Martin Michelli (* 16. Juni 1906 in Vordernberg; † 7. September 1943 in Wien) war ein österreichischer Widerstandskämpfer und Mitglied einer Widerstandsgruppe im Raum Leoben-Eisenerz.
Michelli arbeitete zunächst als Laufbursche im Bergbau und war dann wegen der Wirtschaftskrise acht Jahre lang arbeitslos. Ab 1928 war Michelli Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und des Republikanischen Schutzbundes. 1931 trat er der KPÖ bei. 1937 wurde er als Bergmann am Erzberg angestellt und war zuletzt Lokomotivführer.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 organisierte er eine konspirative Widerstandsgruppe aus 14 Bergarbeitern. Zunächst begann er, frühere politische Freunde für Beitragszahlungen und Geldsammlungen für Angehörige politisch Verfolgter zu gewinnen. Mitte August 1941 organisierte er zwei Treffen mit Bergmännern in der Umgebung von Trofaiach, bei denen er diese zur Beschaffung von Sprengstoff aufforderte, um die Brücken der Erzbahn zwischen Eisenerz und Vordernberg zu sprengen und damit die Erzzufuhr nach Donawitz zu unterbrechen. Michelli informierte die Gruppe bei den Treffen auch über bereits durchgeführte Sabotageakte bei der Reichsbahn und über Informationen, die er durch das Abhören von „Feindsendern“ erhalten hatte.
Durch Denunzianten gewarnt, ordnete die Gestapo eine „Spezialüberwachung“ der infrage kommenden Brücken zwischen 12. und 16. November an und verhaftete die Gruppe am 17. Dezember und in den Folgetagen. Am 18. September 1942 wurde Michelli zusammen mit den weiteren elf Angeklagten Johann Pech, Siegfried Pichler, Alexander Soukup, Johann Kahlig, Josef Dick, Johann Schweinegger, Josef Schinko, Konrad Wolfger, Heinrich Waidbacher und Georg Mader nach fünftägiger Verhandlung vor dem Reichskriegsgericht wegen „Feindbegünstigung und erschwerter Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Nach Kompetenzstreitigkeiten zwischen Reichskriegsgerichts und Volksgerichtshof wurde das Urteil durch direkten Führerbefehl aufgehoben und das Reichskriegsgericht angewiesen, die Anklageverfügung zurückzunehmen, um das Verfahren an den Volksgerichtshof abtreten zu können. Am 29. März 1943 erstellte der Oberreichsanwalt eine neue, fast identische Anklageschrift gegen Michelli und die übrigen Angeklagten. Das Urteil des Volksgerichtshofs in Graz unter Vorsitz von Roland Freisler erging am 10. Mai 1943. Nun wurden vier statt elf der 14 Angeklagten zum Tode verurteilt, darunter Martin Michelli, der die volle Verantwortung für die Taten übernommen hatte. Acht Angeklagte wurden zu Zuchthausstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren, zwei zu Gefängnisstrafen in der Höhe von zwei Jahren verurteilt.
Auszug aus dem Urteil:
Aus Selbstvergessenheit und Erniedrigung hat der Führer das deutsche Volk erweckt, ungeahnte Kräfte in ihm lebendig werden lassen und das Großdeutsche Reich gegründet. Da musste es selbstverständliche Pflicht jedes Deutschen überall im Reich sein, alle Kraft Volk, Führer und Reich zu weihen. (…) Statt dessen hat Martin Michelli, der in fester Stellung am Erzberg auskömmlich verdient, unmittelbar nach Beginn des Krieges mit den Sowjets, Arbeitskameraden – meist a. d. Bergbau des Erzberges – um sich gesammelt, um mit ihnen in kommunistischem Sinne zu beraten, wie man helfen könne, dass nicht Deutschland, sondern die Sowjets den Krieg gewinnen! Dazu lud er mehrere Arbeitskameraden und andere Bekannte – Siegfried Pichler, Konrad Wolfger, Heinrich Waidbacher, Josef Dick und Johann Schweinegger – zu einem Treff im Freien am Krumpen (…) ein. (…) Denn schon was er selbst zugibt, kennzeichnet ihn als einen Volksverräter, der sich für immer aus unserer Volksgemeinschaft ausgeschlossen hat. Er hat den Dolch im Rücken unserer kämpfenden Soldaten gezückt, die Kraft unserer kämpfenden Heimat geschwächt und also im Kriege dem Feind des Reiches geholfen (§ 91b StGB). Dafür gibt es nur eine Strafe: den Tod. – Gez. Freisler
Kurz nach der Verurteilung schrieb Michelli in einem Brief an seine Mutter Rosa Kahlig:
Mutter und ihr Lieben alle! Es ist bei mir nicht notwendig, dass ich meine Sachen aufteile und Legate da und dorthin austeile. Denn zum Glück hab ich nichts, auch keine lachenden Erben. Und wenn einer ein so ruhiges Gewissen hat und so richtig weiß, dass sein Leben nicht unnütz war, dann stirbt es sich leicht. Und dabei ist es noch nicht einmal so weit! Mein Kopf ist noch hübsch oben und vielleicht bleibt er's auch..
Martin Michelli wurde zusammen mit Johann Pech, Siegfried Pichler und Alexander Soukup am 7. September 1943 zwischen 18.08 und 18.14 Uhr im Landesgericht Wien hingerichtet.

Martin Michelli wurde in der Schachtgräberanlage der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes in Reihe 25, Nr. 57 in einem gemeinsamen Grab mit Johann Pech bestattet.
Im ehemaligen Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien ist sein Name in der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz aufgeführt.
Auf dem Denkmal für 125 Widerstandskämpfer im Gärnerpark von Leoben ist sein Name aufgeführt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Michelli, Martin |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Widerstandskämpfer und Mitglied einer Widerstandsgruppe im Raum Leoben-Eisenerz |
| GEBURTSDATUM | 16. Juni 1906 |
| GEBURTSORT | Vordernberg |
| STERBEDATUM | 7. September 1943 |
| STERBEORT | Wien |