Mohelnice

Mohelnice
Wappen von Mohelnice
Mohelnice (Tschechien)
Mohelnice (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Šumperk
Fläche: 4624 ha
Geographische Lage: 49° 47′ N, 16° 55′ OKoordinaten: 49° 46′ 37″ N, 16° 55′ 10″ O
Höhe: 267 m n.m.
Einwohner: 9.424 (1. Jan. 2023)
Postleitzahl: 789 53 – 789 85
Kfz-Kennzeichen: M
Verkehr
Straße: Olomouc – Zábřeh
Svitavy – Uničov
Bahnanschluss: Česká Třebová–Olomouc
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: Pavel Kuba (Stand: 2020)
Adresse: U Brány 916/2
789 85 Mohelnice
Gemeindenummer: 540471
Website: www.mohelnice.cz

Mohelnice (deutsch Müglitz) ist eine Stadt im Okres Šumperk in Tschechien. Sie liegt 32 Kilometer nordwestlich von Olmütz in Mähren. Müglitz lag einst im Schönhengstgau, der größten sudetendeutschen Sprachinsel.

Geographie

Mohelnice befindet sich in der Mohelnická brázda (Müglitzer Furche) an der Einmündung der Mírovka (Grundbach oder Mühlbach) in die March am westlichen Ufer des Flusses.

Nachbarorte sind Květín, Libivá, Lukavice und Háj im Norden, Třeština und Stavenice im Nordosten, Hlivice, Kluče und Králová im Osten, Tkanovice und Moravičany im Südosten, Dolní Krčmy, Dolní Válce und Horní Krčmy im Süden, Újezd, Líšnice und Vyšehorky im Südwesten, Podolí im Westen sowie Podolíčko und Křemačov im Nordwesten.

Geschichte

Einbaum von Mohelnice
Stadtansicht von 1845.
Marktplatz beim Stadtzentrum
Thomaskirche (Anfänge im 13. Jh.)
Historischer Stadtplan von 1716
Landkarte aus der Zeit 1836–1852

Mittelalter

Erstmals erwähnt wurde der Ort 1131 durch Bischof Jindřich Zdík in einer Besitzliste des Olmützer Domkapitels. Seit 1247 ist die Kirche mit dem Patrozinium der Mariä Himmelfahrt nachweisbar. 1250 verlieh Bischof Bruno von Schauenburg Müglitz das Magdeburger Stadtrecht.

1307 und 1312 wütete die Pest in der Stadt.

Während der Hussitengkriege fielen am 28. Oktober 1424 die Hussiten in Müglitz ein und verwüsteten die Stadt, die heftigen Widerstand leistete. Bei der Einnahme kam es zu einem Blutbad, bei dem als 700 Einwohner niedergemetzelt wurden.

1568 zerstörte ein Stadtbrand große Teile von Müglitz.

Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten 1623 die Schweden unter Gábor Bethlen die Stadt. Ebenfalls 1623 brach zudem die Pest aus, an der ein Drittel der Bewohner verstarben. 1642–1645 folgten weitere Plünderungen durch die Schweden und erneut brachen Seuchen aus.

1685 wurde Pfarrer und Dechant Christoph Alois Lautner Opfer der Hexenprozesse. Im Jahre 1753 erfolgte die letzte Hinrichtung in der Stadt.

1772 wurden erstmals Kartoffeln angebaut, und 1775 das erste Postamt eingerichtet.

19. Jahrhundert

1832 brach die Cholera aus und forderte 100 Opfer. Der Stadtbrand von 1841 vernichtete 191 Häuser. Die nächste Choleraepidemie, an der 300 Einwohner starben, folgte 1849. Auch 1851, 1855 und 1866 brach diese Seuche wieder aus.

1828 wurde die Straße von Olmütz nach Prag ausgebaut und eine weitere ins nördlich gelegene Hohenstadt angelegt.1836 entstand die Straßenverbindung nach Mährisch Aussee. 1845 nahm die Eisenbahn von Olmütz nach Prag den Betrieb auf und ein Jahr später entstand der Bahnhof in Müglitz. Mit der Ablösung der Grundherrschaften wurde Müglitz 1850 Sitz eines Bezirksgerichts und Steueramtes.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich Industriebetriebe an. Es werden aufgezählt: „Metallwarenerzeugung, Stahlwarenerzeugung, Maschinenbau (4 Betriebe), Leimfabrik, 4 Mühlen, 6 Sägewerke, Elektriziztätswerk, Zuckerfabrik, Gerberei, große Dachpappenfabrik, Faßfabrik, Stärkefarbik, Zementwarenerzeugung, 2 Ziegeleien, Lederwarenfabrik, Schuhfabrik, Buchdruckerei“.

1904 wurde die Firma Doczekal gegründet, die nach dem Ersten Weltkrieg von der Firma Siemens übernommen wurde, die dort Elektromotoren produzierte. Das Unternehmen der Elektrotechnikindustrie ist heute noch ein Produktionsstandort der Nürnberger Firma Innomotics.

1938–1945 unter NS-Herrschaft

Nach dem Münchner Abkommen von 1938, bei dem die Tschechoslowakei das Sudetenland an NS-Deutschland abtreten musste, wurde der tschechische Ort Mohelnice dem Deutschen Reich zugeschlagen und umbenannt in Müglitz. Die Stadtgemeinde gehörte ab nun bis 1945 unter nationalsozialistischer deutschen Verwaltung zum Landkreis Hohenstadt, Regierungsbezirk Troppau, im Reichsgau Sudetenland.

Kurz nach dem Überfall auf Polen im Jahr 1939 wurden von den deutschen Besatzern polnische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter nach Müglitz deportiert. Im September 1944 verzeichnete das zuständige Arbeitsamt Mährisch Schönberg rund 7500 Zwangsarbeiter. Die meisten waren in Müglitz bei der Firma Siemens eingesetzt. Auch der Reichsarbeitsdienst bezog in Müglitz einen Standort mit Arbeitslagern für die deutsche Jugend.

Die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde von Müglitz, die bis ins Mittelalter zurückreichte, und die über Jahrhunderte einen wichtigen Teil gesellschaftlichen Lebens der Stadt mittrug, endete tragisch unter der NS-Diktatur wie die Geschichte der Juden in Tschechien. Schon im November 1938 setzten unmittelbar nach der Annexion schlagartig die Verfolgungen, Plünderungen und Diskriminierungen ein. Jüdische Geschäfte, Betriebe, Wohnhäuser wurden arisiert. Unter der akuten Lebensgefahr begann eine Massenflucht der jüdischen Bevölkerung in die noch nicht besetzten Gebiete der Tschechoslowakei (Rest-Tschechei), die jedoch auch bald vom NS-Terror im neuen Protektorat Böhmen und Mähren schon 1939 eingeholt wurde. Die meisten wurden zunächst ins Ghetto Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert. Der alte jüdische Friedhof Mohelnice, der schon 1554 am östlichen Stadtrand angelegt wurde, wurde in den letzten Jahrzehnten restauriert und ist heute sichtbares Denkmal des im Holocaust ausgelöschten jüdischen Lebens dieser Stadt.

1946 Vertreibung der deutschen Einwohner

Bis 1945 war die Mehrheit der 4500 Einwohner des eher ländlich geprägten Städtchens deutschsprachig gewesen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Herrschaft wurde in Müglitz ein Aussiedlungslager eingerichtet. 1946 wurde hier die deutsche Bevölkerung des gesamten Umlandes vor der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei zunächst gesammelt. Mit 50 kg Gepäck sollte sie ihre Heimat verlassen. Von tschechischen Beamten wurden allerdings bei sogenannten Transportkontollen von dem zugelassenen, mitgebrachten Gepäck wahllos Kleider, Betten, Geschirre, Gebrauchsgegenstände, Ausweise und Urkunden, Andenken, selbst Kinderspielzeug, beschlagnahmt. Wert- und Schmuckstücke, Briefmarken und Wertsammlungen wurden vielen bereits vorher in ihren Wohnungen geraubt. Von diesem Lager ging es mit dem Zug weiter über die Grenze in das von den alliierten Siegermächten besetzte Deutschland. Jeder Transport bestand aus 40 Güterwaggons mit je 30 Personen. Gepäck und Personen wurden zusammen in einem Waggon untergebracht.

Nach dem Krieg erhielt der tschechische Ort wieder den Namen Mohelnice. Der Betrieb von Siemens wurde verstaatlicht. Die leerstehenden Häuser wurden von Tschechen bezogen.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1939
Jahr Einwohner Anmerkungen
1880 4.601 4.443 Deutsche, 72 Tschechen
1890 4.391 4.277 Deutsche, 100 Tschechen
19004.2134.014 Deutsche, 176 Tschechen
1910 4.562 4.294 Deutsche, 191 Tschechen
1921 4.751 3.914 Deutsche, 624 Tschechen
19304.5743.704 Deutsche, 666 Tschechen
19394.325ca. 3688 Deutsche

Die Tabelle wirft Fragen zum Schicksal der tschechischen Einwohner seit 1938 auf.

Gemeindegliederung

Die Stadt Mohelnice besteht aus den Ortsteilen

Grundsiedlungseinheiten sind Buková, Bušín, Horní Krčmy, Křemačov, Květín, Libivá, Mohelnice-jih, Mohelnice-střed, Mohelnice-západ, Moravičanské jezero, Nad dráhou, Podolí, Průmyslový obvod, Řepová, Studená Loučka, Újezd, Za cihelnou, Za sídlištěm und Zámeček.

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Buková u Studené Loučky, Bušín u Studené Loučky, Křemačov, Květín, Libivá, Mohelnice, Podolí u Mohelnice, Řepová, Studená Loučka und Újezd u Mohelnice.

Verkehr

Durch Mohelnice führt die Europastraße 442. In der Stadt endet die von Olomouc kommende Autobahn Dálnice 35 (bis 31. Dezember 2015 Rychlostní silnice 35), die nach Westen als Silnice I/35 weiterführt. Nach Norden zweigt die Silnice I/44 ab. Außerdem zweigen in Mohelnice die Staatsstraßen II/444 nach Úsov, II/635 nach Loštice und II/644 nach Městečko Trnávka ab. Am östlichen Stadtrand verläuft die Bahnstrecke Česká Třebová–Olomouc.

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere

Literatur

Commons: Mohelnice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ https://vdb.czso.cz/vdbvo2/faces/en/index.jsf?page=vystup-objekt&z=T&f=TABULKA&skupId=6692&katalog=35178&pvo=MLO202425&pvo=MLO202425&pvokc=65&pvoch=7106
  2. ↑ Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2023 (PDF; 602 kB)
  3. ↑ (Zusammenfassung aus Pfohl, Ernst: Ortslexikon Sudetenland, Nürnberg 1987, S. 356): Müglitz. In: Schönhengstgau. Schönhengster Heimatbund e.V., abgerufen am 31. August 2026.
  4. ↑ Rolf Jehke, Herdecke: Stadt Müglitz. In: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945. 26. Januar 2015, abgerufen am 31. August 2026.
  5. ↑ Müglitz Mohelnice. In: Verlorenes Gedächtnis? Orte der NS-Zwangsarbeit in der Tschechischen Republik (Ausstellung). Institut Terezínské iniciativy o.p.s. in Zusammenarbeit mit den Partnern Antikomplex, Živá paměť und der Gedenkstätte Flossenbürg, 2016, abgerufen am 31. August 2026.
  6. ↑ R.A.D. Abteilung 2/383 Müglitz a. d. March. In: Sudetengebiete, Städte und Gemeinden bis heute. Heimatpflege aus Sohland a.d. Spree, abgerufen am 31. August 2026.
  7. ↑ Walter Wollmann (Hrsg.): Heimatkreis Hohenstadt/March. 2. Auflage. Verlag Heimatkreis Hohenstadt-Müglitz, Göppingen 1982, S. 33.
  8. ↑ k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Mähren. Wien 1885, S. 47
  9. ↑ k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Mähren. Neubearbeitung auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1890. Wien 1893, S. 60
  10. ↑ k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, Band X: Mähren, Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, Wien 1906, S. 70
  11. ↑ k.k. Statistische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Mähren. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1918, S. 41
  12. ↑ Statistisches Gemeindelexikon von Mähren und Schlesien, im Verlage des Statistischen Staatsamtes, Prag 1925, S. 62
  13. 1 2 Mitteilungen des Statistischen Zentralamtes, Jahrgang XXII (1941), Nummer 116–134, Reihe D, Nr. 53–57. Die Einwohnerzahl der Sudetenländer 1869–1940. Band VI, Sudetendeutsche Gebiete. S. 945
  14. ↑ Schönhengster Heimatbund e. V. (Hrsg.): . Stuttgart 1962, S. 54.
  15. ↑ Části obcí, uir.cz
  16. ↑ Základní sídelní jednotky, uir.cz
  17. ↑ Katastrální území, uir.cz