Michael Just

Michael Just (* 1979 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher interdisziplinärer Künstler und Hochschullehrer.

Michael Just, 2023

Biographie

Michael Just studierte von 2000 bis 2007 an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss dort das Studium als Meisterschüler von Daniel Buren mit Diplom (MFA) ab. Von 2004 bis 2006 war er Assistent von Daniel Buren. Im Rahmen des Studiums arbeitete er ebenfalls mit Elia Zenghelis (Architektur) und Hubert Kiecol (Integration Bildende Kunst / Architektur).

Er studierte von 2007 bis 2009 mit einem DAAD Postgraduiertenstipendium und dem EHF-Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung an der University of London, Goldsmiths, und erwarb dort den MFA Art Practice. Von 2010 bis 2012 lebte er in New York City, zwischen 2010 und 2011 war er dort Teilnehmer am Whitney Museum of American Art Independent Study Program.

Michael Just wurde 2026 an der City University of Hong Kong, School of Creative Media, bei Damien Charrieras, Maurice Benayoun und Héctor Rodriguez mit der Arbeit Three Feet Above: Rural-Urban Futures and the Spirit of Place in the Pearl River Delta promoviert. 2024 war er Visiting Researcher an der TU Delft, Fakultät für Architektur, Ecologies of Architecture Research Group. Im Rahmen des Erasmus+-Projekts Speculative Urban Futures (SUrF) führte er eine Reihe von Gesprächen, unter anderem mit dem Biologen Michael Levin und der Theoretikerin Patricia Reed.

Seit 2023 ist Michael Just Senior Associate von DigitalFUTURES, einer unabhängigen internationalen Online-Plattform für Architektur, Design und Kunst mit Schwerpunkt auf digitalen Technologien. Er hatte dort 2023 den Vorsitz der Jury des Mark Cousins Theory Award.

Von 2023 bis 2024 lehrte er in Teilzeit an der Hong Kong Baptist University, Academy of Visual Arts. Seit 2026 lehrt Michael Just als Visiting Assistant Professor am Department of Fine Arts der Bilkent-Universität in Ankara. Er gründete und führt seit 2008 ein Studio in Berlin-Kreuzberg und lebt und arbeitet in Berlin, Ankara und im Südburgenland.

Künstlerische Arbeit

Die frühen Arbeiten von Michael Just verbinden skulpturale und architektonische Form mit Malerei und sind auf den konkreten Ort bezogen. Peter Funken beschrieb 2008 die Beziehung zwischen architektonischer und skulpturaler Form als zentrales Interesse des Künstlers. Zu weiteren Arbeiten dieser Zeit zählen neben textbasierten Skulpturen auch zeitbasierte, interaktive Arbeiten wie die Laserprojektion The Up-Down-Bottom-Top-Strange-Charm Romance in Four Parts (2007). Magdalena Kröner hob im selben Jahr den zugleich minimalistischen und narrativen Charakter seiner Rauminterventionen hervor. Alena Sokhan verwies 2014 anlässlich einer Ausstellung im Eigen+Art Lab, Berlin, auf die Bandbreite von Justs Arbeiten, von fotografischen Drucken über Textarbeiten bis zu skulpturalen Objekten. Der Theoretiker Laurence A. Rickels diskutierte Justs Arbeiten mit gefundenen Pressefotografien – darunter Al, Dennis, Brian, Carl and Mike performing „Don’t Worry, Baby“ (2014) und LA-LA (1965) (2013), die auf Konzertbilder der Beach Boys und Spielerporträts der Los Angeles Dodgers von 1965 zurückgreifen – im Anschluss an Walter Benjamin als allegorische Bearbeitung von Ikonen der Massenidentifikation. Die Arbeiten der mittleren Werkphase setzen sich mit der historischen Konstruktion von Subjektivität sowie den physischen und ideologischen Manifestationen von Geschichte und Gesellschaftsmodellen auseinander. Die Kritikerin Jennifer Smart beschrieb 2015 die Frage, wie Geschichte neu gefasst, interpretiert und erfahren werden kann, als durchgängiges Motiv seiner Arbeit. 2016 realisierte Just eine Auftragsarbeit für die Berliner Zentrale der Peppermint Holding, bei der ein Text von Friedrich Nietzsche zerlegt und in Buchstaben entlang eines rund 80 Meter langen Flurs montiert wurde. Seine Praxis umfasst Installationen, Texte und Projekte an den Schnittstellen von Kunst, Architektur, Urbanistik und Design. In jüngerer Zeit verbindet Just künstlerische Arbeit und Forschung: Im Rahmen seiner Dissertation entstand neben dem schriftlichen Teil der Essayfilm Three Feet Above (2024–2026). Die Arbeit entwickelt einen kognitionstheoretischen Ansatz, der Kognition als über unterschiedliche Substrate verteiltes Kontinuum begreift, und fragt vor dem Hintergrund ländlich-urbaner Transformationsprozesse nach Bedingungen von Koexistenz und Regeneration.

Lehre (Auswahl)

Michael Just lehrt an Universitäten und Kunsthochschulen, unter anderem an der China Academy of Art, School of Design and Innovation, Hangzhou (2020), Hong Kong Baptist University, Academy of Visual Arts (2023–2024), und seit 2026 an der Bilkent-Universität, Department of Fine Arts, Ankara. Er publiziert zu Methoden künstlerischer Lehre und Forschung, beispielsweise im Rahmen der CAMP Notes on Education, documenta fifteen und Speculative Urban Futures.

Ausstellungen und Sammlungen (Auswahl)

Werke von Michael Just wurden international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt: Avenir de Villes / Future for Cities (Site Alstom, Nancy, 2005), A y regarder de près (Mrac Occitanie, Sérignan, 2005), Counterpoints (Benaki-Museum, Athen, 2005), Experience Pommery #4: L'Emprise du Lieu (Domaine Pommery, Reims, 2007), Believe Me! (Kunst im Tunnel, Düsseldorf, 2008), ONE TWO X YOU, (SOUTERRAIN Berlin), Bloomberg Newcontemporaries (Cornerhouse, Manchester / A Foundation, London, 2009), PAN Studios 2010 (Palazzo delle Arti Napoli, 2010), Informal Relations (Indianapolis Museum of Art, 2010), Whitney Museum of American Art Independent Study Program Studio Program Exhibition 2011, Surface Meanings (Artisanal House, New York City, 2013), Checkpoint California (Deutsche Bank KunstHalle, 2015), MMCA Residents (MMCA Seoul, 2018), Youngtoyoung 2020 (China Academy of Art, 2020), 60 Days of Lockdown (Luxelakes A4 Museum, Chengdu), Beyond Smart Cities (Massachusetts Institute of Technology Hong Kong Innovation Node, 2022), Rivers: Jugular Veins of Empire (University of the Arts, London, 2022), Vestiges of the Future (Narbo Via, Narbonne, 2023), Stop The Machine! (Mrac Occitanie, Sérignan, 2026–2027).

Arbeiten von Michael Just befinden sich unter anderem in folgenden Sammlungen: Mrac Occitanie, Sérignan, Benaki-Museum, Athen, Vranken-Pommery, Reims, Palazzo delle Arti Napoli, Indianapolis Museum of Art, Peppermint Holding, Berlin, Sammlung Peter und Alison Klein, Nussdorf-Eberdingen, Nationalbank, Essen, Luxelakes A4 Art Museum, Chengdu, KNPZ Rechtsanwälte, Hamburg.

Auszeichnungen (Auswahl)

Förderungen, Preise und Stipendien beinhalten: Deutsche Bank Förderpreis für Skulptur, Düsseldorf (2005), EHF-Stipendium, Konrad-Adenauer-Stiftung, 2007, DAAD Postgraduiertenstipendium, 2007, PAN Studios, Palazzo delle Arti Napoli, 2010, Villa Aurora, Los Angeles, 2012, MMCA Residenz, National Museum of Modern and Contemporary Art Seoul, 2018.

Werkdokumentation, Literatur und Publikationen (Auswahl)

Kataloge

Artikel und Medien

Beispiele für Publikationen von Michael Just

Einzelnachweise

  1. ↑ Stipendiaten Details - VATMH (de). Abgerufen am 24. Dezember 2023.
  2. 1 2 Magdalena Kröner: Believe Me! KIT – Kunst im Tunnel, Düsseldorf. In: Kunstforum International. Band 190, 2008, S. 324–327.
  3. ↑ EHF-Stipendiatinnen und Stipendiaten. 31. Mai 2007, abgerufen am 30. November 2023 (deutsch).
  4. ↑ Stipendiaten Details - VATMH (de). Abgerufen am 24. Dezember 2023.
  5. ↑ Whitney Museum of American Art Independent Study Program - e-flux Education. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (englisch).
  6. 1 2 Three Feet Above: Rural-Urban Futures and the Spirit of Place in the Pearl River Delta. Abgerufen am 16. September 2026 (englisch).
  7. ↑ Ecologies of Architecture. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (niederländisch).
  8. 1 2 3 Articles and interviews. In: Speculative Urban Futures (SUrF). Abgerufen am 17. September 2026.
  9. ↑ SUrF – Mike Levin & Anna Gitelman - Designing with Diverse Intelligence. Abgerufen am 16. September 2026 (englisch).
  10. ↑ SUrF – Patricia Reed - Experimenting with modalities of practice in complicity with the stuffs of a shared planet. Abgerufen am 16. September 2026 (englisch).
  11. ↑ People – DigitalFUTURES. Abgerufen am 30. November 2023 (amerikanisches Englisch).
  12. ↑ Mark Cousins Theory Award – DigitalFUTURES. Abgerufen am 30. November 2023 (amerikanisches Englisch).
  13. 1 2 Academy of Visual Arts - HKBU. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (englisch).
  14. ↑ GSTMF / FADA | Dekanlık Ofisi / Dean's Office. Abgerufen am 16. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  15. ↑ Casted.at | Center for Aesthetic, Social, Technological and Ecological Discourse. Abgerufen am 15. Dezember 2023 (deutsch).
  16. 1 2 Peter Funken: »AAAAAAAAAAAAAAAAAAGH! (war face)«. Überlegungen zu einer neuen Skulptur von Michael Just. In: Lido. Das Magazin von Kunst im Tunnel. Düsseldorf 2008, S. 90–92.
  17. ↑ Alena Sokhan: Exhibition // Grasping at the Present at Eigen+Art Lab. In: Berlin Art Link. 29. Oktober 2014, abgerufen am 17. September 2026 (englisch).
  18. ↑ Laurence A. Rickels: Der integrierte Vampir (und was damit zusammenhängt). Passagen Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-7092-0257-9, S. 175–177.
  19. 1 2 Villa Aurora e.V. (Hrsg.): Checkpoint California. DISTANZ Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-95476-111-1, S. 26.
  20. ↑ Jennifer Smart: On the Circular Nature of History. 31. Januar 2015, abgerufen am 16. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  21. 1 2 3 Innovationen aus Deutschland: Herzklappe aus Textilien. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 2. Dezember 2023]).
  22. 1 2 Vestiges of the Future. Narbo Via, Narbonne, 2023, abgerufen am 16. September 2026 (englisch).
  23. ↑ JUST, Michael. Abgerufen am 16. September 2026 (englisch).
  24. ↑ GSTMF / FADA | Dekanlık Ofisi / Dean's Office. Abgerufen am 16. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  25. ↑ Commoning Curatorial and Artistic Education – CAMP notes on education – document fifteen. Abgerufen am 1. Dezember 2023 (britisches Englisch).
  26. ↑ APRES. Abgerufen am 4. Dezember 2023 (britisches Englisch).
  27. ↑ "À y Regarder de près " Travaux de Igor Antic, Antonello Curcio, Nick Gee, Athina Ioannou, Michael Just, Friederike Mainka, Danielle Riede regroupés ici par Daniel Buren - Expositions Daniel Buren. Abgerufen am 1. Dezember 2023.
  28. ↑ Counterpoints. Abgerufen am 2. Dezember 2023.
  29. ↑ Expérience #4 - L'EMPRISE DU LIEU - Champagne Pommery. Abgerufen am 1. Dezember 2023.
  30. ↑ Believe me! Bildhauerei zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge – KIT. Abgerufen am 1. Dezember 2023.
  31. ↑ Souterrain. Abgerufen am 2. Dezember 2023.
  32. ↑ Michael Just. Abgerufen am 1. Dezember 2023 (britisches Englisch).
  33. ↑ Comune di Napoli: PAN - Palazzo delle arti Napoli - L' opera d'arte come fidanzata automatica: incontro con il filosofo Maurizio Ferraris. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (italienisch).
  34. ↑ Whitney Museum of American Art Independent Study Program - e-flux Education. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (englisch).
  35. ↑ CHECKPOINT CALIFORNIA - VATMH (de). Abgerufen am 2. Dezember 2023.
  36. ↑ 국립현대미술관: National Museum of Modern and Contemporary Art, Korea. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (englisch).
  37. ↑ 60 Days of Lockdown. In: Res Artis. 10. Juli 2020, abgerufen am 2. Dezember 2023 (australisches Englisch).
  38. ↑ Charleston Sin: MIT Node x Media Lab IAP 2022 Workshop. In: Mens et Manus. 21. Januar 2022, abgerufen am 2. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
  39. ↑ bernard-teulon-nouailles: Vestiges du Futur Narbo Via (Narbonne). In: AICA-France. 9. August 2023, abgerufen am 16. September 2026 (französisch).
  40. ↑ Stop The Machine! Dossier de presse. (PDF) Mrac Occitanie, 10. September 2026, abgerufen am 17. September 2026 (französisch).
  41. ↑ Région Occitanie / Pyrénées-Méditerranée: "Vestiges du futur" – Mrac Occitanie. Abgerufen am 16. September 2026 (französisch).
  42. ↑ EHF-Stipendiatinnen und Stipendiaten. 31. Mai 2007, abgerufen am 1. Dezember 2023 (deutsch).
  43. ↑ PAN Project Party PAN Palazzo delle Arti Napoli Napoli. Abgerufen am 1. Dezember 2023 (italienisch).
  44. ↑ Stipendiaten Details - VATMH (de). Abgerufen am 1. Dezember 2023.
  45. ↑ Shim Woo-hyun: MMCA reveals recent works from artist residency program. 23. November 2018, abgerufen am 1. Dezember 2023 (englisch).
  46. ↑ Believe me! Bildhauerei zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge – KIT. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (deutsch).
  47. ↑ Charleston Sin: MIT Node x Media Lab IAP 2022 Workshop. In: Mens et Manus. 21. Januar 2022, abgerufen am 2. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
  48. ↑ Counterpoints. Abgerufen am 2. Dezember 2023.
  49. ↑ Westdeutsche Zeitung: KIT: Kontrast von Schein und Sein. 29. Januar 2008, abgerufen am 2. Dezember 2023.
  50. ↑ Enrico on: VernissageTV Art TV - Believe me! / KIT - Kunst im Tunnel / Düsseldorf, Germany. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
  51. ↑ Jennifer Smart·ArtDallas/Ft WorthReviews·: On the Circular Nature of History. 31. Januar 2015, abgerufen am 2. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
  52. ↑ Art contemporain : au MRAC de Sérignan, une exaltante odyssée de l’espace - Toutelaculture. In: Toutelaculture. 16. Oktober 2020 (archive.org [abgerufen am 17. September 2026]).
  53. ↑ Commoning Curatorial and Artistic Education – CAMP notes on education – document fifteen. Abgerufen am 2. Dezember 2023 (britisches Englisch).
Personendaten
NAME Just, Michael
KURZBESCHREIBUNG deutscher interdisziplinärer Künstler und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 1979
GEBURTSORT Frankfurt am Main