Michael Otto (* 12. April1943 in Kulm in Westpreußen) ist ein deutscher Unternehmer und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group. Er baute die Otto Group zu einer digitalen Handels- und Dienstleistungsgruppe aus. Weiterhin ist er ein Stifter und Mäzen.
Leben
Otto wurde 1943 in Kulm als Sohn von Werner Otto geboren. 1945 floh er mit seiner Familie nach Hamburg, wo sein Vater 1949 einen Versandhandel für Schuhe gründete. Nach einer Banklehre bei Merck Finck & Co in München studierte er in München und Hamburg Volkswirtschaft, promovierte und wurde 1971 Vorstand im Bereich Textileinkauf im Unternehmen seines Vaters. Er erweiterte das Angebot des Unternehmens und erschloss neue Märkte.
Im Februar1981 stieg Otto zum Vorsitzenden des Vorstands der Otto Group auf. Er war bis Oktober2007 im Amt und bis März 2025 Aufsichtsratsvorsitzender der OttoGroup. Unter seiner Amtszeit wurde die Otto Group von einem Katalogversand „schon früh zu einem digitalen Unternehmen“ und „Pionier“ beim unternehmerischen Umweltschutz, so Cornelia Meyer im Business Insider. So erklärte er 1986 den Umweltschutz zum Unternehmensziel. Zu den Maßnahmen gehörten beispielsweise eine grünere Produktion, Mülltrennung und die Umstellung von Luftfracht auf Seetransporte. Zudem wurden in vielen Ländern aktive Unternehmen wie Limango, Manufactum und SportScheck akquiriert und Unternehmen wie About You oder Bonprix gegründet.
Bis April 2014 saß er im Aufsichtsrat der Axel Springer SE. Des Weiteren war er bis April 2016 Gesellschafter der RobertBoschIndustrietreuhandKG, die 93% der Stimmrechte der Robert Bosch GmbH hält. Otto ist ebenfalls Mitglied des Beirats der Deloitte.
Im Zusammenhang mit Lohndumping und den prekären Arbeitsbedingungen der Paketboten bei der konzerneigenen Tochter Hermes Europe wurde 2011 die Rolle Ottos als Konzernlenker kritisiert. Die ARD sendete dazu im August 2011 die Reportage Das Hermes-Prinzip: Ein Milliardär und seine Götterboten. Michael Otto und Hermes bestritten die prekären Beschäftigungsbedingungen und sprachen von schwarzen Schafen unter den Subunternehmern. Im September 2011 teilte Hermes mit, dass die Zusammenarbeit mit mehreren Subunternehmen aufgekündigt worden sei und die festgelegten ethischen Standards des Otto Group zukünftig auch für Unternehmen und Lieferanten im Auftrag von Otto gelten sollten.
Das Vermögen der Familie Otto wird auf der Forbes-Liste 2015 unter seinem Namen mit 15,4Milliarden US-Dollar angegeben. Damit belegt die Familie Otto weltweit Platz51 und unter den deutschen Milliardären Platz7.
Im April 2015 kündigte Otto an, seine Mehrheit am Handelskonzern Otto und damit einen Großteil seines Vermögens in eine neue gemeinnützige Stiftung zu übertragen. Mit jährlichen Ausschüttungen sollen kulturelle, soziale, ökologische oder mildtätige Projekte gefördert werden. Mit der Stiftung solle sichergestellt werden, dass die Familie Otto langfristig den Einfluss über den Otto-Konzern behält.
Zum 1. März 2025 gab er seinen Aufsichtsratsvorsitz an seinen vorhergehenden Vorstandsvorsitzenden Alexander Birken (* 1964) ab. Seit 2025 ist er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.
Otto ist verheiratet mit Christl Otto und Vater von Janina (* 1973) und Benjamin Otto (* 1975).
Ehrenämter
Um konkrete Projekte im Bereich Erhalt der Natur zu fördern, stiftete er 1993 die „Michael Otto Stiftung für Umweltschutz“ (seit 2018 Umweltstiftung Michael Otto), in deren Kuratorium er den Vorsitz innehat. 2005 gründete er die „Aid by Trade“-Stiftung, die afrikanische Kleinbauern unterstützt, und deren Kuratoriumsvorsitz er innehat.
Otto ist Präsident und Gründer der Stiftung KlimaWirtschaft (vormals Stiftung 2 Grad), die sich für einen Umbau zu einer CO2-neutralen Wirtschaft einsetzt. Er sagte hierzu einmal: „Die enormen Anstrengungen von Staat und Gesellschaft zum Schutz der Bevölkerung sowie der Wirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie zeigen uns, was wir gemeinsam zur Bekämpfung einer globalen Bedrohung bewegen können. Klimaschutz als Modernisierungsprojekt für die Wirtschaft zu begreifen, kann jetzt eine wichtige Rolle zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise spielen – und gleichzeitig dazu beitragen, tiefgreifende Auswirkungen der Klimakrise zu vermeiden.“
2022 war Otto Stifter der Organisation Cociety, die sich unter anderem in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Entwicklungsarbeit engagiert.
2001 wurde er zum Manager des Jahres gekürt und 2005 mit dem Vernon A. Walters-Preis des Vereins Atlantik-Brücke für die Förderung der US-deutschen Beziehungen geehrt. Am 24.Oktober2006 wurde er auf dem zehnten Deutschen Versandhandelskongress für sein Lebenswerk mit dem International Lifetime Award ausgezeichnet. Damit wurde insbesondere seine langjährige, herausragende unternehmerische Leistung im In- und Ausland sowie die frühe Erkenntnis über die fundamentale Bedeutung des Internets für das Handelsgeschäft gewürdigt.
Am 30.November2006 erhielt er auf Vorschlag des BundespräsidentenHorst Köhler das Große Verdienstkreuz mit Stern. Damit wurde seine Bereitschaft geehrt, gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sowie sein persönliches Engagement im ökologischen und sozialen Bereich. 2007 erhielt er den Deutschen Handelspreis in der Kategorie Lifetime Award. Die Theodor-Heuss-Stiftung verlieh ihm 2010 den Theodor-Heuss-Preis für eine in ökonomischer wie ethischer Weise vorbildliche Firmenkultur. 2013 ehrte ihn der WWF mit dem neuentdeckten, im Spessart endemischen, Habichtskraut Pilosella ottonis. Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde Otto 2018 vom Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher zu einem Senatsfrühstück geladen und ihm der Ehrentitel Professor verliehen.
Michael Otto (Hrsg.): Das Michael Otto Prinzip. Steidl, Göttingen 2023, ISBN 978-3-96999-239-5.
Filme
Typisch! Michael Otto: Ein Leben zwischen Bangladesch und Blankenese. Dokumentarfilm, Deutschland, 2018, 30 Min., Autor: Frank Sieren, Produktion: NDR, Reihe: Typisch!, Erstsendung: 27. September 2018; Mediathek (Memento vom 15. Dezember 2017 im Internet Archive) des NDR.
Die Ottos. Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 45 Min., Buch und Regie: Dagmar Wittmers, Produktion: NDR, Reihe: Deutsche Dynastien, Erstsendung: 7. Mai 2012; Mediathek (Memento vom 15. Dezember 2017 im Internet Archive) der ARD.
Amerika war mein Jugendtraum. Dokumentation, Deutschland, 2011, 22:44 Min., Produktion: n-tv, Erstsendung: 21. Juni 2011, Online-Video. „Aus dem biederen Katalog von einst machte er die erfolgreichste Versandgruppe der Welt. Michael Otto ist der Aufsichtsratsvorsitzende der OTTO-Group International. Er steuert weltweit 50.000 Mitarbeiter und fährt einen Gesamtumsatz von rund 11,5 Milliarden Euro ein – und das mit einer besonderen Verantwortung für Mitarbeiter und Umwelt.“
Mit langem Atem. Dokumentation, Deutschland, 45Min., Regie: Meike Hemschemeier und Thomas Weidenbach, Produktion: WDR, Erstsendung: 23.September2008 Porträts von den drei Unternehmern Michael Otto, Anita Roddick und Andres Gut, die „die nicht nur Kapitalmärkte und Gewinnkurven im Sinn haben, sondern ebenso den Schutz der Umwelt und das Elend der Armen in der Dritten Welt“.
Das Hermes-Prinzip – Der Milliardär und seine Götterboten, Dokumentation von Monika Wagener und Ralf Hötte, Deutschland, 45Min., Produktion: WDR, Erstsendung: 3. August2011
↑Hermannus Pfeiffer: Familienstratege feiert Abschied. Michael Otto gibt das Kommando beim weltweiten Versandhändler ab – bleibt aber an Bord. In: Frankfurter Rundschau. 13. September 2007.