| Missus Beastly | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Herford, Deutschland |
| Genre(s) | Jazzrock |
| Gründung | 1968, 1973 |
| Auflösung | 1971, 1979/1982 |
| Gründungsmitglieder | |
| Reinhard Wehmeyer | |
| Petja Hofman | |
| Wolfgang Nickel | |
| Lutz Oldemeier | |
| Letzte Besetzung | |
Bass | Matthias Krüger |
Keyboard | Burkard Schmidl |
Schlagzeug | Marlon Klein |
Missus Beastly war eine deutsche Underground- bzw. Jazzrock-Band, die auch dem Krautrock zugeordnet wird.
Missus Beastly wurde 1968 als am Bluesrock orientierte Gruppe in Herford gegründet und entwickelte sich zu einer der deutschen Psychedelic-Bands. 1970 erschien eine erste selbstproduzierte LP, an der auch Chris Karrer, Dieter Serfas und Hansi Fischer beteiligt waren. In der Frühzeit experimentierte die Gruppe mit doppelt besetzten Großformationen aus zwei Orgeln, zwei Gitarren, zwei Schlagzeugern, Bass und Saxophon und pflegte den Austausch mit anderen deutschen Rockmusikern in Jam-Sessions. Die Musiker lebten später in Würzburg, Wiesbaden und zuletzt in Göttingen. Dort löste sich die Band nach ausgedehnten Tourneen Ende 1971 auf, nachdem ihr Manager heimlich die Anlage verkauft hatte. Aus der frühen Besetzung gingen unter anderem der Gitarrist Paul Vincent, später ein gefragter Studiomusiker in München, der Schlagzeuger Klaus Götzner, der danach bei Ton Steine Scherben spielte, und der Gitarrist Roman Bunka hervor, der zu Embryo ging.
Bereits ab 1970 erschienen unter dem Namen Missus Beastly außerdem mehrere Alben, auf denen in Wahrheit ganz andere Musiker spielten. In der Fachpresse galten diese Veröffentlichungen zunächst als authentisch. Die Zeitschrift Sounds besprach im Mai 1973 eine unter dem Bandnamen im Eigenvertrieb angebotene Live-LP als neue Platte der Gruppe und schrieb, Missus Beastly hätten „obwohl seit fünf Jahren dabei, bislang den Offerten der Industrie widerstehen können“. Ende 1973 warnten die Musiker selbst vor einer von H. C. Fromm vertriebenen Platte Live in Amsterdam, da sie nie in Amsterdam gespielt hätten. Sounds räumte dabei ein, ebenfalls auf diese Veröffentlichung hereingefallen zu sein.
Ende 1973 gründete Lutz Oldemeier die Band nach zweijähriger Pause gemeinsam mit dem Flötisten Friedemann Josch, dem Saxophonisten Jürgen Benz, dem Pianisten Dieter Miekautsch (zuvor bei Embryo) und dem Bassisten Norbert Dömling wieder. Den Anstoß gab Josch, ein Saxophonist und Flötist aus Mainz, der mit einigen früheren Bandmitgliedern unter dem Namen Unterrock weitergespielt hatte. Im Sommer 1973 traf er in Istanbul zufällig Miekautsch, der auch bei Missing Link gespielt hatte. Beide fuhren nach Herford zu Oldemeier, Dömling und Benz, und ab November 1973 tourte die Gruppe wieder. Noch im Dezember 1973 ging die neue Besetzung auf Deutschlandtournee, unter anderem mit Auftritten in Bremen, Frankfurt am Main und Herford. Für Venus/Nova nahm die Gruppe im folgenden Jahr die bereits Ende 1973 angekündigte, gleichnamige LP auf. Dazu überredete Dieter Dierks die als plattenscheu geltende Band. Riebe’s Fachblatt beschrieb ihre Musik als stilübergreifende Verbindung von Jazz, Rock und Funk in der Nachfolge des Mahavishnu Orchestra, mit rockigem Grundrhythmus, ständig wechselnden Takten, prägenden Bassfiguren und langen Improvisationen. Die Platte gebe die Band unverfälscht wie bei einem Live-Auftritt wieder, ohne Studiotricks. 1975 zog die Band nach Mainz. Neu hinzu kamen der Berliner Schlagzeuger Butze Fischer, der Oldemeier ersetzte, und der Stuttgarter Gitarrist Jörgen Kanwischer. Die neue Besetzung trat erstmals beim 106. Jazzworkshop des NDR gemeinsam mit Wolfgang Dauner auf. Für Miekautsch kam der Würzburger Keyboarder und Komponist Burkard Schmidl. 1976 gründete Missus Beastly zusammen mit Ton Steine Scherben und Embryo die Musikerkooperative April, aus der der selbstverwaltete Vertrieb Schneeball entstand. Die Band spielte die LP Dr. Aftershave and the Mixed Pickles ein. Die Besetzung veränderte sich häufig. Die Konstanten waren nun Friedemann Josch und Burkard Schmidl, von dem der Großteil der Kompositionen kam. Bevor sich ihre Wege im Herbst 1979 trennten, entstand 1978 noch die LP Spaceguerilla.
Schmidl spielte im Trio mit Schlagzeuger Marlon Klein und dem erneut in die Band geholten Bassisten Norbert Dömling weiter – eine Weile unter dem Pseudonym Dr. Aftershave – ab 1980 wieder unter dem Namen Missus Beastly. 1982 löste sich die Band endgültig auf.