihren offiziellen Parteienstatus im Unterhaus verlor. Die bisherige Regierung wird als Minderheitsregierung fortgeführt.

Als Premierminister führt er das 30. Kanadische Kabinett. Als ehemaliger Gouverneur der kanadischen und britischen Zentralbank kam Carney gezielt als wirtschaftlicher Krisenmanager ins Amt. Er profilierte sich rasch als internationales Gegengewicht zu Donald Trump. Ende Juli 2025 gab Carney bekannt, dass Kanada Palästina im September 2025 als Staat anerkennen werde.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2026 rief er in einer vielbeachteten Rede die Mittelmächte auf, sich zusammenzuschließen und dem Hegemoniestreben der Großmächte zu widerstehen. Offen sprach er vom Bruch der Weltordnung.
Seine Regierungsarbeit war anfangs durch fehlende Mehrheiten im Parlament blockiert. Im April 2026 erhielt seine Liberale Partei durch Nachwahlen eine absolute Mehrheit im kanadischen Parlament.
Aufgrund der schweren Handelskonflikte mit US-Präsident Trump forcierte Carney im Jahr 2026 eine umfassende Diversifizierung der kanadischen Wirtschaft. Dazu gehören massive Investitionen im Inland (wie eine neue Automobilstrategie) sowie der rasche Abschluss neuer globaler Handelsbündnisse, um Kanadas extreme Exportabhängigkeit von den USA zu reduzieren.
Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada ist im August 2026 nach dem Scheitern von Verhandlungen eskaliert. Carney hat in der Folge kanadische Vergeltungszölle angekündigt, nachdem in den USA wie angedroht neue Zölle auf kanadische Produkte in Kraft getreten waren.
Carney hielt am 17. September 2026 eine vielbeachtete Rede vor dem Europäischen Parlament.
Er heiratete 1994 Diana Fox. Das Paar hat vier Töchter und lebt in Ottawa.
Carney wuchs in Edmonton, Alberta, einer traditionsreichen Eishockeystadt, auf und spielte während seiner Highschool- und Uni-Zeit als Eishockeytorwart.
2009 wurde Carney von der Wirtschaftszeitung Financial Times im Artikel Fifty who will frame a way forward in der Rubrik Zentralbanker als Gestalter der Zukunft bezeichnet. 2010 wurde er vom Nachrichtenmagazin Time in der jährlich erscheinenden Liste Time 100 als eine der einhundert einflussreichsten Persönlichkeiten aufgeführt.
Er wurde bereits im Jahr 2014 zum Officer of the Order of Canada (O.C.) ernannt und 2015 offiziell investiert. Später stieg er in die höchste Stufe als Companion of the Order of Canada (C.C.) auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carney, Mark |
| ALTERNATIVNAMEN | Carney, Mark Joseph (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadischer Bankmanager |
| GEBURTSDATUM | 16. März 1965 |
| GEBURTSORT | Fort Smith |