Maschinenwinter

Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift. ist ein Essay von Dietmar Dath aus dem Jahr 2008, in dem dieser erörtert, wie die durch Maschinen erhöhte Arbeitsproduktivität in einer demokratisch kontrollierten Planwirtschaft für die Gesellschaft genutzt werden kann.

Dath greift bei seiner locker vorgetragenen Argumentation hauptsächlich auf Darwins Theorie von der Entstehung der Arten und Marx’ Analyse der bürgerlichen Gesellschaft zurück, zieht aber u. a. auch Lenin, Marshall McLuhan, Michel Foucault und Murray Bookchin heran.

Zu seiner Intention schreibt Dath: „Ich möchte gern, daß, wer dies gelesen hat, sich entschiedener im Recht fühlt beim Fordern, Streiken, Konspirieren und Untergraben des unvernünftig Gegebenen.“

Argumentation

Wichtige Elemente seiner in 34 Kapiteln dargelegten Argumentation sind die folgenden:

Rezensionen

Christian Schlüter stimmt in der Frankfurter Rundschau vielen Feststellungen Daths zu, bemängelt aber die lange Hinführung, bis dieser „endlich zur Sache: [den] titelgebenden Maschinen“, komme, und kritisiert: „Nach seiner erkenntniskritischen Vorrede, deren Vorbehalte nur die Vakanz eines politischen Adressaten – der allerdings für eine Streitschrift wesentlich wäre – kunstvoll verschweigen, verharrt Dath bei fortschrittlich-aufgeklärten, aber längst handelsüblichen Plattitüden.“

Michael Hagner findet in der Süddeutschen Zeitung „manches an Daths Spekulationen [...] etwas verschwommen“, hält allerdings dessen Naturbegriff für „sehr bemerkenswert“, da dieser „eben nicht von einer sorgsamen ökologischen Pflege der lieben Natur ausgeht, sondern der Kälte, Absichtslosigkeit und Zufälligkeit der natürlichen Prozesse ins Auge blickt.“

Bibliographische Angaben

Dietmar Dath: Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2008, ISBN 978-3-518-26008-1.

Rezensionen

Fußnoten

  1. ↑ vgl. Dath 2008, S. 84
  2. ↑ „Wer Gerechtigkeit nicht als Deutscher oder als Linkshänderin fordert, sondern als Gattungswesen, das allseitigen Reichtum schaffen kann, aber aufgrund der Einrichtung der Gesellschaft davon ausgeschlossen ist, diese Fähigkeit in vollem Umfang zu verwirklichen und zu genießen, begibt sich in den Klassenkampf.“ (S. 27)
  3. ↑ „Dem Armen zu verweigern, daß er sich frei aussuchen darf, was er von seinem geldwerten Almosen kauft, kann man zwar despotisch, rassistisch oder kulturalistisch rechtfertigen [...], aber nicht mit der universalistischen Idee einer Menschenwürde vereinbaren [...] Essensgutscheine sind auf dem Stand der großen Industrie und jedem erweiterten Stand, der nach ihm kommen mag, so obszön wie Judensterne, Kastentrennung oder Brandzeichen auf Sklavenstirnen.“ (S. 39)
  4. ↑ „Der Mensch ist eine Erfindung, deren junges Datum die Archäologie unseres Denkens ganz offen zeigt. Vielleicht auch das baldige Ende. Wenn diese Dispositionen verschwänden, so wie sie erschienen sind, [...] dann kann man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“ (Foucault: Die Ordnung der Dinge, zitiert nach Dath, S. 64)
  5. ↑ „Wenn die Gattung so ist, wie ich sie beschreibe, hat jedes einzelne Exemplar derselben das unbedingte Recht, sein gattungserschaffendes und -überschreitendes Potential zu entfalten, soweit es eben kann. Das Interessanteste, was Menschen herstellen könnten, ist die Menschheit.“ (S. 72)
  6. ↑ „Wir werden einander ums Nötigste und Einfachste abschlachten; wir werden einander rauben, was wir gemeinsam [...] durch gleichberechtigte Bevölkerungspolitik vernünftig nutzen könnten.“ (S. 118)
  7. ↑ Christian Schlüter: Bloß kein Generve. Frankfurter Rundschau, 21. April 2008, abgerufen am 24. Januar 2023.
  8. ↑ Michael Hagner: Im Bann der Vielfalt: Die Edition Unseld vermisst unsere Wissenskultur. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Dezember 2008, S. 14.