Martin A. Conway

Martin Anthony Conway (* 18. August 1952 in Darlington; † 30. März 2022 in Newcastle upon Tyne) war ein Gedächtnispsychologe und als Professor Leiter des Psychology department der City, University of London.

Leben

Er war eines von sechs Kindern und wurde im August 1952 in Darlington geboren. Nachdem er die Schule ohne Abschluss verlassen hatte, übte er verschiedene Berufe aus, bevor er mit etwa 20 Jahren nach London zog. Dort holte er in Abendkursen die O- und A-Levels nach. In einem A-Level-Kurs stieß er eher zufällig auf das Fach Psychologie. Von 1977 bis 1980 studierte er Psychologie und erwarb eine B.Sc. am University College London (UCL). Er promovierte 1984 zum Ph.D. an der Open University zum Thema „Content and Organisational Differences Between Autobiographical and Semantic Memories“.

Seine berufliche Karriere begann 1983–1988 als Wissenschaftler an der Medical Research Council Applied Psychology Unit (heute Cognition and Brain Sciences Unit) an der University of Cambridge. Anschließend hatte er Dozenturen an der University of Hertfordshire und der Lancaster University inne, bevor er 1993 als Professor an die University of Bristol wechselte. Ab 1994 war er dort Fachbereichsleiter. Danach folgten Positionen an der University of Durham (2001–2006), der University of Leeds (2006–2012) und der City, University of London (2012–2017). Hier trat er 2021 als „honorary Professor“ der City University in den Ruhestand.

Werk

Seine wissenschaftlichen Beiträge betrafen die vor allem die experimentelle Gedächtnispsychologie und umfassen Themen wie Inhibition, episodisches Zukunftsdenken, Erinnerung, falsche Erinnerungen, imaginierte Ereignisse, Blitzlichterinnerungen und vieles mehr.

Er ist besonders für seine Arbeiten zum autobiografischen Gedächtnis bekannt, die er in die kognitive Psychologie, die Kognitionspsychologie, die Klinische Psychologie, die Künste und die Justiz einbrachte. In seinen Arbeiten legte er die dynamischen Prozesse und Mechanismen dar, durch die spezifische Erinnerungen in einer Organisationshierarchie geformt werden, deren Kern das Selbst bildet. Das Selbstgedächtnissystem (SMS) ist nach ihm ein konzeptionelles Rahmenwerk, das die enge Verbindung zwischen Selbst und Gedächtnis betont. Innerhalb dieses Rahmenwerks wird das Gedächtnis als Datenbasis des Selbst betrachtet. Das Selbst wird als komplexes Gefüge aktiver Ziele und damit verbundener Selbstbilder verstanden, die zusammenfassend als das Arbeitsselbst bezeichnet werden. Er hat auch eine Brücke von der Kognitionswissenschaft zum aufstrebenden Feld der narrativen Identität geschlagen. Seine Betonung der entscheidenden Beziehung zwischen langfristigen Zielen und bedeutsamen autobiografischen Erinnerungen lieferte die konzeptionelle Verbindung zu Persönlichkeitstheorien, die wiederkehrende narrative Erinnerungen als Indikator für zentrale Themen der Identität betrachten. Seine Arbeit beeinflusste auch klinische Techniken, die mit Imagination und Rescripting arbeiten, um Grübeleien und Angstzuständen entgegenzuwirken, die durch maladaptive und traumatische Erinnerungen ausgelöst werden.

Ehrungen/Positionen

Privates

Er war in erster Ehe mit Susan Gathercole verheiratet, eine Psychologin, die vor allem für ihre Studien zu Arbeitsgedächtnisdefiziten bei Kindern bekannt ist; aus dieser Ehe stammten die Kinder Jim, Stephen, Jessica, Graham und Phoebe. Er war regelmäßiger Gastautor in der Zeitschrift „The Psychologist“, und ein 2012 veröffentlichter Artikel über ihn führte dazu, dass Judith, eine alte Freundin aus Studienzeiten, Kontakt zu ihm aufnahm und ihn 2016 heiratete. Er war ein begeisterter Dichter und pflegte langjährige Kooperationen im Kunstbereich, was in seiner Mitgliedschaft im Royal College of Art zum Ausdruck kam.

Publikationen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaften

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ In memory of Martin Conway auf City St George's Press Office vom 8. April 2022, abgerufen am 9. Dezember 2025.
Personendaten
NAME Conway, Martin
ALTERNATIVNAMEN Conway, Martin Anthony (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG britischer Psychologe und Professor
GEBURTSDATUM 18. August 1952
GEBURTSORT Darlington
STERBEDATUM 30. März 2022
STERBEORT Newcastle upon Tyne