Martje Flohrs

Martje Flohrs’ Trinkspruch als Hausverzierung in Sankt Peter-Ording

Martje Flohrs, auch Martje Floris (* 21. April 1689 in Katharinenheerd auf der Halbinsel Eiderstedt; † 31. Januar 1747), war eine nordfriesische Bauerntochter, die zu einer Sagengestalt wurde.

Sage

Fritz Stoltenberg: Martje Flohr’s Wurt (1895), Zeichnung von der Bauernstelle auf einer Wurt in Katharinenheerd

Karl Viktor Müllenhoff führt die Geschichte nach einer mündlichen Überlieferung durch P. W. Cornils, einen Gardinger Ober- und Landgerichtsadvokaten, in seiner Sammlung schleswig-holsteinischer Sagen, Märchen und Lieder von 1845 auf. Der Erzählung nach hatte sich während der Belagerung von Tönning (1700) im Großen Nordischen Krieg eine Gruppe feindlicher Offiziere im nahe gelegenen Katharinenheerd auf einer Bauernstelle mit Schankwirtschaft einquartiert. Sie verhielten sich wie die Herren, ließen Speisen und Wein auftragen und zechten und lärmten ohne Hemmungen. Martje Floris, die zu der Zeit zehnjährige Tochter des Hauses, sah dem wilden Treiben traurig und voller Mitgefühl für ihre Eltern, die das alles hilflos erdulden mussten, zu. Als einer der Offiziere sie aufforderte, doch auch einmal einen Toast auf die Gesundheit auszubringen, zögerte Martje zunächst, erhob dann ein Glas und sprach mit ernstem Gesicht: It gah uns wol op unse ole Dage (Hochdeutsch: Es gehe uns wohl auf unsere alten Tage).

Damit endet die Sage bei Müllenhoff; in den späteren Wiedergaben waren die Offiziere nach Martjes Trinkspruch beschämt und verließen den Hof.

Brauchtum

Infolge der Begebenheit kennt und ehrt man auf Eiderstedt und über seine Grenzen hinaus bis heute Martje Flohrs und ihren Trinkspruch. Seltener gebräuchlich ist die vollständige Version Dat gah uns wohl op unse oolen Dage, häufiger werden die Verkürzungen Op Martje Flohrs Gesundheit oder Op Martje Flohrs gewählt. Im Jahre 2014 beging der Heimatbund Landschaft Eiderstedt Martje Flohrs’ 325. Geburtstag mit einem Vortrag von Richard-Flohrs Richardsen, einem Nachfahren in siebenter Generation.

Würdigungen

Rezeptionen in Kunst und Literatur

Relief an der Außenwand der Kirche St. Katharina in Katharinenheerd

Literatur

Commons: Martje Flohrs – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Heimatbund Landschaft Eiderstedt gut aufgestellt. Abgerufen am 28. September 2024.
  2. ↑ Land und Leute in Nordfriesland und an der Westküste. In: schimmelrieder.de. 2006, abgerufen am 26. September 2024.
  3. ↑ Karl Müllenhoff: Martje Floris. In: Sagen Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig Holstein und Lauenburg. Nachlese, DXXXIV (Nr. 534, bei Neuausgaben Erstes Buch, Nr. 132). Schwers’sche Buchhandlung, Kiel 1845, S. 540 (digitale-sammlungen.de).
  4. ↑ Nordfriesisches Lexikon: Begriffe und Persönlichkeiten. In: nordfriiskfutuur.eu. Abgerufen am 27. September 2024.
  5. ↑ Boßelverein Martje-Flohrs – Unterverband Eiderstedter Boßler. In: uv-eiderstedt.de. 2023, abgerufen am 26. September 2024.
  6. ↑ Das Martje-Flohrs-Haus Garding auf der offiziellen Webpräsenz des Unternehmensverbunds Stiftung Diakoniewerk Kropp, abgerufen am 13. November 2024.
  7. ↑ Martin Westphal: Erinnerungen an „Martje Flor“ – das legendäre Ausflugslokal am Rendsburger Kanalufer. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 26. August 2024 (Online mit Bezahlschranke, Hörversion zugänglich).
  8. ↑ Katharinenheerd. In: st-peter-ording.de. Abgerufen am 26. September 2024.
  9. ↑ Christian Carl Magnussen: Hängeschrank. In: museen-nord.de. Abgerufen am 26. September 2024.
  10. ↑ Theodor Storm: Eine Halligfahrt. In: storm-gesellschaft.de. Abgerufen am 26. September 2024.
  11. ↑ Adelbert Dreesen: Perlen aus Schleswigs Sagenschatz: Gedichte (digitalisiert). (PDF) In: kb.dk. Dänische Königliche Bibliothek, S. 112, abgerufen am 28. September 2024.
  12. 1 2 Martje Florist. In: Die Theodor-Storm-Gesellschaft. Theodor-Storm-Gesellschaft, abgerufen am 26. September 2024.
  13. ↑ Martje Flors Trinkspruch. In: liliencron.de. Abgerufen am 26. September 2024.
Personendaten
NAME Flohrs, Martje
ALTERNATIVNAMEN Floris, Martje
KURZBESCHREIBUNG nordfriesische Bauerntochter und Sagengestalt
GEBURTSDATUM 21. April 1689
GEBURTSORT Katharinenheerd
STERBEDATUM 31. Januar 1747