Michiel Versteeg

Hendrik Willem Caspari (1770–1829): Michiel Versteegh, Maler. Universitätsbibliothek Leiden

Michiel Versteeg, auch Michiel Versteegh (* 30. August 1756 in Dordrecht; † 8. November 1843 ebenda) war ein niederländischer Maler, Zeichner und Kopist.

Leben

Michiel Versteeg wurde als Sohn des Börtsschiffers und Amateurmalers Jan Versteeg (1733–1783) in Dordrecht geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er vermutlich bei seinem Vater. Anschließend wurde er vom Marinemaler Arie van Wanum und vom Tapetenmaler Joris Ponse unterrichtet. Der Kunsthändler Johannes van Leen bot ihm zudem die Gelegenheit, Gemälde des 17. Jahrhunderts zu kopieren. Dadurch arbeitete er sich intensiv in die Schaffensweise der Alten Meister, insbesondere seines Vorbilds Godfried Schalcken, ein. Versteeg scheint kaum gereist zu sein. Lediglich für das Jahr 1822 ist ein Aufenthalt außerhalb seiner Heimatstadt belegt, als er im Pariser Salon ausstellte. Er blieb unverheiratet und lebte mit einer seiner Schwestern zusammen.

Michiel Versteeg war Mitglied des Teekengenootschap Pictura in Dordrecht, ab 1816 des Koninklijk Nederlands Instituut in Amsterdam und ab 1817 der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten in Antwerpen. Zu seinen Schülern zählten Jan Kelderman, Leendert de Koningh, Adriaan Meuleman, Johannes Rosierse, Martinus Schouman und Abraham Teerlink. Sein Neffe, der Prediger D. Meulemans, würdigte in einer Leichenrede Versteegs Verdienste. Unter der Leitung der Maler Frans Jacobus van den Blijk und Hendrik Frederik Verheggen wurde sein Nachlass am 14. April 1847 versteigert.

Werk

Michiel Versteeg: Een vrouw in een keuken bij het licht van een olielamp (Eine Frau in der Küche im Schein einer Öllampe, 1830). Rijksmuseum Amsterdam

Anfangs entstanden vorwiegend Landschaften, später konzentrierte sich Michiel Versteeg auf das Malen von Kerzen- und Lampenbildern. Seine Gemälde – zumeist Interieurs und Genrestücke bei Kerzenlicht, aber auch genremäßig angelegte Landschaften, Stadtansichten, Architekturstücke und vereinzelte Stillleben – genossen bei den zeitgenössischen Käufern hohes Ansehen. Mit seinen historisierenden Darstellungen von Spinnerinnen, Mägden, Astronomen, musizierenden Gesellschaften oder Markt- und Ladenszenen, zumeist bei Kerzen- und Laternenlicht und oft in der Art Gerard Dous durch ein Fenster gerahmt, gehörte er zu den erfolgreichsten Künstlern des sogenannten Zweiten Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei. Trotz der Übernahme der Motivwelt des 17. Jahrhunderts kleidete er seine Figuren meist in die Kleidung seiner eigenen Zeit. Im Jahr 1811 besuchten ihn Kaiser Napoleon I. und seine Gattin in seinem Atelier und erwarben ein Bild für 6.000 Gulden.

Gemälde von Michiel Versteeg befinden sich im Amsterdam Museum, im Rijksmuseum Amsterdam, im Dordrechts Museum sowie in Museen in Metz, Rotterdam und Warschau. Zeichnungen werden in den Musées Royaux des Beaux-Arts in Brüssel (Sammlung de Grez) und im British Museum in London aufbewahrt, Aquarelle in der Albertina in Wien sowie im Teylers Museum in Haarlem.

Literatur

Commons: Michiel Versteegh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 De Gruyter, Verlag De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. 2009.
  2. ↑ L.C.Geerts: Michiel Versteegh, Jan Veth, Alexander Wüst. Abgerufen am 12. Mai 2026 (britisches Englisch).
Personendaten
NAME Versteeg, Michiel
ALTERNATIVNAMEN Versteegh, Michiel
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Maler, Zeichner und Kopist
GEBURTSDATUM 30. August 1756
GEBURTSORT Dordrecht
STERBEDATUM 8. November 1843
STERBEORT Dordrecht