Als Medientheorie werden spezifische oder generalisierte Forschungsansätze verstanden, die das Wesen und die Wirkungsweise von Medien zu erklären versuchen. Dabei werden häufig Rückbezüge auf die Kommunikations- und die Informationstheorie genommen. Medientheoretische Fragestellungen betreffen unter anderem die technischen Eigenschaften von Medien, ihre Rolle in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen sowie ihre kulturellen und ästhetischen Funktionen.
Die Medientheorie ist neben der Medienanalyse und der Mediengeschichte eines der drei zentralen Arbeitsfelder der Medienwissenschaft. Sie steht zugleich in engem Austausch mit anderen Disziplinen, etwa der Kommunikationswissenschaft, der Soziologie, der Philosophie und den Kulturwissenschaften.
Eine einheitliche Medientheorie existiert nicht. Bislang ist es nicht gelungen, eine allgemein akzeptierte Definition von "Medium" bzw. "Medien" mit einer systematischen Kategorisierung unterschiedlicher Medientypen in Einklang zu bringen. Zudem gehen verschiedene wissenschaftliche Disziplinen unterschiedlich an das Thema heran. So können einige medientheoretische Ansätze eher als Philosophien der Medien (Medienphilosophie) betrachtet werden, andere sind soziologisch oder kommunikationswissenschaftlich geprägt. Geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Medienwissenschaft verfolgen zudem unterschiedliche Erkenntnisinteressen.
In der medienphilosophisch orientierten Medienkritik verbindet sich Medientheorie mit der Analyse möglicher gesellschaftlicher Folgen moderner Medien. In diesem Zusammenhang wurden unterschiedliche kritische Positionen entwickelt, etwa neurophysiologisch argumentierende Medienkritik, wie sie etwa von Manfred Spitzer vertreten wird, oder kulturkritische Ansätze, wie sie unter anderem von Neil Postmans und Giovanni Sartoris formuliert wurden.
Einen weiteren medientheoretischen Ansatz entwickelt Stavros Arabatzis mit seiner sogenannten "Medienpharmakologie". In Anlehnung an Jacques Derrida und dessen Interpretation von Platons "Pharmakon"-Begriff werden Medien dabei als ambivalente kulturelle Wirkfaktoren verstanden, die sowohl produktive als auch problematische gesellschaftliche Wirkungen entfalten können.
Mit der Digitalisierung und der Verbreitung internetbasierter Plattformen haben sich auch die Gegenstände medientheoretischer Forschung erweitert. Neben klassischen Massenmedien wie Film, Rundfunk oder Presse rücken digitale Plattformen, soziale Medien und hybride audiovisuelle Formate in den Fokus der Forschung.
Es existieren verschiedene Ansätze zur Systematisierung vorhandener Medientheorien.
Stavros Arabatzis unterscheidet in verschiedenen Arbeiten mehrere Kategorien von Medientheorien. In seiner Systematik werden unter anderem folgende Perspektiven unterschieden:
Arabatzis versteht diese Kategorien als unterschiedliche Perspektiven auf Medien und ihre gesellschaftlichen, kulturellen und philosophischen Bedeutungen. Die Einordnungen sind dabei nicht statisch, sondern berücksichtigen die Dynamik medientheoretischer Reflexionen.
Werner Faulstich unterscheidet beispielsweise vier Kategorien von Medientheorien:
Bei einem objektorientierten Ordnungsprinzip werden ebenfalls vier Gruppen von Einzelmedien unterschieden (nach Harry Pross):
Manfred Faßler erweitert dieses Modell in seinem Buch „Was ist Kommunikation?“ (1997) um
Folgende Ansätze lassen sich in einem Phasenmodell nach Rainer Leschke (2001) als Ordnungsmodelle unterscheiden:
Ansätze der primären Intermedialität beschäftigen sich vor allem mit dem Verhältnis unterschiedlicher Medien zueinander (Medienvergleich); diese Ansätze entstehen meist, wenn eine neue Medientechnik entwickelt wird oder wenn ein Funktionswandel eintritt, beispielsweise beim Übergang zu den Massenmedien. Sie sind vortheoretisch und beschränken sich auf Einzelaussagen über ihre Untersuchungsgegenstände.
Beispiele:
Wenn sich ein neues Medium etabliert hat, setzt eine an der Praxis orientierte Reflexion ein; dabei werden schwerpunktmäßig nicht mehr Vergleiche mit anderen Medien angestellt, es tritt dagegen das betrachtete Einzelmedium und dessen spezifische Eigenschaften in den Mittelpunkt, beispielsweise die Montage bei Sergej Eisenstein. Diese medientheoretischen Ansätze der rationalisierten Praxis erheben nicht den Anspruch einer vollständigen Theorie des Mediums – sie sind ebenfalls vortheoretisch – und versuchen, relevante Teilbereiche zu systematisieren.
Einzelmedienontologien versuchen, das Wesen eines neuen Mediums, das sich bereits etabliert hat, zu bestimmen. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen gehen sie dabei methodisch und systematisch vor; sie beschäftigen sich nicht mehr nur mit Details des Mediencharakters, sondern streben Allgemeingültigkeit in Bezug auf das Einzelmedium an. Einzelmedienontologien sind nur eingeschränkt auf andere Medien übertragbar.
Generelle beziehungsweise generalisierende Medientheorien werden entwickelt, um mehrere Medien theoretisch zu erfassen; sie werden in der Regel unter Rückgriff auf die Modelle und Methoden anderer Wissenschaftsdisziplinen wie der Kultur- oder Sozialwissenschaften entworfen. Sie ersetzen die Einzelmedienontologien nicht, sondern ergänzen diese.
Generelle beziehungsweise generalisierende Medienontologien versuchen, über die Aussagen der generellen (beziehungsweise generalisierenden) Medientheorien hinauszugehen und allgemeingültige Aussagen über das Wesen und die Struktur von Medien an sich zu machen und eine Universaltheorie zu schaffen; mit diesem Allgemeinheitsanspruch schließen sie eine Koexistenz mit der generellen Medientheorie aus, sie sind inkompatibel zueinander. Außerdem lösen sich generelle Medienontologien von benachbarten Wissenschaftsdisziplinen und stellen eigenständige medientheoretische Paradigmen auf.
Die Ansätze der sekundären Intermedialität versuchen, Intermedialität zu verallgemeinern und eine generelle Medientheorie zu schaffen; sie bestimmen das Wesen von Medien aus der gegenseitigen Beeinflussung der Medien zueinander. Sie bilden somit eine spezielle Variante der generellen Medienontologie.
Liebrand/Schneider/Bohnenkamp/Frahm suchen nicht nach einem einheitlichen Medienbegriff, weil dieser ihrer Meinung nach überflüssig und aus kulturwissenschaftlicher Perspektive zu vermeiden ist. Sie untersuchen vielmehr, wann und unter welchen Bedingungen etwas zu einem Medium wird. Von daher unterscheiden sie in ihrer Einführung vier Perspektiven der Medientheorie, die mit vier Kernbegriffen zusammenhängen: