| Mestdagh SA | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (Belgien) |
| Auflösung | 2024 |
| Auflösungsgrund | Verkauf an Intermarché |
| Sitz | Gosselies, |
| Mitarbeiterzahl | 1.644 |
| Umsatz | 556,284 Millionen EUR |
| Branche | Lebensmitteleinzelhandel |
| Stand: 31. Dezember 2022 | |
Mestdagh SA, auch als Groupe Mestdagh bekannt, war ein belgisches Handelsunternehmen, das im Lebensmitteleinzelhandel tätig war. Anfangs mit eigenen Filialen vertreten, wurde es später Franchisenehmer von Promodès und Carrefour, ehe das Unternehmen vollständig von Intermarché übernommen wurde.

Die Ursprünge des Unternehmens lagen im Jahr 1900, als der Unternehmensgründer Germain Mestdagh Brügge verließ und ein Fischverarbeitungsgeschäft in Châtelineau übernommen hatte. Als gelernter Gärtner konnte er zusätzlich auf einem selbst gegründeten Morgenmarkt Obst und Gemüse verkaufen, der nach einiger Zeit nach Charleroi umzog. Sein Sohn Henri Mestdagh Sr gründete 1936 eine Kaffeerösterei, gemeinsam mit Henris Bruder Germain Sr. entstand die Mestdagh Freres SPRL, die 1941 in eine SA umgewandelt wurde. Inzwischen war diese Gesellschaft in Jumet ansässig. 1955 schlossen sich dem Unternehmen ein Netzwerk aus Händler und rund fünfzig kleinere Filialen Mestdagh an. Es wurden ein Umsatz von 116,818 Millionen belgischen Franken erwirtschaftet und 163 Mitarbeiter beschäftigt. Im selben Jahr wurde das Lager nach Couillet verlegt.
Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, eröffnete 1957 in Gilly der erste Selbstbedienungsladen des Unternehmens. 1961 bzw. 1962 stieg mit Henry Mestdagh und Germain Mestdagh Junior die dritte Generation der Familie in das Unternehmen ein. Ebenfalls 1962 konnte in Mont-sur-Marchienne der erste Supermarkt unter dem Namen Super M eröffnet werden. Der Umsatz des Unternehmens wuchs auf 260 Millionen belgische Franken, die Belegschaft auf 435 Mitarbeiter. Mit Jacques Mestdagh stieg 1967 ein weiteres Familienmitglied der dritten Generation in das Unternehmen ein. Im September 1971 zog Mestdagh nach Gosselies. Der Umsatz konnte inzwischen die Milliardenmarke knacken und betrug im selben Jahr 1,750 Milliarden belgische Franken. Es wurden 842 Mitarbeiter beschäftigt. Vier Jahre später wurde das Lager reorganisiert und seine Kapazität auf 4950 m² verdoppelt. Ein wichtiger Schritt erfolgte 1979, als alle kleineren, traditionellen Filialen aufgegeben und geschlossen wurden. Die Anzahl der Supermärkte belief sich auf 34, während der Umsatz bei 5,490 Milliarden belgische Franken lag. Die Belegschaft war auf 1.565 Menschen gewachsen.
1981 konnten Erweiterungen der Vertriebszentren in Gosselies fertiggestellt werden. Der Umsatz belief sich auf rund 6,670 Milliarden belgische Franken, während 35 Supermärkte zum Unternehmen gehörten und 1.657 Mitarbeiter beschäftigt wurden. In den Folgejahren nahm der Umsatz, die Anzahl der Filialen und auch die Größe der Belegschaft stetig zu. So waren 1986 1.899 Menschen bei Mestdagh beschäftigt, während bis 1991 der Umsatz auf 11,4 Milliarden belgische Franken und das Filialnetz auf 45 Standorte wuchs. Am 16. Oktober 1991 eröffnete man in Tienen erstmalig eine Filiale in Flandern. Die 1993 ausgesprochene Idee von Pierre Battard, damaliger Geschäftsführer von Battard, seine Handelskette mit Mestdagh zu fusionieren, stieß bei Mestdagh selbst auf Ablehnung. Im selben Jahr begann Mestdagh mit dem Aufbau eines Franchisenetzwerks. So wurden Filialen von Franchisern in De Spy, Flawinne und Fosses-la-Ville neueröffnet und die bestehende Märkte in Courcelles, Dampremy, Morlanwelz, Saint-Vaast und Tamines an Franchiser abgegeben. Bereits 1994 bestanden elf Franchisefilialen, darunter in Landen auch die erste in Flandern. Der in Wavre befindliche Super M-Markt wurde umgebaut und im September 1994 als Mestdagh+ wiederöffnet. Der Marktanteil im selben Jahr belief sich auf 4,9 %, während die Gesamtverkaufsfläche 59.466 m² umfasste.
Im Juni 1995 erfolgte über die Logistiktochter Logidis der Einstieg des französischen Handelsunternehmen Promodès, das u. a. die Supermarktkette Champion betrieb. Zeitgleich beteiligte sich der Konzern mit 25 % am Kapital von Mestdagh. Die in Wavre befindliche Filiale wurde im Rahmen der Partnerschaft fortan zum Pilotmarkt für die Erprobung eines erweiterten Non-Food-Sortiment sowie die Einführung französischer Produkte. Nachdem man im April 1996 noch die Eröffnung von einem neuen Super M-Markt in Antwerpen-Merksem und damit die Erhöhung der Filialen in Flandern auf fünf feierte, begann man ab September 1996 mit der Umflaggung auf Champion. Als erste eröffneten am 3. September 1996 die Märkte in Jemeppe-sur-Sambre und Wavre als Champion, am 24. September 1996 folgte in Ghlin die erste Franchisefiliale. Zum 5. November 1996 wurden ehemalige Super M-Filialen in Braine-le-Comte, Jambes und Nivelles als Champion wiedereröffnet. In den folgenden Jahren wurden weitere Märkte auf Champion umgeflaggt, aber auch neue Märkte unter der Marke eröffnet. So wechselte ein Franchiser von AD Delhaize in Auvelais zu Mestdagh und eröffnete den Markt als Champion im Januar 1999 neu. Gleichermaßen verfuhr man im Hamne-Mille, wo im September 1999 eine neue Champion-Filiale eröffnet werden konnte. Auch im November 1999 konnte eine neue Franchisefiliale, dieses Mal in Sint-Truiden, eröffnet werden. Ab dem 2. Februar 1998 wurde auf Kartenzahlung bei Mestdagh keine Gebühr mehr erhoben, zuvor waren es pro Transaktion 5 belgische Franken. Der Marktanteil Mestdaghs belief sich 1998 auf 2,9 %. Durch die Beteiligung von Promodès am Konkurrent GB kam es im Februar 1999 zur Gründung der Einkaufsgemeinschaft Cabbac, der GB und Mestdagh angehörten. Mestdagh gehörte zuvor seit mindestens 1977 der Groupement Bloc an. Für 1999 konnte ein Umsatz von 15,862 Milliarden belgischen Franken gemeldet werden, bei einem Gewinn von 115 Millionen belgischen Franken.
Am 30. August 1999 wurde der Zusammenschluss von Carrefour und Promodès bekanntgegeben. Die Kartellbehörden genehmigten die Fusion am 25. Januar 2000. Im März 2000 bestanden 59 Filialen, davon waren 40 Champion- und die restlichen 19 Super M-Filialen. Von den 59 Standorten wurden 21 von Franchisern betrieben. Die Fläche einer Filiale lag zwischen 1.000 und 3.500 m². Während im Juni 2000 bereits in Andenne eine Filiale neueröffnete, konnte mit der Neueröffnung in Cerfontaine im Oktober 2000 die 60. Filiale gefeiert. 2002 zog sich Henry Mestdagh aus dem Unternehmen zurück und übergab die Leitung des Unternehmens an seine Söhne Eric und John Mestdagh (die 4. Generation der Familie), während sich sein Neffe Carl um die Immobilien kümmerte. Um seine Ergebnisse zu verbessern, begann Carrefour im Februar 2010 mit einer Umstrukturierung. So wurde u. a. die Rentabilität von Standorten geprüft und unrentable Standorte an Partner abgegeben oder geschlossen. Am 20. April 2010 Filialen stellte Mestdagh seine Pläne für die Übernahme von 19 Carrefour-Standorten vor, darunter drei SB-Warenhäuser. Ende Mai 2010 konnte mit den Gewerkschaften eine Einigung erzielt werden, die allerdings nur die 16 Supermärkte (zwölf GB- und vier Carrefour Market-Standorte) betraf, die drei SB-Warenhäuser verblieben bei Carrefour. Zum damaligen Zeitpunkt konnte man einen Umsatz von 435 Millionen Euro und einen Gewinn von 9 Millionen Euro vermelden. Man betrieb damals 69 Filialen, wobei sich 65 in Wallonien befanden. Es wurden 1.797 Mitarbeiter beschäftigt. Am 2. Juli 2010 wurden öffentlich, dass die Übernahme der 16 Carrefour-Märkte bis Ende 2010 erfolgen sollten. Gleichzeitig gab man die Aufgabe der Marke Champion zugunsten Carrefour-Vertriebslinien bekannt. Die Umflaggung sollte bis Ende 2013 abgeschlossen sein. 2010 hatte man einen Marktanteil von 3,6 % (gegenüber 2,6 % im Vorjahr). Mit den GB-Filialen in Jette und Bouge begann im Dezember 2011 die Umflaggung auf Carrefour. Offizieller Start der Umflaggung war im Januar 2012. Die ersten Filialen als Carrefour konnten im Juni 2012 eröffnet werden. Im Dezember 2012 gab man den Ausbau der Lagerkapazitäten im Lager in Gosselies von 32.000 m² auf 48.000 m² bekannt. Der Ausbau erfolgte, um die Belieferung der übernommenen Filialen gewährleisten zu können, die bis zum Abschluss der Erweiterungsarbeiten vom zentralen Carrefour-Lager erfolgte. Vor allem 2013 wurden die Franchise-Märkte auf Carrefour umgeflaggt. Die Umflaggung von Champion auf Carrefour Market konnte zum 17. September 2013 abgeschlossen werden. Zeitgleich ging eine neue Unternehmenswebsite online. Für 2015 wurde ein Nettoverlust von 5,4 Millionen Euro verzeichnet. Dieser konnte 2016 auf 3,3 Millionen Euro reduziert werden. Der Umsatz für 2016 lag bei 575,6 Millionen Euro. Das Filialnetz umfasste im März 2017 insgesamt 83, überwiegend in Wallonien befindlich. Einzelne Filialen befanden sich in Brüssel, drei (Aarschot, Sint-Truiden und Tienen) in Flandern. Von den 83 Standorten wurden 31 von Franchisern betrieben. Auch das Geschäftsjahr 2017 wurde, trotz eines Umsatzes von 700 Millionen Euro, mit einem Verlust beendet. Die Brüder Eric und John Mestdagh schieden Ende Februar 2018 aus dem operativen Tagesgeschäft aus, die Geschäftsführung zum 1. März 2018 übernahm Guillaume Beuscart. Die Brüder waren jedoch weiterhin Teil des Vorstands.
Um wieder Gewinne zu erzielen, wurde am 7. Mai 2018 auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das neben dem freiwilligen Abbau von 450 Stellen auch die Abschaffung der bezahlten Kaffeepause, Sonntagsöffnung aller Filialen sowie der flexiblere Einsatz der Mitarbeiter umfasste. Im Gegenzug wurde von Filialschließungen abgesehen. Nach der Bekanntgabe kam es zu Streiks in Filialen sowie im Logistikzentrum und der Hauptverwaltung. 20 Filialen der 53 Regiemärkte waren teils tagelang geschlossen. Anfang Juni 2018 kam es zu einer Anpassung des Maßnahmenpakets, das nun den Abbau von nur 340 Stellen vorsah, jedoch zeitgleich die Reduzierung der Arbeitszeit in den Filialen um 30 %. In Folge dessen kam es in vier Filialen wieder zu Streiks. Am 27. Juni 2018 wurde erneut gestreikt, mindestens 26 der 52 Regiemärkte blieben geschlossen. Hintergrund war erneut der geplante Abbau von Stellen, geplant waren zu diesem Zeitpunkt weiterhin 340 Stellen weniger. Die Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaften waren folgend ins Stocken geraten. So kam es ab dem 16. Oktober 2018 zu erneuten Streiks, dieses Mal waren fast alle Standorte des Unternehmens betroffen. Ein Schlichtungsgespräch fand am 22. Oktober 2018 statt, es kam allerdings vorerst nicht zu einer Einigung. Es waren weitere Streiks angekündigt. Wenige Tage später, am 26. Oktober 2018, konnte eine Einigung verkündet werden. Der Stellenabbau von 340 Stellen sollte vor allem durch Vorruhestände und freiwilligen Abgängen kompensiert werden. Die Regiemärkte waren ab dem 6. Januar 2019 auch sonntags geöffnet. Hinzu kam die Investition von 21,2 Millionen Euro in die Modernisierung der Filialen. Weitere 8,8 Millionen Euro wurde in die Erneuerung der Technologie, u. a. das unternehmweite Ausrollen von ESL-Etiketten (ab 2019 in allen Filialen) und der Einbau von SB-Kassen. Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass das Unternehmen seit sechs Jahren keinen Gewinn erwirtschaften konnte. Da die Umsetzung des erarbeiteten Sozialplans andauerte und für Unmut sorgte, kam es im Oktober 2019 zu einem erneuten Streik, dieses Mal vor dem Lager. Beuscart schied im Januar 2020 als Geschäftsführer aus. Bis Anfang März 2020, als Fabienne Bryskère zur neuen Geschäftsführerin wurde, übernahm der CFO des Unternehmens, Emmanuel Coria, die Geschäftsführung.

In der Corona-Pandemie ergriff auch die Groupe Mestdagh Maßnahmen, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen und installierte im März 2020 z. B. Plexiglasscheiben in der Kassenzone und begrenzte die Nutzung des Kassenbands auf einen Kunden. Ende Juli 2020 wurde die Verlängerung des Master-Franchisevertrages zwischen Carrefour und Mestdagh verkündet. Zusätzlich wurde bekannt, dass Mestdagh zukünftig auch Carrefour Express-Convenience-Stores sowie Biomärkte führen durfte. Der neue Vertrag galt ab dem 1. Januar 2021. Für eine Entlohnung der durch die Corona-Pandemie entstandene Mehrarbeit traten Mitarbeiter aus fünf Filialen im Oktober 2020 in Streik. Auch das Lager wurde blockiert. Als Entlastung wurde seitens des Unternehmens eine Erhöhung des Mitarbeiterrabattes auf Einkäufe von 5 % auf 10 % sowie eine zusätzliche 15-minütige Pause vorgeschlagen. Ein weiterer Streik folgte am 25. Februar 2021, als 42 der 49 Regiemärkte geschlossen waren. Zum damaligen Zeitpunkt liefen Vertragsverhandlungen zwischen Gewerkschaften und dem Unternehmen. Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens wurde ein branchenübergreifender Bonus während der Pandemie nur anteilig ausgezahlt. Während Mitarbeiter von Mitbewerbern 500 Euro erhielten, belief sich der Bonus bei Mestdagh im November 2021 auf lediglich 200 Euro. Die hohe Anzahl von befristeten Beschäftigungen und die hohe Arbeitsbelastung war Anlass für einen weiteren Streik in 42 der 51 Regiemärkten Mitte November 2021. Am 29. Dezember 2021 wurde die Beendigung des Master-Franchisevertrages mit Carrefour zum Jahresende 2022 bekannt gegeben. Zeitgleich war Bryskère als Geschäftsführerin zurückgetreten, ihre Position übernahm erneut Coria.
Im März 2022 wurde der Verkauf von Mestdagh an Les Mousquetaires publik. Mestdagh betrieb zum damaligen Zeitpunkt 86 Filialen, vor allem in Wallonien. Ende Juni 2022 begann eine Prüfung der geplante Übernahme durch die belgischen Wettbewerbsbehörden. Die Freigabe erfolgte am 10. November 2022. Kurze Zeit nach der Freigabe traten die Mitarbeiter aus Angst um ihre berufliche Zukunft in einen Streik, der bis zum 1. Dezember 2022 dauern sollte. Gespräche mit der Geschäftsführung waren für gescheitert erklärt worden, seitens Intermarché habe man sich nicht äußern wollen. Für 2022 wurde ein Verlust von 36,844 Millionen Euro gemeldet, während der Umsatz bei 556,284 Millionen Euro lag. Es wurden 1.644 Mitarbeiter beschäftigt. Der Verkauf wurde zum 3. Januar 2023 wirksam, die Märkte flaggten am Folgetag auf Intermarché (als Intermarché by Mestdagh) um. Hauptgrund für den Verkauf war die weiterhin angeschlagene finanzielle Situation von Mestdagh. Die ehemaligen Mestdagh-Filialen erzielten 2023, im Jahr der Übernahme, bei einem Umsatz von 731 Millionen Euro einen Verlust von 89 Millionen Euro. Im Januar 2023 kam es in den in Brüssel gelegenen Filialen zu erneuten Streiks. Hintergrund war dieses Mal die mangelnde niederländische Kennzeichnungen von Intermarché-Handelsmarkenprodukte. Intermarché war in Belgien zuvor ausschließlich im französischsprachigen Teil vertreten und forderte Mitarbeiter in den zweisprachigen und niederländischen Filialen nun auf, entsprechende Labels auf Niederländisch händisch auf den Packungen aufzutragen. Auch die Auslagerung dieser Aufgabe an ein externes Unternehmen sorgte für Unmut. Weitere Streiks, u. a. zur befürchteten Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Zuge der geplanten Abgabe der ehemaligen Regiemärkte an selbstständige Kaufleute, folgten im Februar und im März 2023. Am 23. Mai 2023 wurde auf einer außerordentliche Betriebsratssitzung verkündet, dass für 16 von 51 Regiemärkte bereits ein Käufer gefunden wurde. Diese sollten ab dem 1. Juli 2023 übergeben werden, eine zweite Übernahmewelle sollte im September 2023 folgen. Ende September 2023 waren bereits 35 Filialen abgegeben worden. Zwischen Juli und Dezember 2023 entfiel dann Stück für Stück der Zusatz by Mestdagh, ein Großteil der Filialen zeitgleich modernisiert. Die zuvor von Mestdagh betriebenen Regiemärkte wurden dann an selbstständige Kaufleute abgegeben, die letzten Filialen am 4. Dezember 2023. Die beiden in Flandern befindlichen Filialen verkaufte Intermarché im März 2024 an Colruyt. Ende Mai 2024 gab man die Fusion der ehemaligen Mestdagh-Zentrale mit jener mit Intermarché zum 4. November 2024 bekannt. Der Fusion fielen 33 Stellen bis Mitte 2025 zum Opfer, 56 Mitarbeiter aus der ehemaligen Mestdagh-Zentrale wurden versetzt. Die Firma Mestdagh SA erlosch zum 4. November 2024.

Ab September 1996 wurden die Super M-Märkten auf die Promodès-Vertriebslinie Champion umgeflaggt. Im März 1998 waren bereits 20 Märkte umgestellt. Bis Ende des Jahres 2000 erfolgte die Umflaggung aller Standorte auf Champion. Für die Umstellung eines Marktes wurden Kosten zwischen 15 und 20 Millionen belgischen Franken angegeben.
| Jahr | Umsatz | Mitarbeiteranzahl | Filialanzahl | |
|---|---|---|---|---|
| 1955 | 116,818 Millionen BEF | ca. 2,896 Millionen EUR | 163 | ca. 50 |
| 1962 | 260,000 Millionen BEF | ca. 6,445 Millionen EUR | 435 | k. A. |
| 1971 | 1,750 Milliarden BEF | ca. 43,381 Millionen EUR | 842 | k. A. |
| 1979 | 5,490 Milliarden BEF | ca. 136,094 Millionen EUR | 1.565 | 34 |
| 1981 | 6,670 Milliarden BEF | ca. 165,345 Millionen EUR | 1.657 | 35 |
| 1983 | 7,5 Milliarden BEF | ca. 185,920 Millionen EUR | 1.750 | 38 |
| 1986 | 9 Milliarden BEF | ca. 223,104 Millionen EUR | 1.899 | 44 |
| 1988 | 9,8 Milliarden BEF | ca. 242,936 Millionen EUR | k. A. | 47 |
| 1990 | 10,6 Milliarden BEF | ca. 262,767 Millionen EUR | k. A. | 43 |
| 1991 | 11,4 Milliarden BEF | ca. 282,599 Millionen EUR | k. A. | 45 |
| 1992 | 12,12 Milliarden BEF | ca. 300,447 Millionen EUR | k. A. | 50 |
| 1994 | 12,878 Milliarden BEF | ca. 319,237 Millionen EUR | 1.900 | k. A. |
| 1997 | k. A. | k. A. | 2.000 | 55 |
| 1999 | 15,862 Milliarden BEF | ca. 393,209 Millionen EUR | k. A. | 59 |
| 2002 | k. A. | k. A. | 62 | |
| 2008 | 508 Millionen EUR | 1.788 | 67 | |
| 2009 | 512 Millionen EUR | 1.797 | 70 | |
| 2010 | 530 Millionen EUR | 1.834 | 85 | |
| 2016 | 575,6 Millionen EUR | k. A. | 83 | |
| 2017 | 700 Millionen EUR | 2.700 | 83 | |
| 2021 | 562,810 Millionen EUR | ca. 1.620 | k. A. | |
| 2022 | 556,284 Millionen EUR | 1.644 | 86 | |
Im März 2012 kündigte man die Ausstattung von 32.000 m² Dachfläche mit Solarmodulen an insgesamt 16 Standorten an, was einer Spitzenleistung von 2 Megawatt entspricht. Die Produktion sollte jährlich 1,7 Millionen Kilowattstunden betragen. Die Projektinvestitionen lagen bei über 5 Millionen Euro.
Ende 2006 meldete das Unternehmen Colgate-Palmolive eine Kartellbildung zwischen sieben Supermarktketten Belgiens, darunter Mestdagh sowie Lieferanten für Produkte der Körperpflege und Hygiene, u. a. Beiersdorf, Henkel und L'Oréal. Das selbst am Kartell beteiligte Unternehmen Colgate-Palmolive erhielt Kronzeugenstatus und war von den Geldbußen ausgenommen. 2012 kamen die Untersuchung zum Kartell zum Ende. Am 30. Oktober 2013 legte u. a. Mestdagh Beschwerde beim Berufungsgericht ein. Es wurde angeführt, dass die erfolgten Durchsuchungen während der Untersuchung rechtswidrig gewesen sein. Die beteiligten Unternehmen erhielten im Juni 2015 unterschiedlich hohe Bußgelder, auf Mestdagh entfielen 2,025 Millionen Euro Strafe. Das Kartell bestand zwischen 2002 und 2007.
Im Oktober 2013 beantragten Franchisenehmer des Unternehmens, die im gemeinnützigen Verein Pacaff organisiert waren, die Bestellung eines unabhängigen Sachverständigen, der die Geschäftszahlen und Gewinnmargen von Mestdagh zwischen 2007 und 2011 rückwirkend untersuchen sollte. Hintergrund war die Vermutung der Franchiser, dass Mestdagh über die vertraglich festgelegte Gewinnspanne hinaus weitere Einnahmen erzeugt hatte. Auch die Rechtsgültigkeit der Franchiseverträge sollte geprüft werden. Die Franchiser bemängelten das Missverhältnis zwischen Mestdagh und den Franchisern bei Gewinn bzw. Verlust. So hätten alle Franchiser mit roten Zahlen zu kämpfen gehabt, während Mestdagh selbst wirtschaftlich gewesen sei. Der Prozess begann am 4. Oktober 2013 am Gericht in Charleroi.
Nach dem Verkauf von Mestdagh an Les Mousquetaires wehrte sich Carrefour ab Ende 2022 gegen die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde, die den Verkauf ohne Auflagen genehmigte. Carrefour legte Berufung beim Brüsseler Berufungsgericht ein, sah den Verkauf von 18 Filialen als rechtswidrig an und pochte auf einen weiteren Verkauf der betroffenen Filialen. Das Gericht wies den Einspruch Carrefours im Juli 2023 zurück.
Rund drei Jahre nach der Übernahme von Mestdagh durch Intermarché wurde ab Ende November 2025 die Unzufriedenheit von selbstständigen Kaufleuten der ehemaligen Mestdagh-Filialen in Medienberichten publik, die über große Gewinnrückgänge klagten. Im Januar 2026 meldete die Filiale in Jette Insolvenz an. Während das Management von Intermarché die Situation nicht als besorgniserregend ansah, mehrten sich im Februar 2026 die Stimmen auf Seiten der Kritiker, die dem Unternehmen Missmanagement vorwarfen.
Am 1. September 1998 ereignete sich morgens zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr ein schwerer Raubüberfall in der Super M-Filiale in Waterloo, bei der siebzehn Menschen von drei maskierten und bewaffneten Männern in einem Lastwagen gefangen gehalten und als Geiseln genommen wurden. Nur eine Woche später, am 7. September 1998 gegen 6:45 Uhr wurde in Marchienne-au-Pont in Charleroi eine weitere Filiale überfallen. Der Filialleiter wurde genötigt den Tresor mit Zeitschaltuhr zu öffnen, obwohl dies laut des Filialleiters nicht möglich sei. Vermutlich aufgrund Fehlfunktion öffnete sich der Tresor und die Täter, wieder drei bewaffnete und maskierte Männer, entkamen mit der kompletten Beute.