Michael Aiken

Michael T. Aiken (* 20. August 1932 in El Dorado, Arkansas; † 25. August 2025 in Cody, Wyoming) war ein US-amerikanischer Soziologe, Professor, Provost der University of Pennsylvania und Kanzler der University of Illinois at Urbana-Champaign (1993 bis 2001).

Leben

1954 erwarb Aiken seinen Bachelor von der University of Mississippi und ein Jahr später seinen Master mit einem Woodrow-Wilson-Stipendium an der University of Michigan. Er arbeitete an Forschungsprojekten der Universität, bis er 1964 seine Dissertation vorlegte. Von 1963 bis 1967 arbeitete er als Assistant Professor an der University of Wisconsin–Madison, erhielt seine volle Professur 1970 und arbeitete von 1980 bis 1982 als stellvertretender Dekan des soziologischen Fachbereichs dieser Universität. Während dieser Zeit hielt er auch Gastprofessuren in den USA und im Ausland, von 1967 bis 1968 an der Columbia University, 1983–1984 an der Washington University in St. Louis und viermal an der Université catholique de Louvain in Louvain-la-Neuve (Belgien). Er übernahm den Vorsitz des soziologischen Fachbereichs an der University of Pennsylvania (UOP). Hier wurde er 1985 zum Dekan der School of Arts and Sciences ernannt. Später wurde Aiken Chancellor der University of Illinois at Urbana-Champaign.

Der Amerikaner Aiken wird von Augenzeugen als Initiator für die Gründung der European Group for Organizational Studies (EGOS) benannt. Auf einer Konferenz 1973 im Netherlands Institute for Advanced Study (NIAS) im niederländischen Wassenaar merkte Aiken an, dass europäische Forscher sehr vertraut selbst mit zweitklassigen Forschungen in Amerika seien, aber kaum Kenntnis von der Forschung ihrer direkten Nachbarn hätten. Anders als bei früheren Versuchen verfolgte der mit bemerkenswertem Organisationstalent ausgestattete Aiken die Initiative und überzeugte Michel Crozier, der wiederum mit dem Maison des Sciences de l’Homme (MSH) in Paris Kontakt aufnahm. Dieses organisierte ein Treffen führender Soziologen: neben Aiken auch die Franzosen Michel Crozier und Werner Ackermann, die Schweizer Jean-Claude Thoenig und Peter Atteslander, der Italiener Franco Ferraresi und der in Paris lebende Österreicher Erhard Friedberg, der Brite David J. Hickson und der Niederländer Cornelis J. Lammers. Dieses Treffen bezeichnete Lammers als die konstituierende Versammlung zur Gründung der EGOS.

Sein Organisationstalent zeigte Aiken auch in der Leitung der University of Illinois in Urbana-Champaign. Unter seiner Führung sammelte Aiken über eine Milliarde US-Dollar an Spenden und Zuwendungen für die Universität, gründete ein Partnerschaftsprogramm mit Illinois, um die Einbindung der Universität in das soziale Umfeld zu verbessern, und Einführungsprogramme für Neuzugänge. In dieser Zeit verbesserte sich die Bezahlung der Beschäftigten über den nationalen Durchschnitt hinaus und es wurden neue Programme aufgenommen und finanziert.

Forschungsinteressen

Aiken betrachtete Organisationen, Organisieren und organisiert sein als ein soziologisches Phänomen, also jenseits des Wirtschaftsunternehmens als politische und soziale Organisation. Seine Forschungen befassten sich mit der Lebens- und Arbeitssituation amerikanischer Arbeitnehmer in komplexen Organisationen unter Berücksichtigung von ethnischer Herkunft, Alter, geistigen Behinderungen oder anderen Einflüssen auf die soziale Wirklichkeit. Darüber hinaus arbeitete Aiken auch an Problemen der öffentlichen Verwaltung, des städtischen Managements und den dort anstehenden Veränderungen sowie den politischen Entscheidungsprozessen.

Ehrungen

2004 wurde das Gründungsmitglied Michael Aiken zum Ehrenmitglied der EGOS ernannt. Die Laudatio hielt David Wilson.

Bibliografie

25 Arbeiten von Michael Aiken werden in 58 Publikationen und in zwei Sprachen von über 3000 Bibliotheken weltweit angeboten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Maeve Reilly: Former Illinois Chancellor Michael Aiken has died. University of Illinois Urbana-Champaign, 28. August 2025, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  2. 1 2 3 Bill Murphy; Chancellor Aiken to retire Aug. 20, 2001; Pressemitteilung der University of Illinois vom 22. August 2000.
  3. 1 2 3 4 5 6 SAS Dean: Michael Aiken of Sociology; Almanac, Zeitschrift der University of Pennsylvanian vom 28. Mai 1985; Vol 31, Nummer 35.
  4. 1 2 3 4 Angaben zu Michael T. Aiken auf der Webseite von Worldcat, abgerufen am 26. Februar 2014.
  5. 1 2 3 4 5 David Wilson (2007) Laudatio (Memento vom 3. Februar 2014 im Internet Archive) zur Ernennung von Michael Aiken zum Ehrenmitglied der European Group for Organizational Studies.
  6. 1 2 3 4 Cornelis J. Lammers (1998) An Inside Story: The Birth and Infancy of EGOS: Memories in Tribute to Franco Ferraresi; Organization Studies 1998 19: 883; doi:10.1177/017084069801900508.