
Miriam Prantl (* 1965 in Bregenz) ist eine österreichische Künstlerin, die mit Malerei, Skulpturen, Wandreliefs und raumgreifenden Installationen arbeitet, aber besonders für ihre architektonischen Interventionen und Lichtinstallationen bekannt ist.
Nach einer Ausbildung im klassischen Tanz und der Teilnahme am Prix de Lausanne war Prantl von 1983 bis 1985 als Halbsolistin im Ballettensemble des Badischen Staatstheaters Karlsruhe aktiv. 1985 bis 1986 tanzte Prantl in New York an der CAD Dance Group und nahm von 1986 bis 1987 Schauspielunterricht am Lee Strasberg Theatre and Film Institute. Im Jahre 1987 zog Prantl nach London und gründete eine eigene Band. Von 1989 bis 1990 folgte ein Studium der Malerei, Skulptur und Grafik am Camberwell College of Art in London. Von 1990 bis 1993 absolvierte Prantl ein Studium der Malerei am Chelsea College of Art and Design in London, das sie mit dem Bachelor abschloss. Von 1993 bis 1995 studierte sie Malerei im Master-Programm am Royal College of Art in London an und war Teilnehmerin der Meisterklasse von Prof. Paul Huxley.
Seit 1995 lebt und arbeitet Prantl in Dornbirn und wird dort von der Galerie c.art vertreten. 2002 hatte sie eine Assistenzprofessur am Fine Art Departement an der Concordia University in Montreal.
Prantls Licht- und Rauminstallationen im Bereich Kunst am Bau setzen Farbe und Licht als zentrale gestalterische Mittel ein und erweitern damit die traditionelle Bildfläche um eine räumliche Dimension. Ziel der Künstlerin ist es, Farbe von ihrem Trägermedium zu lösen und sie als eigenständiges Element erfahrbar zu machen. Mit dem Einsatz von Leuchtdioden wird Licht im Raum beweglich und kann unabhängig von einer materiellen Oberfläche eingesetzt werden.
In ihren Aussagen zur eigenen künstlerischen Praxis hebt Prantl die grundlegende Bedeutung von Licht hervor:
“I think in the end light makes our world visible. Light is life. Light is the foundation of our vision. With my work, I want to make people aware of these essential facts to appreciate the moment when we consciously encounter light. It’s a very special moment, like the sunrise, the stars.”
„Ich denke, dass Licht letztlich unsere Welt sichtbar macht. Licht ist Leben. Licht ist die Grundlage unseres Sehens. Mit meiner Arbeit möchte ich Menschen für diese grundlegenden Zusammenhänge sensibilisieren und dazu anregen, den Moment der bewussten Wahrnehmung von Licht zu schätzen. Es ist ein besonderer Moment, vergleichbar mit einem Sonnenaufgang oder dem Blick auf die Sterne.“
Prantl bezieht sich auf eine 1927 formulierte These des Künstlers László Moholy-Nagy, in der die Fotografie als erster Versuch beschrieben wird, Licht eine Form zu geben. Diese Überlegung wird in einen zeitgenössischen Kontext gestellt und mit der Feststellung verbunden, dass das „Jahrhundert des Lichts“ aus ihrer Sicht inzwischen begonnen hat. Durch die Kombination von Licht- und Soundquellen kreiert Prantl eine künstliche Umgebung, die die Betrachtenden multisensuell ansprechen. Die zwischen 2007 und 2024 entstandenen Arbeiten lassen sich retrospektiv als Serien einer „installativen Malerei“ einordnen.
Prantls reduzierte Formensprache steht in der Tradition der konkreten Kunst und verbindet diese mit zeitgenössischen Ansätzen. Durch die Einbeziehung moderner Technologien werden die Grenzen traditioneller Kunstformen aufgehoben.

Es handelt sich hier um eine Lichtinstallation aus programmierbaren LED-Streifen an der hofseitigen Fassade der Stadthalle Singen (Hohentwiel), die entlang der architektonischen Struktur der Glasfassade angeordnet sind. Die Installation erzeugt kontinuierliche Farbverläufe und Lichtwechsel, die den Fassadenbereich sowie den angrenzenden Außenraum visuell prägen. Die Anordnung der LED-Elemente nimmt Bezug auf die Gliederung der bestehenden Fassadenkonstruktion und steht in Beziehung zu der gegenüberliegenden Neonarbeit von Joseph Kosuth. Die Steuerung der Lichtinstallation erfolgt über zeitlich definierte Abläufe, die gleichmäßige Übergänge zwischen verschiedenen Farbzuständen ermöglichen. Die erzeugten Farbverläufe reflektieren auf den Glasoberflächen sowie auf angrenzenden Bauteilen und Flächen des Umfelds. Dadurch entstehen wechselnde Licht- und Farbsituationen, die in Abhängigkeit von Perspektive, Umgebungslicht und Position der Betrachtenden variieren. Die Installation bildet damit eine Verbindung zwischen Licht, Farbe und architektonischem Raum.

Bei dieser Werkgruppe im Museum Ritter in Waldenbuch handelt es sich um malerische Arbeiten, in denen Farbe, Linie und Fläche so kombiniert werden, dass der Eindruck von Räumlichkeit entsteht. Im Gegensatz zu früheren Wandreliefs mit Holzflächen wird dieser Raumbezug nun durch fein strukturierte lineare Elemente sowie durch den Reliefcharakter des Gewebebandes erzeugt. Die Kompositionen basieren auf rechteckigen Ordnungen, die ein Netz aus Flächen und Öffnungen bilden und dadurch unterschiedliche räumliche Wirkungen hervorrufen. Farbkontraste zwischen den komplementären Blau- und Orange-Tönen bestimmen dabei den Gesamteindruck.
Die Installation zeigt einen in der Apsis der Johanniterkirche Feldkirch schwebenden Würfel aus beschichteten Aluminiumstäben mit 2,50 Meter Seitenmaß. Im abgedunkelten Raum sind ausschließlich dessen Konturen sichtbar, die eine Lichtkugel umschließen. Eine langsam verlaufende, rhythmische Lichtsteuerung führt zu sich verändernden visuellen Wahrnehmungssituationen.
Überlagert wird die Installation von einer Audio-Soundcollage, für die Prantl tonale Impulse von der Raumsonde Voyager, Unterwassertöne, ein Windspiel, eine Opernstimme sowie Eigenkompositionen zusammenfügte.
Zeitgleich umfasst Prantl die offenen Glaskanten der Außenfassade des Kunsthaus Bregenz mit farbig leuchtenden LED-Elementen. Diese choreografisch gesteuerten LED-Lichtleisten in Form von Klammerstrukturen greifen die Architektur von Peter Zumthor auf und heben die Gliederung des Baukörpers sowie die Transparenz der Glasfassade hervor.


Diese skulpturale audio-visuelle Lichtinstallation, die in rund 2000 Metern Höhe auf der Vorarlberger Silvretta-Bielerhöhe erstellt wurde, nutzt einen über 50 Meter tiefen unterirdischen Schacht, der Teil eines regulierenden Systems im Stausee ist und an dessen Grund Wasser fließt. Durch den Einsatz von farbigem Licht und Klang entsteht ein raumbezogenes, sich wandelndes Erscheinungsbild. Die Realisierung des Projekts erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Auf dieser strukturellen Grundlage aufbauend besteht die Arbeit aus einer ringförmigen Plattform, die von segmentierten, hochpolierten Stahlelementen eingefasst ist. Durch die Spiegelelemente wird die umgebende Landschaft mit Wasser und Bergen sowie der Himmel reflektiert und visuell vervielfacht. Im Zentrum der frei zugänglichen Plattform, der als Lichtraum gestaltet ist und in deren Mitte – direkt auf dem vertikalen Schützenschacht der Illwerke vkw – sich ein Fernrohr befindet, wird der Blick in die Tiefe gelenkt. Eine LED-Installation mit vier aufeinanderfolgenden Lichtsequenzen thematisiert die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde durch wechselnde Farb- und Lichtverläufe. Der Blick in den zentralen Schacht erzeugt so den Eindruck, in das Erdinnere zu sehen, wobei die Lichtgestaltung diesen Effekt durch eine Abfolge von kühlen und warmen Farbbereichen unterstützt. Ein begleitender Soundtrack ergänzt die visuelle Inszenierung um eine akustische Ebene.
Diese Installation in Feldkirch zeigt einen gläsernen Korpus mit Meerwasser, das durch Projektionen und optische Effekte als in Bewegung befindlich wahrgenommen wird. Durch das Zusammenspiel von Licht, Nebel, spiegelnden Oberflächen und Klang entsteht ein atmosphärischer Raum, der sich im Tagesverlauf verändert und bei Dunkelheit an Intensität gewinnt.

Die etwa vier Meter hohe Licht- und Sound-Skulptur aus Stahl, Spiegelkugeln, einem Motor, LED-Strahler, Lautsprecher, MP3 Player sowie einer Nebelmaschine im niederländischen Park des Schlosses Het Loo thematisiert Aspekte digitaler Transformation. Sie bezieht sich auf die veränderte Bedeutung physischer Präsenz in einer zunehmend virtuellen Umgebung sowie auf die durch Digitalisierung beeinflusste Wahrnehmung von Raum und Zeit. Rotierende Spiegelkugeln fungieren als Metaphern für globale Vernetzung, während die entstehenden Reflexionen eine fragmentierte Wahrnehmung im digitalen Kontext veranschaulichen.
Die Installation, die in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Zumtobel realisiert wurde, besteht aus vier, jeweils etwa drei Meter großen, miteinander verbundenen Ringen, deren innere und äußere Kanten mit programmierten LED-Linien ausgestattet sind. Dynamische Lichtsequenzen erzeugen bewegte Lichtpunkte, die entlang der Ringstrukturen verlaufen und unterschiedliche visuelle Muster im Raum bilden. Die pulverbeschichteten und irisierend lackierten Stahlringe verändern ihr Erscheinungsbild im Tagesverlauf. Während sich bei Dunkelheit die Lichtwirkung in das Umfeld ausdehnt, den Raum dominiert und in den Vordergrund tritt, tritt die Oberfläche der Ringe visuell in den Hintergrund. Dabei entstehen vernetzte, kreisförmige Lichtstrukturen, die den umgebenden Raum einbeziehen.

Zusätzlich treten Licht, Farbe und Bewegung in ein aufeinander abgestimmtes Wechselverhältnis, wobei die Lichtpunkte in entgegengesetzte Richtungen verlaufen und rhythmische Abläufe erzeugen. Die Installation beeinflusst die räumliche Wahrnehmung und erzeugt ein Feld, in dem sich visuelle Eindrücke in Abhängigkeit von Position und Zeit verändern.
Der konzeptionelle Ansatz der Arbeit bezieht sich auf die Vorstellung, dass natürliche und gesellschaftliche Ordnungen in unterschiedliche Sphären gegliedert sind. Die Skulptur greift dieses Modell auf und überträgt es in eine räumliche Struktur, die sich durch Lichtausdehnung in den umgebenden Raum erweitert.
In der Eröffnungsrede zur Ausstellung im Kunstmuseum Singen 2011 beschreibt der Kunsthistoriker Christoph Bauer die künstlerische Arbeitsweise von Miriam Prantl und betont, dass ihre Arbeiten darauf abzielen, die Betrachtenden in einen sinnlich wahrnehmbaren, energetisch aufgeladenen Raum einzubeziehen und Licht als unmittelbares Erlebnis erfahrbar zu machen. Farbiges Licht verändere dabei die Wahrnehmung des Raumes, indem es dessen Konturen teilweise auflöse und Zeit als Abfolge flüchtiger Licht- und Farbzustände erscheinen lasse. Die Installationen setzen darauf, die Materialität des Raumes temporär in den Hintergrund treten zu lassen und ihn als dynamisches, fließendes Gefüge erlebbar zu machen.
Rudolf Sagmeister, Kunsthistoriker und bis 2022 Kurator des Kunsthauses Bregenz, hebt insbesondere die reduzierte Setzung der Lichtintervention im Werk „Clasps“ hervor. Prantl bespiele vor allem die „Ecken“ der Architektur und betone damit die Leichtigkeit und Schwebe des Glasbaus. Die Veränderung der Lichtfarben und die wechselnden Stimmungen stehen in Bezug zur Atmosphäre am Bodenseeufer. Die Lichtsetzungen reagieren dabei auf unterschiedliche Höhen der Gebäudekanten und erzeugen eine umlaufende Bewegung um die Architektur. Gleichzeitig verleihen die weithin sichtbaren Lichtelemente dem transparenten Baukörper eine verstärkte räumliche Präsenz.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Prantl, Miriam |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1965 |
| GEBURTSORT | Bregenz |