Die Taten eines Helden in Mythen, Romanen, Filmen und Videospielen ereignen sich auf einer Heldenfahrt oder Heldenreise, manchmal auch Quest genannt, die durch typische Situationsabfolgen und Figuren gekennzeichnet ist. Diese archetypische Grundstruktur (Typus) wird nach einem Begriff von James Joyce (1939) auch als „Monomythos“ bezeichnet. Der Begriff Monomythos beschreibt eine einzelne konsistente Erzählung, die in ubiquitärer Weise und Ausprägungen ihren Ausdruck findet.
Das Konzept der Heldenreise schließt an narratologische Arbeiten russischer Philologen wie etwa die Morphologie des Märchens (1928) von Vladimir Propp und Jurij M. Lotmans Struktur literarischer Texte (1970), an. Frühere Versionen dieser Strukturanalyse wurden außerdem von Autor und Psychoanalytiker Otto Rank und mit The Hero: A Study in Tradition, Myth and Drama (1936) von Lord Raglan getätigt.
Als ein Grundmuster der Mythologien hat der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell (1904–1987) das Motiv der Heldenfahrt erforscht und bekannt gemacht. Beeinflusst wurde er dabei von Carl Jungs Analytischer Psychologie. Campbell nutzte das Konzept des Monomyth, um Religionen zu analysieren und zu vergleichen. Seiner Theorie folgend können die analysierten Strukturen des Monomythos in unterschiedliche Stadien und diese wiederum in mehrere Stationen unterteilt werden. Dabei setzt sich der einheitliche Kern des Monomythos aus der chronologischen Abfolge von Separation, Initiation und Rückkehr der zentral handelnden Figur zusammen.
Kritik für das Konzept eines Monomythos kam besonders von Gelehrten der Folkloristen, die es als nicht ausreichend wissenschaftlich ansehen, da es unter anderem bei den Quellen zur Stichprobenverzerrung gekommen sein soll.
In den letzten Jahren wurde die Heldenreise als Beispiel für einen sympathetic plot (deutsch: mitfühlenden Plot) analysiert. Dies ist eine universelle narrative Struktur, in der ein zielorientierter Protagonist mit Hindernissen konfrontiert wird, sie überwindet und dafür Belohnungen einstreicht.
Erzählungen gehören zur anthropologischen Grundausstattung, sie sind, wie es Roland Barthes (1985) beschrieb, international, transhistorisch, transkulturell. Erzählte Geschichten sind eine anthropologische Universalie. Ein wichtiger Aspekt des Erzählens, wie er auch in der Erzähltheorie erfasst wird, sind die in der (fiktiven) Welt dargestellten und handelnden Figuren als symbolische Träger. In allen Erzählungen begegnen den Rezipienten Figuren mit Zielen, Wünschen und Emotionen. Nach Vogler hat Joseph Campbell in seiner globalen Analyse der verschiedensten „Heros-Mythen“ erkannt, dass es sich letztlich immer um die gleiche Geschichte handelte, die in vielfältigen Variationen immer wieder verarbeitet wird. Der Entwicklungsweg einer Figur kann symbolisch als „mythologische Heldenreise“ dargestellt werden. Im Verlaufe dieses Entwicklungsweges begegnet der Rezipient unterschiedlichen Ausgestaltungen, das heißt die Figur wird zu unterschiedlichen Gestalten bzw. nimmt unterschiedliche Rollen ein. Solche Ausgestaltungen der Figuren und deren Rollen können als Archetypen interpretiert werden.
Die Untersuchung von Heldenmythen-Narrativen kann auf Beobachtungen des Anthropologen Edward Burnett Tylor in 1871 zurückgeführt werden, welcher die sich wiederholenden Bestandteile in dem Plot der Geschichten bemerkte. Der Philologe Johann Georg von Hahn erstellte außerdem eine Liste verbreiteter Motive, Charaktereigenschaften und Situationen aus indogermanischen Heldengeschichten in seinem Text Sagwissenschaftliche Studien von 1876.
In der Narratologie und der Studie der vergleichenden Mythologie wurden narrative Muster von verschiedenen Theoretikern aufgezeigt, beispielsweise von Otto Rank im Jahr 1909 und 1936 von Amateur-Anthropologist Lord Raglan. Beide erstellten Listen von Eigenschaften mythischer Helden, die sich über die verschiedenen Kulturen hinweg überschneiden, und diskutierten Muster der Heldennarrative im Rahmen des Ritualismus und der Freud’schen Psychoanalyse.
Das Wort Monomythus kam ursprünglich aus Finnegans Wake (1939) von James Joyce. Campbell studierte dessen Arbeit bekanntermaßen und war Mitverfasser von A Skeleton Key to Finnegans Wake (1944), der den Roman entschlüsseln und analysieren soll. Der singuläre Artikel in der Monomythos impliziert, dass die Heldenreise die einzige narrative Urform ist, der Begriff Monomythos wurde aber auch allgemeiner genutzt, um mythologische Strukturen oder scheinbare Mythems zu beschreiben, die sich durch verschiedene Kulturen ziehen.
Der Ausdruck „Die Heldenreise“, der nach Campbells Monomythos benutzt wird, gelangte durch zwei Dokumentationen in den allgemeinen Diskurs. Die erste, engl. The Hero's Journey: The World of Joseph Campbell (1987), wurde 1990 begleitet von dem Buch engl. The Hero's Journey: Joseph Campbell on His Life and Work (mit Phil Cousineauj und Stuart Brown). Die Zweite Dokumentation (mit dazugehörigem Buch) war von Bill Moyers, dabei handelt es sich um eine Interviewreihe mit Campbell, veröffentlicht 1988 unter dem Titel Die Macht der Mythen.
Die Stationen einer Heldenreise (nicht alle finden in jeder mythologisch relevanten Story statt) stellen sich nach Campbell wie folgt dar:

Dieses Modell der Heldenreise wurde von einigen Autoren wie z. B. Christopher Vogler, Blake Snyder und Carol S. Pearson adaptiert und teilweise anders unterteilt.
Charlotte Brontës Figur Jane Eyre aus dem gleichnamigen Roman illustriert, welchen Platz Heldinnen in der Heldenreise einnehmen. Das Bestreben der Autorin war es, eine einzigartige weibliche Figur zu kreieren, die dem Titel „Heldin“ gerecht werden konnte. Bei dem Roman handelt es sich um einen Bildungsroman, eine Coming-of-Age Geschichte, wie sie typisch für viktorianische fiktionale Literatur war, die die moralische und psychologische Entwicklung der Protagonistin zeigt, während sie erwachsen wird.
Jane als eine viktorianische Frau der Mittelklasse erfährt ganz andere Schwierigkeiten und Konflikte als einer ihrer männlichen Counterparts wie beispielsweise Pip in Große Erwartungen. Das veränderte den Verlauf der Heldenreise, da Brontë die fundamentalen Probleme bemerkte, die Frauen zu dieser Zeit plagten (eine besonders relevante Quelle für diese Konflikte war oft die Beziehung von Frauen zu Macht und Reichtum und wie weit sie oft davon entfernt waren, diese zu erreichen).
Charlotte Brontë geht noch einen Schritt weiter mit der Figur, indem sie Jane zu einer leidenschaftlichen und direkten Person machte, im Vergleich zu anderen Frauen ihrer Zeit. Der Missbrauch und das psychologische Trauma, das Jane als Kind von den Reeds erfährt, führt zu der Entwicklung von zwei zentralen Zielen der Figur, die sie erreichen muss, um die Heldinnenreise zu vervollständigen: dem Drang zu lieben und geliebt zu werden und ihrem Wunsch nach Freiheit. Sie erreicht Letzteres, indem sie Mrs. Reed damit konfrontiert, wie sie Jane in deren Kindheit behandelt hat. Dadurch erreicht sie Freiheit des Geistes.
Während Jane im Verlauf des Romans wächst, wird deutlich, dass sie nicht gewillt ist, ein Ziel für das andere zu opfern. Als Rochester, der „Verführer“ in ihrer Geschichte, sie fragt, ob sie als seine Geliebte bei ihm bleiben will, lehnt sie ab, da es ihre gewonnene Freiheit aufs Spiel setzen würde. Stattdessen kommt sie wieder, nachdem Rochesters Frau gestorben ist, heiratet ihn und ist somit in der Lage, beide ihrer Ziele zu erreichen und ihre Rolle in der Heldenreise zu erfüllen.
Obwohl die Geschichte mit einer Hochzeits-Trope endet, kehrt Brontës Figur erst nach vielen Jahren zurück, in denen sie die Chance hatte, zu wachsen. Dadurch kommt sie so nah an eine Gleichberechtigung der Partner wie möglich, während sie außerdem ihre Entwicklung in der Heldinnenreise vollständig ausgeschöpft hat. Da Jane in der Lage war, Rochester als Ebenbürtige und durch ihren eigenen Antrieb zu heiraten, wird sie zu einer der befriedigendsten Heldinnen in der Literatur und der Heldinnenreise.
Die Geschichte von Amor und Psyche ist eine von dreizehn Geschichten von Metamorphosen von Apuleius (158 n. Chr.) und behandelt ebenfalls eine Heldengeschichte. Die Geschichte der zentralen Heldin der Erzählung startet, da sie eine wunderschöne Frau ist und sich der Konflikt daraus entwickelt. Ihre Schönheit isoliert Psyche von der Gesellschaft, denn kein Mann traut sich, um ihre Hand anzuhalten, da sie sich ihrer scheinbar gottgleichen Schönheit und ihrer Freundlichkeit nicht angemessen fühlen. Psyches Ruf ins Abenteuer ist ungewollt: Durch ihr Äußeres wird sie von Männern angebetet, was die Göttin Venus eifersüchtig werden lässt und schlussendlich dafür sorgt, dass Psyche verbannt wird. Sie gerät in eine ihr unbekannte Welt und wird von einem Orakel angewiesen, auf einem Berg in Beerdigungskleidung zu warten. Von dort wird Psyche vom Westwind zu einer scheinbar göttlichen Umgebung gebracht, wo der Gott Amor ihr Mann wird. Er verheimlicht allerdings seine wahre Identität, und als Psyche versucht, diese herauszufinden, flieht er, sodass sie auf eine Reise gehen muss, um ihren Mann wieder zu finden. Dafür muss sie vier scheinbar unlösbare Aufgaben der Venus lösen. Trotz der Schwierigkeiten ist Psyche in der Lage, diese Aufgaben zu lösen, und erreicht ihr Ziel, indem sie selbst eine Göttin wird und auf den Olymp zieht, um dort mit ihrem Mann für immer zu leben.