Michael-Burkhard Piorkowsky

Michael-Burkhard Piorkowsky (2005)

Michael-Burkhard Piorkowsky (* 1947 in Neuruppin) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. In seiner letzten beruflichen Position war er Professor für Haushalts- und Konsumökonomik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Akademische Ausbildung

Michael-Burkhard Piorkowsky studierte ab dem Sommersemester 1968 Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Osteuropawirtschaft an der Freien Universität (FU) Berlin und erwarb dort Abschlüsse als Dipl.-Kaufmann, Dipl.-Volkswirt und Dr. rer. pol. Das Aufbaustudium am Osteuropa-Institut der FU Berlin begann er Anfang 1973 mit einem Promotionsstipendium nach dem Graduiertenförderungsgesetz. In dem Dissertationsprojekt analysierte er systemkonträre, marktorientierte Wirtschaftsreformen in zentral geplanten sowjet-sozialistischen Wirtschaftssystemen. Besonders beeinflusst haben ihn seine akademischen Lehrer Walter Endres, Wolfgang Förster und Reinhard Selten.

Berufliche Positionen

Ende 1973 wurde Piorkowsky Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Markt- und Verbrauchsforschung und Betriebswirtschaftliche Vergleiche der FU Berlin und gab dafür das Promotionsstipendium vorzeitig auf. Neben den Aufgaben in Forschung und Lehre war er in der akademischen Selbstverwaltung aktiv, u. a. als Vertreter der Wissenschaftlichen Assistenten in der Ständigen Kommission für Entwicklungsplanung (EPK) des Akademischen Senats der FU Berlin unter dem Präsidenten Rolf Kreibich. Ab 1978 war er in Instituten für Wirtschaftsforschung und Politikberatung tätig, zunächst in der von Julius Hirsch, Leo Engel und Joachim Tiburtius gegründeten Forschungsstelle für den Handel (FfH) Berlin und ab 1981 in dem von Kurt Biedenkopf und Meinhard Miegel gegründeten Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) Bonn. 1982 wurde er Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Hamburg. 1991 erhielt er den Ruf an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn auf die Professur für Wirtschaftslehre des Haushalts, die nach der Neuausrichtung in Professur für Haushalts- und Konsumökonomik umbenannt wurde.

Forschungsschwerpunkte

Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Analyse des Aufbaus ökonomischer Strukturen, insbesondere die Übergänge von der Mikro- zur Meso- und Makroebene. Als zentrales Ergebnis konnte er darstellen, dass in freiheitlichen Gesellschaften die Privathaushalte und Familien die Basis von Wirtschaft und Gesellschaft bilden. Deren Mitglieder können bei der Gestaltung ihrer Lebenslage durch Bildung und Beratung unterstützt werden, sei es bei der Verringerung von Armutsrisiken, bei der wirtschaftlichen Haushaltsführung oder bei der Gründung von Unternehmen und Vereinigungen. Seine Erkenntnisse hat er in der Wirtschafts-, Wissenschafts- und Politikberatung eingebracht und weiterentwickelt. Er war u. a. Rektoratsbeauftragter für Gründung und Entwicklung von Unternehmen und Wissenschaftlicher Leiter der Koordinations- und Leitstelle für Unternehmensgründung und -entwicklung (KLUG) an der Universität Bonn, Mitglied des Wissenschaftlichen Gutachtergremiums für den ersten und den zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Verbraucher- und Ernährungspolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Mitglied des Schufa-Verbraucherbeirats und in den letzten acht Jahren, bis Ende 2022, Vorsitzender des Verbraucherbeirats.

Fachgesellschaften und Initiativen

Piorkowsky war in Fachgesellschaften aktiv, insbesondere in der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (DGH), davon acht Jahre als Vorsitzender, sowie im Förderkreis Gründungs-Forschung (FGF) und in der Deutschen Gesellschaft für ökonomische Bildung (DeGÖB). In diesen und weiteren Zusammenhängen, wie der UN Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, hat er seine Konzeption der Alltags- und Lebensökonomie (ALÖ) verbreitet und zahlreiche gemeinnützige Initiativen zur Wirtschafts- und Finanzbildung begleitet, darunter die Programme der Stiftung Deutschland im Plus – die Stiftung für private Überschuldungsprävention – und der My Finance Coach Stiftung. Er hat unter dem Motto „Konsumtheorie neu denken!“ 2013 die Gründung der Bamberger Gruppe initiiert und ist Mitherausgeber der daraus hervorgegangenen Schriftenreihe Kritische Verbraucherforschung.

Publikationen (Auswahl)

Als Autor

Als Herausgeber

Belege

  1. ↑ Webseite von Michael-Burkhard Piorkowsky. Abgerufen am 11. Februar 2024.
  2. ↑ Michael-Burkhard Piorkowsky im Interview mit Johannes Seiler: „Wirtschaft findet nicht nur statt, wenn Geld fließt“. In: Forsch. Bonner Universitäts-Magazin. Frühjahr 2021, Nr. 1, 2021, ZDB-ID 2695948-3, S. 33, urn:nbn:de:hbz:5:2-15636 (uni-bonn.de).
  3. ↑ Professoren-Profil: Michael-Burkhard Piorkowsky: WISU – das Wirtschaftsstudium. In: Zeitschrift für Ausbildung, Prüfung, Berufseinstieg und Fortbildung. 43. Jahrgang, Heft 7, Juli 2004, S. 841 f.
  4. ↑ KLUG für einen guten Start. Anschub zur Existenzgründung. In: Bonner Universitäts-Nachrichten. 31. Jahrgang, Nr. 211, Juni 1998, ZDB-ID 400886-8, S. 7.
  5. ↑ Michael-Burkhard Piorkowsky im Interview zur Alltags- und Lebensökonomie. In: Bonn Sustainability Portal. April 2013, abgerufen am 11. Februar 2024.
  6. ↑ Alltags- und Lebensökonomie – Ein Konzept, das Kompetenzen vermittelt! In: Ich bin meine Zukunft. Abgerufen am 11. Februar 2024.
  7. ↑ Christian Fridrich, Renate Hübner, Rainer Hufnagel, Mirjam Jaquemoth, Karl Kollmann, Michael-Burkhard Piorkowsky, Norbert F. Schneider, Nina Tröger, Stefan Wahlen: Bamberger Manifest für ein neues Verbraucherverständnis. In: Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Band 9, Nr. 3, 1. September 2014, ISSN 1661-5867, S. 321–326, doi:10.1007/s00003-014-0880-1.
  8. ↑ Christian Fridrich, Renate Hübner, Karl Kollmann, Michael-Burkhard Piorkowsky, Nina Tröger (Hrsg.): Reihe Kritische Verbraucherforschung. Springer (springer.com).
Personendaten
NAME Piorkowsky, Michael-Burkhard
ALTERNATIVNAMEN Piorkowsky; Piorkowsky, M.-B.; Piorkowsky, Michael-B.
KURZBESCHREIBUNG deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 1947
GEBURTSORT Neuruppin