Maurice Magendie

Maurice Magendie 1884-1944

Maurice Magendie (mit vollem Taufnamen: Maurice François Joseph Magendie; * 22. Februar 1884 in Béziers; † 29. Juni 1944 im Weiler Chambon-de-Bavas in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Durfort) war ein französischer Romanist und Literaturwissenschaftler.

Leben

Maurice Magendie war der Sohn von Pierre Magendie, Schulleiter in Foix, und seiner Ehefrau Hortense. Er wuchs in Foix auf und, nach dem Umzug der Familie, in Chartres. Nach dem Abschluss des Gymnasiums studierte er Geisteswissenschaften an der Sorbonne und unterrichtete anschließend an einem Gymnasium in Toulon. Wegen seiner Sehschwäche wurde er im Ersten Weltkrieg nicht an der Front eingesetzt und schließlich als „für den Militärdienst untauglich“ entlassen. Er kehrte nach Toulon zurück, nahm seine Tätigkeit als Lehrer wieder auf und schrieb nebenher zwei Dissertationen zur französischen Literatur- und Kulturgeschichte, mit denen er von der Sorbonne zum Dr. phil. promoviert und habilitiert wurde:

Zudem veröffentlichte Magendie mehrere Bücher über den Schäferroman L’Astrée von Honoré d’Urfé. Ab 1932 war er Gymnasiallehrer in Paris.

1936 wurde Magendie Privatdozent an der Philosophischen Fakultät der Universität Straßburg. Zum 1. Januar 1937 berief sie ihn zum Professor. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Universität Straßburg nach Clermont-Ferrand evakuiert. Nachdem das Elsass als CdZ-Gebiet der „reichsdeutschen Zivilverwaltung“ unterstellt worden war (was viele Elsässer wie eine Annexion durch das Deutsche Reich empfanden) und die Université de Strasbourg 1941 durch die Reichsuniversität Straßburg ersetzt wurde, verließen Maurice Magendie und seine Ehefrau Marguerite, geb. Chazal, Straßburg. Sie fanden Unterkunft im Weiler Chambon-de-Bavas in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Durfort.

Ende Juni 1944 erhielten deutsche Besatzungstruppen die Nachricht, dass sich eine Gruppe von Maquisards in die Wälder am Col du Moulin à Vent, 5 km südwestlich von Chambon-de-Bavas zurückgezogen hatte: Soldaten der Wlassow-Armee, die die Wehrmacht zur Partisanenbekämpfung einsetzte, durchsuchten das Umland. Magendie, der fließend Deutsch sprach, ging ihnen entgegen, um die Soldaten zu bitten, die Bürger von Chambon-de-Bavas zu verschonen. Er nahm eine Aktentasche mit Geld und Schmuck mit. Weil er nicht zurückkehrte, suchte ihn seine Frau, nachdem die Soldaten weitergezogen waren. Sie fand ihn durch Folter schwer verletzt. Er starb kurz darauf.

Ehrungen

Schriften

Literatur

Fußnoten

  1. ↑ Die Gedenkschrift De l’université aux camps de concentration. Témoignages strasbourgeois der Faculté des Lettres de l’Université de Strasbourg aus dem Jahr 1947 gibt, offenbar irrtümlich, den 22. Juni 1944 als Todestag an, ebenso in den drei folgenden Auflagen, siehe etwa die 2. Auflage von 1954, S. 545, und deren Nachdrucke 1996 und 2013.
  2. 1 2 3 4 Magendie Maurice, François, Joseph, abgerufen am 7. Mai 2026.
  3. ↑ Reinhard Krüger, Beatrice Nickel: Schäferei, Computer, Internet. Digital Humanities und frühneuzeitliche Pastoralliteratur. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen / Bonn University Press, Bonn 2016, ISBN 978-3-8471-0626-5, S. 87.
  4. ↑ De l’université aux camps de concentration. Témoignages strasbourgeois. Publications de la Faculté des Lettres de l’Université de Strasbourg. Les Belles Lettres, Paris 1947; 2. Aufl. 1954, S. 545.
  5. ↑ Adolphe Demontès: L’Ardèche martyre. Crimes commis par les Allemands ou leurs serviteurs en violation du droit international public, les années sanglantes de 1942 à 1944. Mazel, Largentière 1946, darin das Kapitel: L’Affaire Magendie, S. 76–77, hier S. 77.
  6. ↑ « LES 197 ». Liste des écrivains morts à la guerre ou en déportation (1939–1945) dont les noms sont gravés au Panthéon, S. 6, abgerufen am 7. Mai 2026.
  7. ↑ Université de Strasbourg – plaque commémorative, abgerufen am 7. Mai 2026.
Personendaten
NAME Magendie, Maurice
KURZBESCHREIBUNG französischer Romanist und Literaturwissenschaftler
GEBURTSDATUM 22. Februar 1884
GEBURTSORT Béziers
STERBEDATUM 29. Juni 1944
STERBEORT Saint-Vincent-de-Durfort