Metin Talayman (* 1939 in Kadıköy, Istanbul; † 1999 ebenda) war ein türkischer Maler und Dramatiker, der einen wesentlichen Teil seines Berufslebens in Deutschland verbrachte. In seinen expressionistischen Gemälden beschäftigte er sich mit der Einsamkeit, der Entfremdung und den Lebensbedingungen türkischer Arbeitsmigranten.
Talayman studierte von 1956 bis 1963 Malerei an der Staatlichen Akademie der Schönen Künste in Istanbul in den Ateliers von Halil Dikmen und Zeki Faik İzer. Während des Studiums gründete er 1958 mit Ergin Kolbek die Pantomimegruppe Mim Pantomim und beteiligte sich an gemeinschaftlichen Karikaturausstellungen. 1963 eröffnete er seine erste Einzelausstellung in der städtischen Galerie im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu. Mit einem Stipendium des türkischen Bildungsministeriums ging er 1972 an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er bei Joseph Beuys und Rupprecht Geiger arbeitete. 1980 erhielt er ein Stipendium des Berliner Kultursenats und ließ sich in Berlin nieder. Neben der Malerei schrieb er die Theaterstücke Sonradan Gelen Ölü (1976), Odanın Boyutları (1985) und Sevmek (1986). Im Jahr 1998 kehrte er nach Istanbul zurück, wo er im Folgejahr starb.
Talaymans Ölbilder basieren auf figürlichen und halb abstrakten Darstellungsweisen; spannungsreiche Körperformen und ein expressiver Einsatz von Farben und Licht tragen viele seiner Kompositionen. Die Themen Angst, Vereinsamung und die sozialen Widersprüche des Großstadtlebens kommen in vielen Werken vor. Während seiner Berliner Jahre beobachtete er das Leben von Einwanderern und verarbeitete Erfahrungen von Fremdheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung in seinen Bildern. Die Gemäldefolge Unterirdische Notizen bezieht sich auf Bergarbeiter aus der Türkei im Ruhrgebiet. Zu den Arbeiten gehören Mezarsız Ölüler (‚Die Toten ohne Gräber‘, 1975), Bir İşçi (‚Ein Arbeiter‘, 1981) und Altıncı Gece (‚Sechste Nacht‘, 1984). Das Gemälde Oranienstraße (1981) zeigt eine Straßenszene in Berlin-Kreuzberg. In einer kunsthistorischen Untersuchung über Selbstporträts in der modernen türkischen Malerei wurde ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1981 aus der Sammlung der Tem Sanat Galerisi behandelt, das Talayman vor einem dunklen Hintergrund darstellt.
Talayman stellte 1967 auf der fünften Pariser Biennale junger Künstler aus und zeigte 1973 Arbeiten in zwei New Yorker Galerien. In Deutschland folgten Einzelausstellungen in Düsseldorf, Berlin und Nürnberg; auch in Istanbul stellte er wiederholt aus. Vom 17. November 2023 bis zum 15. Januar 2024 widmete ihm die Ziraat Bankası Çukurambar Sanat Galerisi in Ankara die von Kıymet Giray kuratierte Retrospektive Dönüşüm. Auf der Manifesta 16 Ruhr waren 2026 fünf seiner Ölgemälde in der ehemaligen Kirche St. Bonifatius in Gelsenkirchen zu sehen. Die Berliner Ausstellung Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960 im Gropius-Bau nahm ab September 2026 ebenfalls Arbeiten Talaymans in eine Präsentation zur Kunstgeschichte der Arbeitsmigration auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Talayman, Metin |
| KURZBESCHREIBUNG | türkischer Maler und Dramatiker |
| GEBURTSDATUM | 1939 |
| GEBURTSORT | Kadıköy, Istanbul |
| STERBEDATUM | 1999 |
| STERBEORT | Kadıköy, Istanbul |