
Markolf H. Niemz (* 1964 in Hofheim am Taunus) ist ein deutscher Physiker, Biophysiker und Schriftsteller. Er hat einen Lehrstuhl an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
Markolf Niemz studierte Physik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Vordiplom), der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Diplom) und Bioengineering an der University of California, San Diego (Master of Science). Er schrieb 1992 eine Doktorarbeit über den Aufbau eines Lasers zur Untersuchung der Ablation von biologischem Gewebe. Anschließend habilitierte er sich in Heidelberg in Physik. 1995 forschte er mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Wellman Center for Photomedicine der Harvard Medical School.
Niemz war bis 1999 Abteilungsleiter für Optische Spektroskopie am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg. Im Jahr 2000 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Medizintechnik/Biomedical Engineering an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, angesiedelt als Ordinarius an der Medizinischen Fakultät Mannheim. Niemz ist seither Direktor der Mannheim Biomedical Engineering Laboratories (MABEL), einem joint venture der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim. Er forscht zur Anwendung von Lasern in der Medizin und zu Grundlagen der Relativitätstheorie. Er war der Erste, der ultrakurze Laserpulse in der Zahnheilkunde angewandt hat, um Karies schmerzfrei zu behandeln.
Niemz setzt sich außerdem mit Nahtoderfahrungen auseinander. Mit seinem Wissenschaftsroman Lucy mit c wurde er einem breiten Publikum bekannt, indem er Nahtoderfahrungen mit Effekten aus Albert Einsteins Relativitätstheorie verglich. Niemz wartet mit einer neuen, physikalischen Erklärung für Nahtoderfahrungen auf: Der sogenannte Searchlight-Effekt führe zur Wahrnehmung eines dunklen Tunnels mit einem hellen Licht an dessen Ende. Das Licht selbst sei ein Weltgedächtnis und stelle die Lebensrückschau zur Verfügung, von der die Sterbenden oft berichten.

Niemz’ Roman Lucy mit c schaffte es als das erste deutsche, im Eigenverlag erschienene Buch auf die Gong-Bestsellerliste. Auch Lucy im Licht, der zweite Band seiner Lucy-Trilogie, und Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? wurden deutsche Bestseller. Aus dem Autorenhonorar der Lucy-Trilogie hat Niemz die gemeinnützige und mildtätige Stiftung Lucys Kinder gegründet. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass auch Kinder aus den ärmsten Ländern dieser Welt Zugang zu Liebe und Wissen erhalten.
In seinem Buch Die Welt mit anderen Augen sehen erläutert Niemz die Welt mit dem fernöstlichen Konzept des Advaita (auf Deutsch: Nicht-Dualität). Viele Begriffe, die wir als gegensätzlich begreifen (Raum und Zeit, Sein und Werden, Huhn und Ei, Schöpfer und Schöpfung), seien in Wirklichkeit zwei Seiten einer Medaille. In seinem Buch Wie geht leben? geht Niemz noch einen Schritt weiter und löst die Dualität auf. Er ersetzt Substantive durch Verbformen. Viren, Bakterien und Krebszellen seien primär Prozesse und keine Objekte, also ein Informierend („virend“), ein Wirkend („bakteriend“) beziehungsweise ein fehlerhaftes Kommunizierend („krebsend“). Niemz begreift auch uns Menschen und Gott als Verbformen. Damit folgt er Alfred North Whitehead und dessen Philosophy of Organism.
Die philosophisch-religiösen Texte von Niemz werden kontrovers beurteilt. Kritiker bemängeln, „die Indizien sind mager“ und die Argumentation baue darauf auf, dass „Schilderungen der Halluzinationen so ähnlich [klingen] wie Simulationen der Wahrnehmung von Reisenden nach der Relativitätstheorie aussehen müssten“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: „Der Autor beantwortet Fragen zum Urknall, dem Zufall, der Weltformel, dem Leben und der Ewigkeit – mit einer Mischung aus Anekdoten und naturwissenschaftlichem Sachverstand, durchaus unterhaltsam. Aber den Modus einer Predigt verlässt Niemz nie.“ Die katholische Tagespost sieht „die Grenze zwischen 'einfach' und 'banal' gestreift“. Das Schweizer Pfarrblatt schreibt über dasselbe Buch: „Dank frischer, umgänglicher Sprache und kurzer Zusammenfassungen sowie zahlreicher Abbildungen bleiben komplexe Sachverhalte höchst spannend und werden vielleicht überhaupt erst nachvollziehbar. Eine respektvolle und bereichernde Herausforderung für alle, die offen dafür sind, ihre Vorstellungen von Gott, Schöpfung und Ewigkeit auch aus ungewohnter Perspektive neu anzudenken.“
Der Deutschlandfunk Kultur hat zwei ausführliche Interviews mit Niemz gesendet: „Die universelle Urkraft der Liebe“ und „Eine Abkehr vom Ich“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Niemz, Markolf |
| ALTERNATIVNAMEN | Niemz, Markolf H. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Biophysiker |
| GEBURTSDATUM | 1964 |
| GEBURTSORT | Hofheim am Taunus, Hessen, Bundesrepublik Deutschland |