Methanococcus

Methanococcus

EM-Aufnahme von Methanococcus maripaludis

Systematik
Reich: Methanobacteriati
Stamm: Methanobacteriota
Klasse: Methanococci
Ordnung: Methanococcales
Familie: Methanococcaceae
Gattung: Methanococcus
Wissenschaftlicher Name
Methanococcus
Kluyver & van Niel 1936
EM-Aufnahmen von begeißelten und nicht begeißelten Zellen von M. maripaludis. Dicke Pfeile zeigen auf Geißeln (Archaellen), dünne Pfeile zeigen auf dünnere Filamente (vermutlich Pili-Strukturen) Balken: 0,5 μm.

Methanococcus ist eine Gattung sphärischer (kokkoider) methanogener Archaeen aus der Familie Methanococcaceae im Phylum Methanobacteriota (früher „Euryarchaeota“). Im Jahr 1984 wurde die frühere Typusart der Gattung, M. mazei, in die Gattung Methanosarcina reklassifiziert und gleichzeitig M. vannielii als neue Typusart festgelegt. Im Jahr 2002 erfolgte eine weitere Aufspaltung der Gattung durch Abspaltung hyperthermophiler Arten in die Gattung Methanocaldococcus. Die in der Gattung verbliebenen Spezies sind mit Ausnahme der thermophilen Art M. thermolithotrophicus alle mesophil, d. h. sie bevorzugen gemäßigte Temperaturen.

Beschreibung

Die Zellen der Typusart M. vannielii sind annähernd kokkoid und variieren in einer Kultur von 0,5 bis 4,0 µm, gewöhnlich zwischen 1 und 2 µm. Sie sind oft leicht elliptisch und treten häufig paarweise auf. Manchmal ist ein Mitglied eines solchen Paares viel kleiner als das andere und ähnelt daher einer Knospe auf einer Hefezelle. Wenn die Zellen aus tiefen Agar-Kolonien entnommen werden, haben sie oft zunächst sehr verzerrte Formen, nehmen aber bald wieder eine kugelförmige Gestalt an. Der Organismus ist aktiv beweglich, die Zellen beschreiben einzeln oder paarweise eine spiralförmige Bahn. Die Zellwand hat sich als sehr empfindlich gezeigt. Mikroskopische Untersuchungen müssen beispielsweise an Nasspräparaten durchgeführt werden, da die Zellen bei der üblichen Herstellung von getrockneten, gefärbten Ausstrichen zerfallen und dann fast nicht mehr zu erkennen sind. Außerdem werden die Zellen auch durch die Zugabe von Methylcellulose (üblicherweise zur Verlangsamung der Motilität) zerstört. Tiefe Agar-Kolonien sind linsenförmig und hellbraun und haben einen Durchmesser von 0,5 bis 1,0 mm, unter dem Mikroskop erscheint die Oberfläche der Kolonie körnig.

Kultivierung

Formiat begünstigt ein gutes Wachstum M. vannielii; maximales Wachstum wurde bei einer Formiatkonzentration von 1,5 % erreicht, bei 2 bis 3 % verlangsamt sich das Wachstum und kommt bei 5 % zum Erliegen. Der Ersatz von 0,05 % NH4Cl (Ammoniumchlorid) durch 0,05 bis 0,1 % (NH4)2SO4 (Ammoniumsulfat) hatte einen leicht positiven Effekt auf das Wachstum, höhere Konzentrationen von Ammoniumsulfat wirkten hemmend. Der pH-Bereich für das Wachstum liegt zwischen 7,4 und 9,2, mit einem Optimum bei pH 8. Während der Fermentation von Natriumformiat steigt der pH-Wert tendenziell schnell an, da dadurch die relativ starke Säure Ameisensäure in Methan und die schwache Säure Kohlendioxid (Kohlensäure) umgewandelt wird.

Etymologie

Der Gattungsname Methanococcus leitet sich ab von neulateinisch methanum ‚Methan‘ bzw. methano- sich auf Methan beziehend, ‚zu Methan gehörig‘; neulateinisch coccus stammt von altgriechisch κόκκος kókkos, deutsch ‚Kern‘ oder ‚Korn‘, Methanococcus verweist also auf Methankörnchen.

Das Art-Epitheton ‚vannielii‘ der Typusart wurde zu Ehren von Cornelis Bernardus van Niel vorgeschlagen, der durch die Entwicklung der Kohlendioxid-Reduktionstheorie der Methanogenen die Forschung dieser Organismen maßgeblich vorangetrieben hat.

Systematik

Die hier wiedergegebene Systematik (Artenliste) der Gattung basiert auf folgenden Quellen (Stand 8. Oktober 2025):


Gattung Methanococcus Kluyver & van Niel 1936(L) oder (Kluyver & van Niel, 1936) emend. Barker, 1936(W) oder (Kluyver & van Niel, 1936) emend. Barker, 1936, …, nom. cons., emend. Mah & Kuhn 1984(N)

Verschiebungen nach LPSN:

Phylogenie

Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) und dem National Center for Biotechnology Information (NCBI).

16S-rRNA-basiert: LTP_06_2022 Basierend auf 53 Markerproteinen: GTDB 08-RS214
 . 

 Methanocaldococcaceae 

Methanocaldococcus



 . 

Methanotorris


 Methanococcaceae. 

Methanofervidicoccus


 . 

Methanothermococcus thermolithotrophicus (Typusart)


 . 
 . 

Methanothermococcus okinawensis


   

Methanococcus aeolicus



 . 
 Methanococcus. 

M. maripaludis


 . 

M. vannielii (Typusart)


   

M. voltae










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 Methanococcaceae. 

Methanotorris


 . 
 . 

Methanofervidicoccus abyssi


 . 

Methanothermococcus okinawensis


   

Methanococcus aeolicus




 . 

Methanothermococcus thermolithotrophicus


 . 
 Methanococcus. 

M. voltae


 . 

M. maripaludis


   

M. vannielii








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Anmerkungen

  1. ↑ Unter anderem wurde dabei die auch hyperthermophile Art M. jannaschii in die Gattung Methanocaldococcus verschoben. Diese Art wurde am Fuße eines „weißen Rauchers“ bei 21 °N auf dem Ostpazifischen Rücken entdeckt und war das erste vollständig sequenzierte Genom eines Archaeons, das viele neue und eukaryotenähnliche Eigenschaften und Komponenten aufdeckte.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Albert Jan Kluyver, Cornelius Bernard van Niel: Prospects for a natural system of classification of bacteria. In: Zentralblatt für Bakterologie, Parasitenkunde, Infectinskrankheiten und Hygiene, Abteilung II. 94. Jahrgang. G. Fischer, Jena 22. Mai 1936, OCLC 14175991, CorpusID:88065481, S. 369–403 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 LPSN: Genus Methanococcus Kluyver and van Niel 1936 ….
  3. 1 2 3 NCBI Taxonomy Browser: Methanococcus, Details: Methanococcus Kluyver and van Niel 1936 emend. Barker 1936 …. Rank: genus.
  4. 1 2 GTDB: Methanococcus.
  5. 1 2 WoRMS: Methanococcus (Kluyver & van Niel, 1936) emend. Barker, 1936. Rank: Genus.
  6. 1 2 3 Robert A. Mah, Daisy A. Kuhn: Transfer of the type species of the genus Methanococcus to the genus Methanosarcina naming it Methanosarcina mazei (Barker 1936) comb. nov. et emend. and conservation of the genus Methanococcus (Approved Lists, 1980) with Methanococcus vannielii (Approved Lists, 1980) as the type species. Request for an opinion. In: International Journal of Systematc Bacteriology, Band 34, Nr. 2, 1. April 1984, S. 263–265; doi:10.1099/00207713-34-2-263 (englisch). Dazu:
    • Judicial Commission of the International Committee on Systematics of Prokaryotes: Opinion 62: Transfer of the type species of the genus Methanococcus to the genus Methanosarcina as Methanosarcina mazei (Barker 1936) comb. nov. et emend. Mah and Kuhn 1984 and conservation of the genus Methanococcus (Approved Lists, 1980) emend. Mah and Kuhn 1984 with Methanococcus vannielii (Approved Lists, 1980) as the type species. In: International Journal of Systematic Bacteriology, Band 36, Nr. 3, 1. Juli 1986, S. 491; doi:10.1099/00207713-36-3-491 (englisch).
  7. ↑ W. J. Jones, J. A. Leigh, F. Mayer, Carl R. Woese, R. S. Wolfe: ​Methanococcus jannaschii sp. nov., an extremely thermophilic methanogen from a submarine hydrothermal vent. In: Archives of Microbiolology, Band 136, Nr. 4, Dezember 1983, S. 254–261; doi:10.1007/BF00425213, bibcode:1983ArMic.136..254J (englisch).
  8. ↑ Carol J. Bult, Owen White, J. Craig Venter et al.: Complete genome sequence of the methanogenic archaeon, Methanococcus jannaschii. In: Science, Band 273, Nr. 5278, August 1996, S. 1058–1073, doi:10.1126/science.273.5278.1058, PMID 8688087, bibcode:1996Sci...273.1058B (englisch).
  9. 1 2 3 4 Thressa Campbell Stadtman, Horace Albert Barker: Studies on the methane fermentation. X. A new formate-decomposing bacterium, Methanococcus vannielii. In: Journal of Bacteriology, Band 62, Nr. 3, 1. September 1951, S. 269–280; doi:10.1128/jb.62.3.269-280.1951, PMC 386125 (freier Volltext), PMID 14888644 (englisch).
  10. ↑ The All-Species Living Tree Project 06_2022
  11. ↑ Genome Taxonomy Database (GTDB) 08-RS214

Weiterführende Literatur