Martin Ortmeier

Martin Ortmeier im Muzeum Vodní mlýn Hoslovice, 2011

Martin Ortmeier (* 24. Juni 1955 in Passau) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Germanist. Als Autor ist er kunsthistorisch, sachvolkskundlich und belletristisch tätig. Er wirkt als Kurator von Ausstellungen zur regionalen zeitgenössischen bildenden Kunst und zur Alltagsgeschichte.

Leben und Wirken

1982 schloss Martin Ortmeier die Ausbildung zum Industriekaufmann mit dem Gesellenbrief ab. Zugleich studierte er Kunstgeschichte, Germanistik und Theoretische Linguistik in Regensburg, München und Passau. 1983 wurde er an der Universität München in Kunstgeschichte mit summa cum laude promoviert.

An den Bistumsmuseen Regensburg war Ortmeier von 1983 bis 1984 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Von 1984 bis 2019 leitete er die Niederbayerischen Freilichtmuseen Massing und Finsterau.

In der ländlichen Hausforschung für Niederbayern war er wegbereitend. Er förderte die Zusammenarbeit niederbayerischer, süd- und westböhmischer und oberösterreichischer Heimat- und Regionalmuseen, u. a. des Oblastní muzeum v Chomutově (CZ), des Muzeum středního Pootaví Strakonice (CZ) mit der historischen Vodní mlýn Hoslovice und des Pramtalmuseumsvereins (OÖ). 2017 veranlasste er die Translozierung des Paul Friedl-Geburtshauses in das Freilichtmuseum Finsterau.

In den süddeutschen Freilicht- und Heimatmuseen wirkte er an der Durchsetzung temperierter und ungezieferdichter Sammlungsdepots mit. 2007 erhielt das von ihm konzipierte Depot des Freilichtmuseums Massing den Bayerischen Museumspreis (Sonderpreis) 2007. In den niederbayerischen Freilichtmuseen führte er verformungsgerechtes Bauaufmaß und materialhistorische Befundung ein, die Translozierungstechnik reformierte er, den Wiederaufbau im Museum richtete er nach den Grundsätzen des Verbands Europäischer Freilichtmuseen neu aus.

An der Universität Passau war er von 1989 bis 1999 Lehrbeauftragter für Sachvolkskunde und Museumskunde. Von 2012 bis 2018 war er Vorsitzender des Kulturbeirats der Stadt Passau, von 2001 bis 2019 Sprecher der ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen, von 2014 bis 2021 Präsident des Kunstvereins Passau e. V.

2020 wurde er in den Aufsichtsrat der Museum Moderner Kunst – Wörlen gemeinnützige GmbH, außerdem in den Stiftungsrat für die Stiftung Wörlen – Museum Moderner Kunst berufen.

Seit 2000 ist Martin Ortmeier für den Kunstverein Passau Herausgeber der Passauer Kunst Blätter. Für die Freilichtmuseen Finsterau und Massing hat er mehrere sachvolkskundliche Leitfäden zur wissenschaftlichen Inventarisierung herausgegeben.

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

Martin Ortmeier: Lesung aus dem Landstrich im Kubin-Haus, 2014
Kunstgeschichte
Sachvolkskunde
Museologie
Belletristik

Literatur

Commons: Martin Ortmeier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Cindy Drexl: Dr. Martin Ortmeier. Kunsthistoriker, Literat, Sammler und Museumsleiter. In: Schönere Heimat. Bewahren und gestalten, 2020, H. 1, S. 52, dazu Abb. S. 54; Martin Ortmeier, Fördermaßnahmen im Freilichtmuseum Finsterau 1984–2018. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns 60 (2018), S. 195; Martin Ortmeier, Vom Niederbayerischen Bauernhofmuseum Massing im Rottal zum Freilichtmuseum Massing – 50 Jahre Geschichte eines Heimatmuseums. In: Passauer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostbaierns 61 (2019), S. 285–287 und 291–292 – Zu Maßnahmen im Einzelnen: Zum „Lehnerhof“ (Translozierung 1991 bis 1995) siehe Niederbayern-Wiki: „Das (…) Anwesen wurde vor Ort in einem verformungsgerechten Handaufmaß, photographisch und materialanalytisch (Mörtel, Verbund, Umbauspuren, Farbfassungen usw.) dokumentiert und zerlegt. Befundreiche Mauerstücke (nördliche Fletzwand und Kommunwand Küche-Stube im Bereich der Feuerstellen) wurden gefestigt und als Ganzteile transloziert und wiederverbaut.“ Zum „Petzi-Hof“ (Translozierung 1984 bis 1989): „Die massive Rauchkuchel wurde im Ganzen geborgen und 1987 in Finsterau in das vorbereitete Erdgeschoss des Wohnhauses eingesetzt.“
  2. ↑ 2021 wurden Stiftung und Museumsbetrieb umstrukturiert, seitdem ist Martin Ortmeier Mitglied des Stiftungsvorstands.
  3. ↑ Die Vierteljahresschrift für Leseerziehung und Jugendliteratur des Österreichischen Buchklubs der Jugend heißt jetzt JUM – Jugend und Medien.
  4. ↑ In einem den belletristischen Text begleitenden Kasten verweist der Autor auf die anhaltende Tradition der Subventionierung landwirtschaftlicher Betriebe durch die nicht Grundbesitzenden. Dies erwirkte einen massiven Protest der bäuerlichen Abonnenten bei der Redaktion des Bistumsblattes: Passauer Bistumsblatt, Nr. 40, 5. Oktober 2003, und Nr. 42, 19. Oktober 2003.

Einzelnachweise

  1. ↑ Lichtung. Ostbayerisches Magazin 2017/1, S. 23 (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2026. Suche im Internet Archive)
  2. ↑ Martin Ortmeier: Das temperierte Zentraldepot im Freilichtmuseum Finsterau. In: Museum heute. Fakten – Tendenzen – Hilfen. München 1993, H. 5, S. 12–17
  3. ↑ ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen. In: RegioWiki Niederbayern, abgerufen am 28. Februar 2026.
  4. ↑ Passauer Kunst Blätter. In: RegioWiki Niederbayern, abgerufen am 8. Oktober 2021
  5. ↑ Alois Brunner: Ehrenpräsident des Kunstverein Passau. Laudatio auf Dr. Martin Ortmeier in der Sankt Anna-Kapelle. In: Passauer Kunst Blätter. Nr. 73, Januar 2024, S. 15 (PDF [abgerufen am 28. Februar 2026]).
Personendaten
NAME Ortmeier, Martin
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kunsthistoriker und Autor
GEBURTSDATUM 24. Juni 1955
GEBURTSORT Passau