Meroe

Archäologische Stätten der Insel Meroe
UNESCO-Welterbe

Pyramiden von Meroe
Vertragsstaat(en): Sudan Sudan
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iii, iv, v
Fläche: 2.357 ha
Referenz-Nr.: 1336
UNESCO-Region: Arabische Staaten
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2011  (Sitzung 35)

Meroe (Aussprache [meˈroːə]; altgriechisch Μερόη (f. sg.); demotisch: Mrwe; in ägyptischen Hieroglyphen: Mrw und auch Brw; meroitisch: Medewi; koptisch Ⲡⲉⲣⲟⲩⲉ; Alternativschreibung Meroë) war ungefähr von 400 v. Chr. bis 300 n. Chr. die Hauptstadt des historischen Reiches von Kusch. Deshalb wird die Phase mit Meroe als Hauptstadt auch als das Königreich von Meroe bezeichnet. Das Reich erstreckte sich von der großen Nilkrümmung in Nubien bis an den Fuß der abessinischen Berge und wurde um 350 n. Chr. zerstört. Die Ruinen von Meroe wurden 1772 von dem schottischen Geographen und Botaniker James Bruce entdeckt.

Die Tempelreste und drei Pyramidengruppen von Meroe liegen 45 Kilometer nordöstlich von Schandi nahe dem Dorf Begrawija im Sudan. Die ausgedehnten, riesigen Schlackenhalden und zahlreichen Schmelzöfen bezeugen, dass die kuschitische Stadt Meroe in der Antike der Standort einer bedeutenden Eisen verhüttenden Industrie gewesen ist. Die archäologischen Stätten wurden 2011 auf Vorschlag des Sudan in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Aufbau der Stadt

Meroe und seine Friedhöfe

Die Stadt besteht aus drei Teilen:

  1. der königlichen Stadt, die von einer Mauer umgeben war und in der sich wohl Paläste, aber auch andere wichtige Gebäude befanden,
  2. dem Tempelkomplex des Amun und
  3. der Wohnstadt der normalen Bevölkerung, die eher lose um die königliche Stadt und um den Tempelkomplex orientiert ist.

Römisches Bad

In der königlichen Stadt fanden sich die Paläste und Verwaltungsgebäude der Stadt. Besonders hervorzuheben ist das sogenannte römische Bad. Hier wurde eine Therme im Stil des Mittelmeerraumes erbaut. Das Bad war mit Skulpturen im klassischen Stil und Wandmalereien, auch in einem klassischen Stil, dekoriert.

Tempelkomplex des Amun

Der große Amuntempel ist vom Nil weg orientiert und schaut eher auf die aufgehende Sonne. Um diesen Tempel herum finden sich diverse kleinere Tempel gruppiert. In knapp vier Kilometer Entfernung finden sich im Osten der Wohn- und Tempelstadt die Nekropolen mit zahlreichen Pyramiden.

Der ‹Sonnentempel› (Plan)

Sonnentempel

Auf halbem Weg zwischen Wohnstadt und den Pyramiden befindet sich der Sonnentempel (M 250). Dieser Bau bestand aus einem inneren Tempel, um den Säulen herum angeordnet waren. Diese Anlage war wiederum von einer Mauer umgeben. Auf einem Relief im Tempel fand sich ein Bild dieser Anlage, so dass man sie recht gut rekonstruieren kann.

Der Tempel 292 wird auch als Augustustempel bezeichnet. Hier fand sich ein Bronzekopf des Kaisers Augustus, bei dem vermutet wird, dass es sich um ein Beutestück im Kampf gegen die Römer handelt. In dem Tempel fanden sich Malereien, die heute nur noch in Kopien erhalten sind.

Nekropolen

  1. Nordfriedhof (1,4 km östlich des Khartum-Atbara-Highways)
  2. Südfriedhof (1,6 km östlich des Khartum-Atbara-Highways)
  3. Westfriedhof (0,6 km westlich des Khartum-Atbara-Highways)

Geschichte

Meroe in Hieroglyphen
bAZ1rwniwt
t

in Ägyptischen Hieroglyphen
in einer Inschrift von Arikamaninote
Das Wort Mdewi (Medewi/Meroe) auf der Stele der Amanirenas aus Hamadab

Die Anfänge der Stadt liegen im Dunkeln. Bei Tiefgrabungen fanden sich einfache Hütten. Aus späterer Zeit stammen Objekte mit den Namen der napatanischen Könige Aspelta und Senkamanisken, die andeuten, dass die Stadt schon früh von einiger Bedeutung war. In dieser Zeit wurden auf den Friedhöfen auch schon hochrangige Mitglieder der Königsfamilie, zum Beispiel die Königin Mernua, begraben.

Von Arikamaninote, unter dem die Stadt zuerst textlich belegt ist, wissen wir, dass der König in Meroe residierte und nur zur Krönung nach Napata reiste und dort auch begraben wurde. Seit Ergamenes wurden die Könige auch in Meroe begraben und errichteten hier ihre Pyramiden. In der meroitischen Periode wurden über 40 Königinnen und Könige in Meroe beerdigt. Bis an den Beginn des 4. nachchristlichen Jahrhunderts blieb Meroe Hauptstadt des Reiches.

Das Ende der Stadt ist nicht genau bekannt. Während die frühere Forschung davon ausging, dass die Stadt mit dem Reich von Kusch unterging, so gibt es heute Anzeichen, dass sie noch einige Zeit weiterbestand und eventuell der Sitz eines Kleinkönigtums war. Im 4. Jahrhundert wurde die Stadt auch von den Aksumiten erobert, doch richteten diese wohl keine längere Herrschaft ein.

Galerie

Rezeption

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Meroe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Meroe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ↑ James Bruce of Kinnaird: Travels to discover the source of the Nile, in the years 1768–1773. Band I. Robinson & Robinson, Edinburgh / London 1790, S. 376–380 (Digitalisat).
  2. ↑ Steffen Wenig: Artikel Meroe (Stadt). In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto; Wolfhart Westendorf: Lexikon der Ägyptologie. Band IV: Megiddo–Pyramiden. Harrassowitz, Wiesbaden 1982, ISBN 3-447-02262-0, Spalten 96–98 (Digitalisat).
  3. ↑ Meroë, Königliche Bäder. Deutsches Archäologisches Institut, archiviert vom Original am 23. Februar 2014; abgerufen am 20. Februar 2016.
  4. ↑ Computerrekonstruktion des Tempels Auf: learningsites.com.
  5. ↑ P. L. Shinie, R. J. Bradley: The Murals from the Augustus Temple, Meroe. In: William Kelly Simpson, Whitney M. Davis (Hrsg.): Studies in Ancient Egypt, The Aegean, and the Sudan. Essays in honor of Dows Dunham on the occasion of his 90th birthday, June 1, 1980. Department of Egyptian and Ancient Near Eastern Art – Museum of Fine Arts, Boston 1981, ISBN 0-87846-197-3, S. 167–172.

Koordinaten: 16° 56′ 11″ N, 33° 42′ 39″ O