Martin Polaschek

Martin Polaschek (2023)

Martin F. Polaschek (* 22. November 1965 in Bruck an der Mur) ist ein österreichischer Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker. Vom 6. Dezember 2021 bis zum 3. März 2025 war er parteifreier Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung für die ÖVP. Ab 2003 war er Vizerektor und von Oktober 2019 bis Dezember 2021 Rektor der Universität Graz. Im Jänner 2025 gab er bekannt, sich nach dem Ende seiner Amtszeit aus der Politik zurückzuziehen.

Leben

Martin Polaschek begann nach der Matura 1984 am BG und BRG Bruck an der Mur ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Graz, das er 1988 als Magister abschloss. 1992 promovierte er an der Uni Graz zum Doktor der Rechte, 2000 habilitierte er sich und wurde zum außerordentlichen Universitätsprofessor am Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz ernannt.

Ab 2003 war er Studiendirektor sowie Vizerektor für Studium und Lehre der Universität Graz. Er war Mitglied der Expertengruppe zur Zukunft der Lehrerbildung und Sprecher der österreichischen Vizerektoren für Lehre. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen der rechtlichen Zeitgeschichte sowie der Föderalismus- und Kommunalforschung.

Ab 2006 war er Präsident der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz; er gilt als Experte für Entnazifizierung.

Anfang 2019 wurde er vom Universitätsrat zum Rektor der Universität Graz gewählt. Er folgte in dieser Funktion mit Oktober 2019 Christa Neuper nach.

Im Rahmen der Regierungsumbildung im Dezember 2021 wurde Polaschek als parteifreier Nachfolger von Heinz Faßmann zum Minister für Bildung und Wissenschaft in der Bundesregierung Nehammer ernannt. Die Leitung der Universität Graz übernahm der bisherige Vizerektor Peter Riedler.

Im Mai 2024 wurden verpflichtende Kinderschutzkonzepte sowie ein Verhaltenskodex für alle am Schulleben beteiligten Personen vorgestellt.

Im Jänner 2025 gab Martin Polaschek bekannt, sich nach dem Ende seiner Amtszeit aus der Politik zurückzuziehen. Im März 2025 kehrte er an die Universität Graz zurück.

Kritik

Ein wesentlicher Kritikpunkt an Polascheks Ressortführung ist der durch Überstunden kaschierte Lehrermangel in Österreichs Schulen. Im August 2024 stellte sich heraus, dass es im Schuljahr 2023/24 an den Pflichtschulen mehr Personen mit Sondervertrag gegeben habe als im Schuljahr davor. Bis 2030 würde rund ein Drittel der ca. 125.000 Lehrerinnen und Lehrer pensioniert. Die Personalsituation sei je nach Bundesland und Schultyp sehr unterschiedlich, der Personalmangel kein neues Problem. Über den Höhepunkt der Pensionierungswelle herrscht Uneinigkeit. Polaschek habe wiederholt beteuert, dass sich die Situation durch vorgezogene Pensionierungen wegen der Coronapandemie und wegen des Fachkräftebedarfs in anderen Branchen unerwartet verschärft habe, ebenso würden steigende Teilzeitquoten den Personalbedarf erhöhen.

Trivia

Bis 2022 war Polaschek einer von sehr wenigen männlichen österreichischen Spitzenpolitikern mit Langhaarfrisur. Medial wurde mehrfach auf dieses Stilmerkmal hingewiesen.

Auszeichnungen

Publikationen

Monographien (sortiert nach Erscheinungsjahr):

Artikel:

Commons: Martin Polaschek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin Polaschek
  2. 1 2 3 Das Rektorat der Universität Graz: Vizerektor Polaschek (Memento vom 27. Juli 2019 im Internet Archive). Abgerufen am 8. Februar 2019.
  3. ↑ „Ich gelobe“: Nehammer ist neuer Bundeskanzler. In: krone.at. 6. Dezember 2021, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  4. 1 2 orf.at: Polaschek zum neuen Rektor der Uni Graz gekürt. Artikel vom 8. Februar 2019.
  5. ↑ Bildungsminister Martin Polaschek zieht sich aus Politik zurück. In: kurier.at. 9. Januar 2025, abgerufen am 9. Januar 2025.
  6. ↑ AHS Bruck an der Mur. In: ahsbruck.at. Abgerufen am 2. April 2022.
  7. ↑ Uni Graz: Das ist der neue Rektor! (Memento vom 9. Februar 2019 im Internet Archive). Artikel vom 8. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  8. ↑ Martin Polaschek - lange erprobter Vizerektor übernimmt an Uni Graz, Salzburger Nachrichten am 15. Februar 2019
  9. ↑ Neues Regierungsteam: ÖVP macht Nehammer zum Kanzler. In: orf.at. 3. Dezember 2021, abgerufen am 3. Dezember 2021.
  10. ↑ Nach Polaschek-Abgang: Peter Riedler: Das ist der neue Grazer Uni-Rektor. In: krone.at. 4. Dezember 2021, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  11. ↑ Polaschek widmet Schuljahr dem Gewaltschutz. NÖN.at BVZ.at, 21. Mai 2024, abgerufen am 23. Mai 2024.
  12. ↑ Caroline Schwarz: Ab Herbst sind Kinderschutzkonzepte an Schulen Pflicht. In: schule.at. 17. Mai 2024, abgerufen am 23. Mai 2024.
  13. ↑ Martin Polaschek zieht sich aus Politik zurück. In: kleinezeitung.at. 9. Januar 2025, abgerufen am 9. Januar 2025.
  14. ↑ Polaschek bilanziert Ministeramt. In: steiermark.orf.at. 10. März 2025, abgerufen am 10. März 2025.
  15. 1 2 Julia Neuhauser: Bildungsminister zum Lehrermangel: „Können alle Unterrichtsstunden halten“. In: diepresse.com. Die Presse, 23. August 2024, abgerufen am 25. August 2024.
  16. ↑ Lehrermangel: NEOS fordert Rekrutierungspaket. In: ORF.at. 24. August 2024, abgerufen am 25. August 2024.
  17. ↑ Clemens Neuhold: Lehrermangel: Die ersten Quereinsteiger schmeißen hin. In: profil. 5. Februar 2024, abgerufen am 25. August 2024.
  18. ↑ APA: Lehrermangel - Pensionierungswelle am Höhepunkt, Meldung vom 16. August 2023, abgerufen am 25. August 2024
  19. ↑ Neue Minister-Frisur: Martin Polascheks lange Haare sind ab. In: kurier.at. 27. April 2022, abgerufen am 2. August 2024.
  20. ↑ Preisträger der Forschungspreise des Landes Steiermark. Abgerufen am 8. Februar 2019.
  21. ↑ Ehrenzeichen-Regen für (fast) alle türkis-grünen Minister. In: kleinezeitung.at. 25. Februar 2025, abgerufen am 27. Februar 2025.