Michael Bacht

Michael Bacht (2014)

Michael Bacht (* 4. Juni 1947 in Remscheid) ist ein deutscher Objekt- und Installationskünstler.

Biographie

Bacht besuchte das Burg-Gymnasium und das Carl-Humann-Gymnasium in Essen, wo er ab dem sechzehnten Lebensjahr an der Folkwang-Schule für Gestaltung bei Jo Pieper in figürlichem Zeichnen und Aktzeichnen ausgebildet wurde. Nach der Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer studierte er von 1969 bis 1971 in Tübingen Kunstgeschichte bei Günter Bandmann und Philosophie bei Ernst Bloch und Dieter Jähnig. Prägend war in dieser Zeit auch die enge Freundschaft mit dem Idealismusexperten Karl Ameriks.

Der spätere Inhaber der Mac-Mahon-Hank Professur für Philosophie an der University of Notre Dame (USA) hat 2019 über die gemeinsamen Studienjahre in Tübingen in seiner Würdigung der Kunst seines Freundes ausführlich berichtet.

1972 setzte Bacht sein Studium an der Universität Heidelberg fort. Dort waren seine Schwerpunkte europäische sowie ostasiatische Kunst und Architektur, seine maßgeblichen akademischen Lehrer waren Peter Anselm Riedl, der über das Werk seines früheren Schülers mehrfach ausführlich geschrieben hat, und Dietrich Seckel. In diese Zeit fiel auch die Bekanntschaft mit Fritz Wotruba während der Erarbeitung eines Verzeichnisses seiner Werke. Von 1974 bis 1979 studierte er an der Universität Mainz Kunst- und Werklehre (Staatsexamen).

Seit 1979 arbeitet Bacht als freischaffender bildender Künstler in Heidelberg, mit Ateliers er in der ehemaligen Zigarrenfabrik Malsch (1987–1990) und, nach einjähriger Sanierung, in der ehemaligen katholischen Dorfkirche von Epfenbach. Jochen Kronjäger, langjähriger Kurator an der Kunsthalle Mannheim, hat die Wirkung dieser ungewöhnlichen Räume auf die Entwicklung der Kunst Michael Bachts in einem aufschlussreichen Katalogbeitrag zur Retrospektive des Künstlers herausgearbeitet.

Werk

Sandecke (1996), Installation im Heidelberger Kunstverein (1996) (Künstler: Michael Bacht, Fotograf: Michael Bacht)

Bachts künstlerisches Anliegen ist das Sichtbar- und Erfahrbarmachen dialektischer Prozesse zwischen Material und bildnerischen Gestaltungsprinzipien, die sich immer in einer respektvollen Anverwandlung an zyklische Naturgesetze entfalten: „Die Welle“, formulierte Hans Gercke, „fasziniert ihn in ihrer Polarität von Höhe und Tiefe, von Hell und Dunkel, konkaver und konvexer Bewegung, Gleichförmigkeit und Dynamik“. Solche elementaren Erfahrungen, der Rhythmus, der die Grundlage des Lebens ist, das Pulsieren des Bluts, Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Jahreszeiten, das Naturgesetz vom Ein- und Ausatmen objektivieren sich in allen Werkgruppen Bachts und verleihen diesen ästhetische Einheit.

Frühe Werkgruppen waren die von 1975 bis 1985 entstandenen Prägedrucke, gefolgt von den Anodenbildern der Jahre 1985–1990. In den späten 1980er und 1990er Jahren entstanden Hauptwerke wie „Schrein für einen Stein“ mit verschiedenen Variationen, die Serie der Buchobjekte, Erdkreise und Makimonobilder sowie erste großformatige Bodeninstallationen. Ab 1995 trat das Licht als Gestaltungsmittel hinzu und ab 2000 entstanden eine Reihe von kritischen Hommagen an Schlüsselfiguren der klassischen Moderne (Mondrian, Malewitsch) sowie die Weißen Installationen. Eine eigene Werkgruppe widmet sich Objekten und architektonischen Strukturen für eine alternative Sepulchralkultur. Hans Gercke behandelt diese ausführlich in seinem Katalogbeitrag zu der Ausstellung, die er dem Künstler 1996 im Heidelberger Kunstverein eingerichtet hat.

Parallel zu der Arbeit an allen Werkgruppen entwickelte Bacht unter dem Gruppentitel „Kein Wunder“ einen in der Thematik enzyklopädisch ausgreifenden Kosmos an satirischen Objekten.

Einzelausstellungen

Schrein für einen Stein (1985), Garten des Kurpfälzischen Museums Heidelberg (Künstler: Michael Bacht, Fotograf: Michael Bacht)

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

Inversiver Obelisk (2002/2003), Entwürfe für die Neugestaltung des Lagers Bergen-Belsen (Künstler: Michael Bacht, Fotograf: Michael Bacht)

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Feld Nr. 3 (1992) und Erinnerung an Makimono (1995), Museum am Ostwall Dortmund (1999) (Künstler: Michael Bacht, Fotograf: Michael Bacht)

Stipendien und Kunstpreise

Bibliographie

1st Glass Work (2021) (Künstler: Michael Bacht, Fotograf: Michael Bacht)

Belege

  1. ↑ Karl Ameriks: Die Werke von Michael Bacht. Kunst als ortsgebundener Bau. In Stefanie Kleinsorge (Hrsg.): Michael Bacht Retrospektive: Arbeiten von 1964 bis 2019. Heidelberg 2019. S. 8–23.
  2. 1 2 Matthias Roth: Michael Bacht zeigt neue Arbeiten In: Rhein-Neckar-Zeitung, 14. Juli 2020, abgerufen am 18. März 2021.
  3. ↑ Peter Anselm Riedl: Metamorphose - Bemerkungen zur Kunst Michael Bachts. In: Katalog der Ausstellung im Museum Folkwang. Essen 1991. S. 3–9.
  4. ↑ Peter Anselm Riedl: Das Chaos bannen. Gedanken zur Kunst Michael Bachts. In: Katalog der Ausstellung im Heidelberger Kunstverein. Museum am Ostwall in Dortmund und in der Galerie BWA Kraków. Heidelberg 1996. S. 19–27.
  5. ↑ Jochen Kronjäger: Der Einfluss der Ateliers auf das Werk Michael Bachts. Heidelberg 2019.
  6. ↑ Cf. Hans Gercke: Katalog zu den Ausstellungen „Erinnerung an Makimono“ (Galerie Friebe Mannheim 1990) und „Im Kreis“ (Kunstverein Rastatt 1990)
  7. ↑ Hans Gercke: Totenstadt und Totenwald. Notizen zu einem Projekt von Michael Bacht. Heidelberg 1996. In: Katalog. Heidelberger Kunstverein und Museum am Ostwall Dortmund. Heidelberg 1996.